. Falschmeldung

Brustkrebssterblichkeit in Deutschland nicht höher als in anderen EU-Ländern

Die Aussage "Deutschland hat die höchste Brustkrebs-Todesrate Europas", die Anfang März viele Medien verbreitet hatten, trifft nicht zu. Dies teilt das Robert Koch-Institut in einer aktuellen Stellungnahme mit.
Brustkrebs

Brustkrebs

Wissenschaftler des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (RKI) haben jüngste Medienberichte kritisiert, wonach Deutschland im europaweiten Vergleich die höchste Brustkrebssterblichkeitsrate habe. In den Medien sei eine Analyse von Mailänder Wissenschaftlern zitiert worden, die lediglich die Ergebnisse aus sechs Ländern vergleiche und sich auf teilweise veraltete Daten stütze. "Einige Medien haben aus dem Vergleich zwischen sechs Ländern einen für ganz Europa gemacht und sich aus der Analyse die für Deutschland negativste Aussage herausgesucht", sagt Dr. Klaus Kraywinkel, Leiter des Zentrums für Krebsregisterdaten am RKI. So sei es zu der reisserischen Schlagzeile "Deutschland hat höchste Brustkrebs-Todesrate Europas" gekommen, die aber nicht gerechtfertigt sei.

Brustkrebssterblichkeit in Europa

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts lag in 2009 die Brustkrebssterblichkeit in Deutschland nur minimal über dem EU-Durchschnittswert. In Ungarn, Belgien und Dänemark war laut Daten von Eurostat die Brustkrebssterblichkeit EU-weit am höchsten, in Spanien und Schweden am niedrigsten.

Die Medienberichte stützten sich bei ihren Aussagen auf einen Artikel von Matteo Malvezzi, Carlo La Vecchia und anderen, der im Fachmagazin "Annals of Oncology" erschienen war. Die Wissenschaftler prognostizieren darin die Entwicklung von Krebserkrankungen in verschiedenen europäischen Ländern.
"Der für Deutschland vorhergesagte Rückgang der Mortalitätsrate von 2007 bis 2012 liegt hierbei jedoch deutlich zu niedrig", so RKI-Experte Klaus Kraywinkel. Angegeben wurde dieser mit 7,5 Prozent. Für die Berechnung seien jedoch nur Daten bis zum Jahr 2006 herangezogen worden, die den aktuellen Trend nur unzureichend abbildeten. "Werden neuere Daten der deutschen Todesursachenstatistik bis 2010 genutzt, ergibt sich ein Rückgang der Brustkrebssterberate von etwas mehr als 9 Prozent", betont Kraywinkel. "Dies entspricht etwa dem Trend in der EU insgesamt."

Brustkrebs: Abwärtstrend der Sterblichkeit

Da der Rückgang der Sterberate für die Vorhersage unterschätzt wurde, liege die für Deutschland für das Jahr 2012 prognostizierte altersstandardisierte Mortalitätsrate ebenfalls zu hoch. Die Mailänder Wissenschaftler hatten in ihrem Artikel 16,5 betroffenen Frauen pro 100.000 angegeben. Dieser Wert werde jedoch bereits von den tatsächlich gemessenen Sterberaten in 2009 und 2010 bereits leicht unterschritten, stellt das RKI richtig: Demnach starben in 2009 16,4 und in 2010 16,2 Frauen pro 100 000 an den Folgen von Brustkrebs. Ein weiterer Abwärtstrend sei zu erwarten.

Nach aktuellen Schätzungen des RKI erkrankten in 2008 knapp 72.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs, rund 17.000 starben daran. Für 2012 erwartet das RKI rund 74.500 neue Brustkrebsfälle.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Brustkrebs , Krebs , Krebsregister

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Patienten liegen sich wund, werden mit Medikamenten ruhiggestellt oder viel zu oft ins Krankenhaus eingewiesen: Der neue Pflegereport der AOK hat gravierende Mängel in deutschen Pflegeheimen aufgedeckt. Doch es gibt auch gute Heime.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.