Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
03.10.2013

Brustkrebs: Lymphknotenbestrahlung bringt leichte Überlebensvorteile

Die Entfernung sämtlicher Achsellymphknoten bei Brustkrebs ist heute längst nicht mehr Standard, da sie den Frauen keine Überlebensvorteile bringt. Neueste Daten sprechen indes dafür, dass eine Bestrahlung das Gesamtüberleben leicht verbessert.
Brustkrebs: Lymphknotenbestrahlung bringt leichte Überlebensvorteile

Die Bestrahlung der Lymphknotenstationen erweist sich bei bestimmten Patientinnen als vorteilhaft

Die Ergebnisse der EORTC-Studie mit über 4.000 Brustkrebspatientinnen und 43 beteiligten Zentren wurden lange erwartet. Am 28. September wurden sie nun endlich auf dem European Cancer Congress (ECCO)in Amsterdam  vorgestellt. Nach den Berichten der Forschergruppe um Philip Poortmans führte die zusätzliche Bestrahlung bei Frauen mit mittlerem oder leicht erhöhtem Rückfallrisiko zu einem statistisch signifikanten besseren Gesamtüberleben.

An der Studie nahmen Frauen teil, bei denen der Brustkrebs auch die Lymphknoten befallen hatte. Die Hälfte der Frauen erhielt – neben anderen Therapien - eine zusätzliche Bestrahlung der Lymphabflussregion oberhalb des Schlüsselbeins und neben dem Brustbein, die andere Hälfte bekam keine Bestrahlung der Lymphabflusswege. Die Studienteilnehmerinnen wurden im Schnitt knapp elf Jahre nachbeobachtet.

Brustkrebs: Überlebensvorteil von derzeit 1,6 Prozent

Bei Frauen, die die zusätzliche Bestrahlung der Lymphknoten erhalten hatten, erhöhte sich durch die zusätzliche Bestrahlung der Lymphknoten das krankheitsfreie Überleben von 69,1 auf 72,1 Prozent, das metastasenfreie Überleben von 75 auf 78 Prozent und das Gesamtüberleben von 80,7 auf 82,3 Prozent, teilten die Forscher mit. Den Effekt der Lymphabflussbestrahlung auf das Gesamtüberleben werteten die Forscher als statistisch signifikant. Patientinnen, die eine Chemotherapie benötigten und zusätzlich eine Hormontherapie erhalten haben, sollen am stärksten von der Lymphabflussbestrahlung profitiert haben.

„In den letzten Jahren wurde die operative Entfernung der Lymphknoten bei Brustkrebs immer weiter eingeschränkt, da die Eingriffe das Leben der Frauen nicht verlängerten“, sagt Professor Dr. med. Wilfried Budach, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Mitglied der DEGRO-Arbeitsgruppe Mammakarzinom. „Indirekte Hinweise ließen uns aber vermuten, dass eine Bestrahlung der Lymphknotenstationen für bestimmte Patientinnengruppen Überlebensvorteile bringt. Die Ergebnisse der EORTC-Studie scheinen dies nun zu bestätigen.“

Doch welche Konsequenzen müssen Ärzte jetzt aus diesen Ergebnissen ziehen, schließlich ist der Überlebensvorteil von derzeit 1,6 Prozent nach über zehn Jahren relativ klein. Dazu seien weitere Subgruppenanalysen erforderlich, meint Budach. Die neuen Erkenntnisse werden nach seiner Einschätzung in die Leitlinien zur Behandlung des Mammakarzinoms einfließen müssen und für die Behandlung einiger Patientinnengruppen Änderungen in der Behandlungspraxis nach sich ziehen.

 

Nach zehn Jahren keine Herzschäden aufgetreten

Die EORTC-Studie scheint unterdessen noch etwas anderes zu belegen: Die zusätzliche Bestrahlung führt offenbar nicht zu Herzschäden. „Diese Befürchtungen sind zumindest in den ersten elf Jahren nach Strahlentherapie unbegründet“, so Budach.

Die Studie trägt den Originaltitel „Irradiation of the internal mammary and medial supraclavicular lymph nodes in stage I to III breast cancer: 10 years results of the EORTC Radiation Oncology and Breast Cancer Groups phase III trial 22922/10925.”

Foto: © sakai2132000 - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Brustkrebs , Strahlentherapie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Zahnpflege ist wichtig. Auf lange Sicht natürlich zum Schutz vor Zahnausfall; aber auch, weil Entzündungen im Mund Krankheiten im gesamten Körper begünstigen können. Manche Lebensmittel aber schwächen beim Essen vorübergehend die Widerstandskraft des Zahnschmelzes. Deshalb gilt hier: Eine halbe Stunde warten. Oder die Zähne VOR dem Essen putzen – beim Frühstück vor allem.


Long-Covid stellt Ärzte vor ein Rätsel. Wegen der enormen Krankheitslast –- etwa jeder zehnte Covid-Patient ist betroffen – wird immerhin intensiv daran geforscht. Was Ärzte inzwischen über das komplexe Krankheitsbild wissen, hat Gesundheitsstadt Berlin Experten gefragt. Eine Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin