. Pflege

Bürokratie in der Pflege verschlingt Milliarden

Pflegekräfte klagen seit Jahren über zu viel Bürokratie. Eine Studie im Auftrag der Bundesregierung hat nun den bürokratischen Aufwand in der Pflege ermittelt. Allein für die Pflegedokumentation entstehen jährlich Kosten von rund 2,7 Milliarden Euro.
Bürokratie in der Pflege kostet zu viel Zeit und Geld

Teuer: Pflegekräfte müssen jeden Handgriff dokumentieren

Mehr Zeit für die eigentliche Pflege am Menschen - mit diesem Ziel war die schwarz gelbe Koalition angetreten. Doch zur Entbürokratisierung der Pflege liegt bislang nur eine vorläufige Analyse vor, die die Bundesregierung bei Fachleuten in Auftrag gegeben hat. Gehandelt wurde noch nicht. Dafür hat es die Studie „zur Ermittlung des Erfüllungsaufwands in der Pflege“ in sich. Die im März vorgestellten Ergebnisse belegen den immensen Verwaltungsaufwand in der Pflege. Demnach schlägt der bürokratische Aufwand bei der Beantragung von Pflegeleistungen sowie bei der Pflegedokumentation besonders zu Buche: Allein für die Pflegedokumentation entstehen jährlich Kosten von rund 2,7 Milliarden Euro. Das entspricht 12,2 Prozent der Gesamtausgaben der Pflegekassen. Mehr als zwei Drittel dieser Kosten entfallen dabei auf das Ausfüllen von Leistungsnachweisen. Die Feststellungen von Pflegestufen verursachen dem vorläufigen Bericht zufolge 110 Millionen Euro. Die Kosten für die Antragsverfahren im Bereich der häuslichen Krankenpflege betragen 54 Millionen Euro.

„Die Bürokratiekosten sind aus dem Ruder gelaufen“

Auch das Statistische Bundesamt hat weitere Zahlen zum Dokumentationsaufwand ermittelt. Kommt jemand neu in ein Pflegeheim, muss eine Fachkraft sechs Stunden und 26 Minuten darauf verwenden, die Dokumentation für den neuen Bewohner anzulegen. Neben der Dokumentation ziehen auch andere Aufgaben hohe Kosten nach sich. Für die Feststellung der Pflegestufe kommt das Statistische Bundesamt zu Kosten von 110 Millionen Euro, während Anträge auf häusliche Krankenpflege, Heilmittel oder Hilfsmittel mit Werten zwischen 54 und 64 Millionen Euro zu Buche schlagen.

„Die Bürokratiekosten sind vollständig aus dem Ruder gelaufen und die Studie zeigt, dass der Handlungsdruck enorm hoch ist, sagte dazu der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer. Nach bpa-Angaben wendet ein Pflegeheim mit 100 Plätzen rund 26 Arbeitsstunden für die Pflegedokumentation auf, Zeit, die für Betreuung und Pflege verloren gehen. „Wir können und dürfen es uns in Zukunft nicht mehr leisten, dass von acht Stunden Arbeitszeit im Pflegeheim oder beim ambulanten Pflegedienst eine Stunde nur für die Pflegedokumentation wegfällt", so Bernd Meurer. Der Pflegeexperte setzt hohe Erwartungen an die angekündigten Vorschläge zur Vereinfachung der Pflegedokumentation der Ombudsfrau des Bundesgesundheitsministeriums. „Wir erwarten aber auch entschlossenes Handeln der Kranken- und Pflegekassen zur Verkürzung von Genehmigungsverfahren. Wir bieten unsere konstruktive Beteiligung an einem spürbaren Abbau der Bürokratie in der Pflege an", so Meurer.

 

"Mehr Zeit für die eigentliche Pflege am Menschen" steht bislang nur auf dem Papier

Empfehlungen seitens des Bundesgesundheitsministeriums, wie die Pflege entbürokratisiert werden könnte, stehen allerdings noch aus. Und selbst wenn der Abschlussbericht vorgelegt wird, wird es dauern, bis die Empfehlungen umgesetzt werden. Bislang ist das Ministerium von Daniel Bahr seinem erklärten Ziel - „mehr Zeit für die eigentliche Pflege am Menschen" - jedenfalls nicht näher gekommen.

Foto: obs/ASB Bundesverband

Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Pflegequalität , Pflegekosten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Gabriele Schilling, Heim- und Pflegeleiterin des St. Kamillus Seniorenheims der Caritas, über die übertriebene Angst vorm Pflegeheim, eine bessere Bezahlung von Altenpflegern und schlechte Noten für die Qualitätsprüfer.
 
. Weitere Nachrichten
Die Überlebenschancen eines Frühgeborenen hängen stark davon ob, in welcher Klinik es in den ersten Lebenswochen versorgt wird. Diese und andere besorgniserregende Defizite des Gesundheitssystems zeigt der Qualitätsmonitor 2019 auf. Am Donnerstag wurde die Publikation in Berlin vorgestellt.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.