. Niedergelassene Ärzte

Bürokratieindex: So viel Zeit verbringen Ärzte mit Papierkram

52 Millionen Stunden – so viel Zeit haben niedergelassene Ärzte in diesem Jahr mit Papierkram zugebracht. Das zeigt der neue Bürokratieindex der kassenärztlichen Bundesvereinigung.
Bürokratieindex zeigt die hohe Belastung niedergelassener Ärzte

Bürokratieindex zeigt die hohe Belastung niedergelassener Ärzte

Seit Jahren klagen Ärzte und Psychotherapeuten über zu viel Bürokratie. Nun wird transparent, wie viel Zeit die Niedergelassenen tatsächlich am Schreibtisch verbringen: Der neue Bürokratieindex der kassenärztlichen Bundesvereinigung zeigt, dass allein in diesem Jahr 52 Millionen Stunden für Papierkram draufgingen. Zeit, die für die eigentliche Patientenversorgung verlorengeht.

Zwar habe es an einigen Stellen Entlastungen gegeben, beispielsweise durch die Abschaffung der Auszahlscheine im Krankengeldfall, meint der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen. Aber es seien auch immer neue Belastungen hinzugekommen. „52 Millionen Stunden sind einfach immer noch zu viel. Die Zeit der Niedergelassenen ist schließlich in erster Linie für die Patienten da und nicht für den Papierkram“, betonte Gassen bei der Vorstellung des neuen Bürokratieindex.

Seit 2013 geringe Entlastung

Der Bürokratieindex wurde in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) entwickelt und basiert auf dem sogenannten Standardkosten-Modell. Dabei wurde die Bestandsmessung durch das Statistische Bundesamt aus dem Jahr 2013 auf den neuesten Stand gebracht. Nach KV-Angaben  lag der Bürokratieaufwand 2013 noch bei 55 Millionen Stunden, was einem Gegenwert von 2,36 Milliarden Euro entspricht. Der Bürokratieindex ist somit von der Basis 100 im Jahre 2013 auf den Wert 95,28 in 2016 gefallen. „Diese Absenkung geschieht jedoch von einem viel zu hohen Niveau aus“, kritiserte Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KV Westfalen-Lippe.

 

Bürokratieindex soll beim Bürokratieabbau helfen

Der Bürokratieindex soll künftig jährlich aktualisiert und veröffentlicht werden. Damit wollen die Initiatoren ihre Forderung nach einem Bürokratieabbau mit Zahlen untermauern. „Die durch den Bürokratieindex gewonnenen Erfahrungen werden bei der gemeinsamen Entbürokratisierung helfen und zukünftig auch die verhinderte Bürokratie sichtbar machen“, ist Kriedel zuversichtlich. Ein solcher Praxistest sei unabdingbar, damit sich die Ärzte wieder mehr um ihre Patienten kümmern könnten.

Foto: © Antonioguillem - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Niedergelassene Ärzte , Psychotherapeuten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Bürokratie

| Pflegekräfte klagen seit Jahren über zu viel Bürokratie. Eine Studie im Auftrag der Bundesregierung hat nun den bürokratischen Aufwand in der Pflege ermittelt. Allein für die Pflegedokumentation entstehen jährlich Kosten von rund 2,7 Milliarden Euro.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Aufgrund der Corona-Pandemie nutzen viele Reisende für die Fahrt in den Urlaub das Auto. Das CRM Centrum für Reisemedizin gibt Tipps, was sich gegen die Reisekrankheit tun lässt.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.