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08.01.2021

Braunes Fett schützt vor Bluthochdruck

Eine Studie mit 50.000 Probanden ergab, dass braunes Fett vor chronischen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und der koronaren Herzkrankheit schützt.
Braunes Fett im PET-Scan

Die Person auf dem linken PET-Scan hat braunes Fett am Hals und der Wirbelsäule, die rechte keines

Eine Studie mit 50.000 Probanden ergab, dass braunes Fett vor chronischen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz schützt. Das berichten Forscher des Rockefeller University Hospital.

Braunes Fett wird seit Jahrzehnten bei Neugeborenen und Tieren untersucht, doch erst 2009 wurde festgestellt, dass es auch bei Erwachsenen vorkommen kann, typischerweise um den Hals und die Schultern. Es ist eher bei schlanken und eher bei jüngeren Menschen zu finden und wird wohl durch Kälteeinwirkung, Bewegung und Koffein aktiviert.

Braunes Fett verbrennt Kalorien und erzeugt Wärme

Seitdem bemühten sich Forscher, die gesundheitlichen Vorteile dieses speziellen Fettgewebes zu ergründen, das die Fähigkeit besitzt, Kalorien zu verbrennen, um unter kalten Bedingungen Wärme zu erzeugen. Weißes Fett speichert hingegen Kalorien.

Großstudien mit braunem Fett waren jedoch praktisch unmöglich, da dieses Gewebe nur auf PET-Scans zu sehen ist. "Diese Scans sind teuer, aber was noch wichtiger ist, sie verwenden Strahlung", sagt Tobias Becher, Erstautor der Studie. Dem sollten gesunde Menschen nicht unnötig ausgesetzt werden.

 

Braunes Fett bei Krebsuntersuchung zu sehen

Der Mediziner fand eine Alternative. Auf der anderen Straßenseite besuchen jedes Jahr viele tausend Menschen das Memorial Sloan Kettering Cancer Center, um sich PET-Scans zur Krebsuntersuchung zu unterziehen.

Becher wusste, dass Radiologen, wenn sie auf diesen Scans braunes Fett entdecken, dies routinemäßig notieren, um es von Tumoren zu unterscheiden. "Wir haben erkannt, dass dies eine wertvolle Ressource sein kann, um mit der Untersuchung von braunem Fett in der Bevölkerung zu beginnen", sagt Becher in einer Mitteilung.

Bei 10 Prozent der Patienten war braunes Fett vorhanden

In Zusammenarbeit mit Heiko Schoder und Andreas Wibmer vom Memorial Sloan Kettering untersuchten die Forscher 130.000 PET-Scans von mehr als 52.000 Patienten und stellten fest, dass bei fast 10 Prozent der Personen braunes Fett vorhanden war.

Einige häufige und chronische Krankheiten waren bei Menschen mit braunem Fett weniger verbreitet. So  hatten nur 4,6 Prozent Typ-2-Diabetes, verglichen mit 9,5 Prozent der Menschen, die kein nachweisbares braunes Fett hatten. In ähnlicher Weise hatten 18,9 Prozent Hyperlipidämie verglichen mit 22,2 Prozent bei denen ohne braunes Fett.

Braunes Fett schützt vor Bluthochdruck

Darüber hinaus ergab die Studie weitere Erkrankungen, bei denen Menschen mit braunem Fett ein geringeres Risiko haben: Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Ein weiterer überraschender Befund war, dass braunes Fett die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von Fettleibigkeit abschwächen kann.

Übergewichtige Menschen haben im Allgemeinen ein erhöhtes Risiko für Herz- und Stoffwechselerkrankungen. Bei übergewichtigen Menschen mit braunem Fett war die Prävalenz dieser Erkrankungen hingegen ähnlich wie bei nicht übergewichtigen Menschen. "Es scheint fast so, als wären sie vor den schädlichen Auswirkungen von weißem Fett geschützt", sagt Dr. Paul Cohen, Albert Resnick Assistenzprofessor und leitender behandelnder Arzt am Rockefeller University Hospital.

Braunes Fett verbraucht Glukose

Die tatsächlichen Mechanismen, durch die braunes Fett zu einer besseren Gesundheit beitragen kann, sind noch unklar, aber es gibt einige Hinweise. Zum Beispiel verbrauchen braune Fettzellen Glukose, um Kalorien zu verbrennen. Es ist möglich, dass dies den Blutzuckerspiegel senkt, ein Hauptrisikofaktor für die Entwicklung von Diabetes.

"Wir erwägen die Möglichkeit, dass braunes Fettgewebe möglicherweise an hormonellen Signalen an andere Organe beteiligt ist", sagt Cohen. Das Team plant, die Biologie von braunem Fett weiter zu untersuchen, unter anderem durch die Suche nach möglichen genetischen Varianten. Die aktuelle Studie erschien in Nature Medicine.

Foto: MSKCC radiologists Andreas G. Wibmer and Heiko Schöder

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