Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.01.2019

Bürger misstrauen Datensicherheit im Gesundheitswesen

Ausfall von Computersystemen im Krankenhaus, unverschlüsselt gespeicherte Daten beim Hausarzt, schwache Vorkehrungen gegen Hacker-Angriffe: Nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC sehen viele der Deutschen hierin die Hauptrisiken der Digitalisierung des Medizinbetriebs.
Computer-Hacker, getarnt im Kapuzen-Sweater, mit Laptop vor Diagnosebildern

Hackerangriffe auf das Gesundheitswesen nehmen zu. Drei von fünf Krankenhäusern in Deutschland waren davon schon betroffen. Häufig sind die Täter Erpresser und wollen Geld.

Können Hacker Herzschrittmacher kapern? Der frühere US-Vizepräsident Dick Cheney jedenfalls ließ aus Angst vor Cyber-Angriffen die Fernsteuerungsfunktion seines Herzschrittmachers abschalten, heißt es. Ebenso wie der Spitzenpolitiker aus den Staaten fürchten offensichtlich auch viele Deutsche die Risiken und Nebenwirkungen der digitalen Medizin: Drei von zehn Patienten haben Angst vor dem Ausfall der Computersysteme während eines Krankenhausaufenthalts. 51 Prozent glauben, dass insbesondere kleinere kommunale Krankenhäuser in ländlichen Gegenden schlecht auf einen Angriff aus dem Netz vorbereitet sind. Nachholbedarf bei der Datensicherheit sehen die Bürger auch bei konfessionellen Krankenhäusern (46 Prozent) und Hausarztpraxen (45 Prozent). Das sind zentrale Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bundesbürgern.

Je größer dagegen die Gesundheitseinrichtung, desto stärker scheint beim Thema Datensicherheit das Vertrauen deren Professionalität. Gegen Cyber-Attacken gut gewappnet zu sein, trauen die Befragten am ehesten Unikliniken, Gesundheitszentren, großen Gemeinschaftspraxen sowie Kliniken privater Träger mit mehreren Häusern zu.

Hacker-Angriffe: „Zentrales Geschäftsrisiko der Gesundheitswirtschaft“

"Die Angriffe auf Krankenhäuser in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass die Befürchtungen der Bürger durchaus realistisch sind", sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. Das Lagebild, das der Experte für Gesundheitsunternehmen zeichnet, klingt alarmierend: „Hacker-Angriffe haben sich zum zentralen Geschäftsrisiko in der Gesundheitswirtschaft entwickelt.“ Sind Krankenhäuser von einem Hacker-Angriff betroffen, müssten sie im schlimmsten Fall ihre gesamte IT abschalten. Damit seien sie für eine bestimmte Zeit „ins analoge Zeitalter zurückgeworfen“. Der PwC-Experte rät deshalb Krankenhäusern und Arztpraxen dazu, weit mehr als bisher in ihre Datensicherheit zu investieren und ihr IT-Personal aufzustocken.

 

Skepsis beim Umgang mit Daten in Arztpraxen

Auch für den Bereich der alltäglich in Anspruch genommenen niedergelassenen Haus- und Fachärzte wünschen sich die Befragten mehr Vertrauenswürdigkeit und Daten-Professionalität. Nach der aktuellen Studie glaubt jeder Dritte nicht daran, dass alle Patientendaten dort verschlüsselt gespeichert werden beziehungsweise dass Datenpannen und Datenschutzverstöße an die zuständige Aufsichtsbehörde gemeldet werden. Nicht einmal die Hälfte der Befragten (48 Prozent) geht davon aus, dass in ihrer Hausarztpraxis die nötigen Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.

Achtung: manipulierte Mails, betrügerische Telefonate

Eine große Mehrheit der Befragten (87 Prozent) erkennt in einer Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter die wichtigste Schutzmaßnahme. Der Faktor Mensch gilt nach der PwC-Studie als entscheidend für die Datensicherheit im Gesundheitswesen. „Cyberkriminelle nutzen gezielt die Unachtsamkeit von Mitarbeitern aus, etwa über manipulierte Mails oder betrügerische Telefonate“, sagt Jörg Asma, Leiter des Bereichs Cyber Security bei PwC. Deshalb sei es so wichtig, die Belegschaft laufend über aktuelle Cyberrisiken zu informieren.

E-Health: „Neue Chancen für Patienten, Verwundbarkeit fürs System“

Auf das Engagement der Krankenhäuser und Praxen alleine wollen sich die Bundesbürger beim Thema Datensicherheit aber offenbar nicht verlassen: 85 Prozent der Befragten wollen, dass Schutzmaßnahmen in der Gesundheitswirtschaft gesetzlich vorgeschrieben werden und nicht nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Wichtig ist den Patienten vor allem eine Meldepflicht von Angriffen aus dem Internet bei der zuständigen Behörde; außerdem ein bundesweit standardisiertes Sicherheitskonzept, das beispielsweise vom Gesundheitsministerium vorgegeben werden könnte. "E-Health bietet dem Patienten ganz neue Chancen der Versorgung, macht das Gesundheitssystem aber auch verwundbarer für Angriffe von außen", resümiert Cyber-Security-Experte Asma. "Die sichere Speicherung und Übermittlung von sensiblen Patientendaten muss zum Standard werden, wie es auch das E-Health-Gesetz fordert."

Foto: Fotolia.com/peshkov

Autor: zdr
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bundesgesundheitsministerium , Krankenhäuser , Ärzte , Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Digitalisierung und Medizin

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Im Profi-Sport wird den Zellbausteinen seit ein paar Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spezielle Trainingsmaßnahmen und Nahrungsergänzungsmittel lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit offenbar enorm steigern.

Mitarbeiter im Gesundheitswesen kämpfen an vorderster Front: Viele kamen während der Pandemie an die Grenzen dessen, was Menschen aushalten können. Eine Studie der Universität Bonn zeigt: Besonders in einer Berufsgruppe haben Ängste und Depressionen behandlungsbedürftige Dimensionen erreicht.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin