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Bundesärztekammer informiert über Methadon bei Krebs

Die Bundesärztekammer hat ein Faltblatt für Patienten „Methadon in der Krebsbehandlung“ herausgegeben. Darin wurden die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammengefasst. Doch einige Fakten fehlen.
Patienteninformation „Methadon in der Krebsbehandlung“: Ein paar Fakten außer Acht gelassen

Patienteninformation „Methadon in der Krebsbehandlung“: Ein paar Fakten außer Acht gelassen

Auf der homepage der Bundesärztekammer ist neuerdings ein Faltblatt zu finden, das sich dem Thema „Methadon in der Krebsbehandlung“ widmet. Das zweiseitige Dokument richtet sich ausdrücklich an Patienten mit fortgeschrittenem Krebs. In einer einfachen Sprache wird ihnen von der Einnahme von Methadon abgeraten, da bislang kein Nutzen belegt sei und Methadon vielmehr Schäden verursachen könne. Außerdem wird auf die wissenschaftlichen Fachgesellschaften verwiesen, die ja einstimmig vor dem Einsatz von Methadon in der Krebstherapie warnen. „Sie (die wissenschaftlichen Fachgesellschaften) sehen nach den derzeit vorliegenden Daten keinen ausreichenden Anhaltspunkt für einen Nutzen, aber Belege für Schäden“, heißt es in der Patienteninformation, die vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erstellt wurde.

Kein Nutzen, aber Belege für Schäden gefunden

Wer die Stellungnahmen der wissenschaftlichen Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) dazu kennt, findet nicht viel Neues in der Schrift. Als Nebenwirkungen werden gefährliche Herz-Rhythmus-Störungen, Atemprobleme, die sogar Organe schädigen können, Wassereinlagerungen, Verstopfung und Beeinträchtigung von Krebsmedikamenten aufgeführt. Zudem könne es zu gefährlichen Überdosierungen kommen und es gebe Hinweise, dass Methadon möglicherweise sogar die Sterblichkeit erhöht. 

Wichtige Studienergebnisse fehlen

Bemerkenswerterweise fehlt der Hinweis, dass Methadon nur ergänzend zur Chemotherapie gegeben wird, und das in wesentlich geringeren Dosen, als es bei der Drogensubstitution und der Schmerztherapie der Fall ist. Diese Information ist nicht ganz nebensächlich. Eine Studie der Charité und des Uniklinikums Ulm mit 27 Hirntumor-Patienten hatte nämlich herausgefunden, dass Methadon als begleitendes Krebsmedikament im Allgemeinen sehr gut vertragen wurde. Übelkeit und Verstopfung waren demnach die schlimmsten unerwünschten Nebenwirkungen. Die Studie wird in der Patienteninformation zwar genannt, jedoch nicht ihre Ergebnisse. Die hätten auf jeden Fall die eindringliche Warnung vor den schweren Schäden relativiert. Dabei betonen die Autoren, dass die Patienteninformation auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Schwer zu verstehen, warum ausgerechnet eine der wenigen Studien, die es zu Methadon und Krebs überhaupt gibt, nicht einbezogen wurde. 

Erlebnisberichte nicht vertrauenswürdig?

Auch die Fallsammlung von Dr. Claudie Friesen vom Universitätsklinikum Ulm bleibt unerwähnt. Friesen hatte 2007 per Zufall im Labor die krebstötende Wirkung von Methadon entdeckt und daraufhin die Daten von mehr als 350 Patienten gesammelt. Danach kam es bei Hunderten Patienten zu einem Rückgang von Tumoren und Metastasen, wenn Methadon zusätzlich zur Chemotherapie eingenommen wurde. Die Fallsammlung entspricht zwar nicht den strengen Kriterien einer wissenschaftlichen Studie, doch sie stammt aus einer seriösen Quelle und geht aufgrund ihrer Größe weit über einzelne Zufallsbeobachtungen hinaus. Dass das Universitätsklinikum Ulm sämtliche Einträge dazu auf seiner homepage gelöscht hat, nachdem das Thema Wellen geschlagen hatte, spricht eher für als gegen Friesens Funde.

Wer Wirksamkeit mit Erlebnisberichten belege, sei nicht vertrauenswürdig, schreibt das ÄZQ-Team für die Bundesärztekammer. Offenbar eine Anspielung auf Friesens Fallberichte und die des Palliativmediziners Hans-Jörg Hilscher, von denen einige in diversen Fernsehdokumentationen vorgestellt wurden. Deren Vertrauenswürdigkeit anzuzweifeln, diskreditiert in erster Linie die betroffenen Patienten. 

 

Die Wahl zwischen dem Krebstod und einem letzten Strohhalm

Richtig ist, dass man solche Berichte kritisch prüfen sollte. Richtig ist auch, dass es derzeit keine guten Studien zu Methadon in der Krebstherapie gibt und der Nutzen nicht wissenschaftlich belegt ist. Dennoch klingt es etwas makaber, wenn Patienten mit geringer Lebenserwartung so angesprochen werden: „Denn auch wenn es für manche Menschen in einer schwierigen Situation ein Strohhalm zu sein scheint: Methadon kann Schäden verursachen. Das weiß man sicher.“ Ein Twitter-Nutzer schreibt wahrscheinlich vielen unheilbar kranken Krebspatienten aus der Seele: „Weil Krebs ja keine Nebenwirkungen macht.“

Foto: M.Rode-Foto - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
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