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Brauche ich eine Grippeschutzimpfung?

Sonntag, 16. Januar 2022 – Autor:
Ein grippaler Infekt ist normalerweise harmlos – eine echte Grippe („Influenza“) ist es nicht. Schlimmstenfalls kann sie sogar tödlich verlaufen. Bestimmten Risikogruppen wird deshalb geraten, sich gegen Grippe impfen zu lassen – auch noch jetzt, zu Jahresbeginn. Kinder, Schwangere oder Mitarbeiter von Altersheimen sind nur einige Beispiele dafür.
Seniorin bei der Grippeschutzimpfung.

Auch mitten im Winter kann eine Impfung gegen Grippe noch ratsam sein – vor allem für Risikogruppen wie Menschen über 60. – Foto: AdobeStock/Rido

„Die Grippe ist eine ernstzunehmende Erkrankung“, heißt es in einer Mitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Auch wenn eine Impfung idealerweise vor Beginn der Grippesaison stattfinden sollte: Laut PEI ist eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll, denn: „Meist beginnt die jährliche Grippewelle in Deutschland nach der Jahreswende und dauert in der Regel bis Mitte Mai.“ Wer sich jetzt impfen lässt, ist innerhalb von zwei Wochen gegen Grippe geschützt. „Mit mehr als 34 Millionen Grippe-Impfstoffdosen steht in der aktuellen Saison genug Grippe-Impfstoff bereit, damit sich alle impfen lassen können, die dies möchten“, heißt es beim Paul-Ehrlich-Institut weiter.

Türklinken, Haltegriffe, Toiletten: Influenzaviren sind überall

Anders als ein – in der Regel harmlos verlaufender – grippaler Infekt ist die echte Grippe  (fachsprachlich: „Influenza“) eine ernste Erkrankung, die schlimmstenfalls tödlich verlaufen kann. Ausgelöst wird sie durch Influenzaviren, die durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen werden: Beim Husten, Niesen oder Naseputzen gelangen kleinste Tropfen in die Luft und Umgebung, die dann von anderen eingeatmet werden oder sich über gemeinsam genutzte Oberflächen, beispielsweise Türklinken, Haltegriffe oder Toiletten schnell weiterverbreiten. Die Inkubationszeit – also die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Symptome – beträgt ein bis zwei Tage.

 

Typisches Grippe-Symptom: Plötzliches hohes Fieber

„Grippeviren sind sehr ansteckend. Typische Krankheitszeichen sind plötzliches hohes Fieber über 38,5 Grad, trockener Reizhusten, Kopf- und Gliederschmerzen. Die Betroffenen fühlen sich sehr schwach", sagt Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. In unkomplizierten Fällen dauert eine Grippe etwa fünf bis sieben Tage. Kommt es zu Komplikationen –  beispielsweise einer Lungenentzündung, in selteneren Fällen auch einer Herzmuskel- oder Gehirnentzündung – kann die Erkrankung deutlich länger dauern. Eine Grippeerkrankung ist auch ein möglicher Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle. „Durch eine Impfung kann dieses Risiko aber deutlich gesenkt werden", sagt AOK-Ärztin Eymers.

Grippeimpfung in Corona-Zeiten: Schützt den Einzelnen, entlastet die Krankenhäuser

Eine hohe Grippe-Impfquote bei diesen Risikogruppen kann nicht nur das individuelle Risiko eines schweren Verlaufs senken, sondern auch Krankenhausaufnahmen und somit Engpässe in der stationären Versorgung vermeiden – dies ist gerade vor dem Hintergrund der noch andauernden Corona-Pandemie wichtig. Laut STIKO kann die Grippe-Impfung auch zeitgleich mit einer Corona-Schutzimpfung erfolgen. Für einige Risikogruppen ist die Impfung besonders wichtig und ratsam – denn bei ihnen besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Erkrankung schwerer verläuft.

Drei Gründe für eine Grippe-Impfung im zweiten Corona-Winter

Jetzt, im zweiten Corona-Winter, ist nach Einschätzung der „Stiftung Warentest“ ein Impfschutz gegen Grippe für bestimmte Risikogruppen besonders wichtig – aus drei Gründen:

  1. Die Grundimmunität ist gesunken. Im vergangenen Winter gab es aufgrund des langen Lockdowns kaum Grippe-Infektionen; dadurch ist die Grundimmunität in der Bevölkerung gesunken.
  2. Es droht doppelte Gefahr. Es besteht sogar die Möglichkeit, sich mit Grippe- und Corona-Erregern im selben Zeitraum zu infizieren. Die Gruppen, die eher einen schweren Krankheitsverlauf zu befürchten haben, sind bei Influenza und Covid-19 sehr ähnlich.
  3. Die Impfung schützt nicht nur die einzelne Person. Hohe Influenza-Impfquoten nützen aber nicht nur persönlich, sondern schonen auch Klinikkapazitäten. Denn sie helfen, Engpässe bei Intensivbetten und Beatmungsplätzen zu vermeiden.

Für wen wird die Impfung gegen die saisonale Influenza empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenza-Impfung für folgende Personenkreise:

Ältere Menschen ab 60:
Sie gegen die Grippe zu impfen, kann insbesondere zu Corona-Zeiten nützen – etwa um Doppelinfektionen mit Covid-19 und Grippe zu verhindern. Für Senioren gibt es seit dieser Saison erstmals einen Hochdosis-Grippe-Impfstoff.

Schwangere:
Schwangere ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft (vierter Monat). Bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens auch schon früher.

Personen mit Grunderkrankungen:
Patienten mit chronischen Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten wie Multiple Sklerose, angeborene oder erworbene Immundefizienz oder HIV.

Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen

Angehörige von Risikopersonen:
Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen (siehe oben) gefährden können.

Kinder und Jugendliche:
Anders als die STIKO rät die „Stiftung Warentest" auch dazu, möglichst viele Kinder und Jugendliche gegen Grippe zu impfen. Begründung: Sie könnten die Infektion sonst wegen ihrer zahlreichen Sozialkontakte stark verbreiten.

Personen im Rahmen eines erhöhten berufsbedingten Risikos:

  • Personen mit erhöhter Gefährdung (zum Beispiel medizinisches Personal)
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können (Pflegefachkräfte)
  • Personen in Einrichtungen mit lebhaftem Publikumsverkehr (Behörden etc.).

(Quelle: Robert-Koch-Institut/RKI, Stiftung Warentest)

Hauptkategorie: Medizin
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