. Sexualität

Bräunungsmittel fördert sexuelles Verlangen der Frau

Ein Bräunungsmittel verbessert das sexuelle Verlangen von Frauen, die noch nicht in den Wechseljahren sind und unter ihrer Unlust leiden. Das melden Forscher der Universität von Virginia.
Libido

Ein Wirkstoff, der die Hautbräunung anregt, fördert die weibliche Libido

Das ursprünglich als Bräunungsmittel eingesetzte Bremlanotid verbessert ein vermindertes Sexualverlangen und -erleben bei prämenopausalen Frauen. Das ist das Ergebnis zweier Untersuchungen, die US-Wissenschaftler auf dem Kongress des European College of Neuropsychopharmacology 2017 in Paris vorstellten. Prof. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie berichtet darüber.

Der Wirkstoff wurde in doppelblinden, placebo-kontrollierten Studien (RECONNECT) an insgesamt 1.247 Frauen getestet, die in einer festen Beziehung lebten, an sexueller Unlust litten und mindestens 18 Jahre alt waren. Über 24 Wochen injizierten sie sich vor einer geplanten sexuellen Aktivität entweder 1,75 mg Bremlanotid oder ein Placebo.

Bräunungs-Mittel erhöht sexuelles Verlangen

Ergebnis: Bremlanotid erhöhte sexuelles Verlangen, Erregung  und die Zahl der befriedigenden Sexualereignisse - gemessen am Female Sexual Function Index-Desire Domain (FSFI-D). Die Werte auf der sexuellen Distress-Skala sanken. Es ergaben sich keine schweren Nebenwirkungen, möglich waren leichte Übelkeit oder Kopfschmerzen.

Die Frauen hatten durchschnittlich viermal im Monat Sex und nutzten die Injektion dreimal im Monat, erläutert Studien-Leiterin Dr. Anita Clayton. Warum sie es nicht jedes Mal einsetzten, ist unklar. Dr. Dayton vermutet, dass sich generell die Libido verbesserte und das Medikament daher nicht immer nötig war.

 

Synthetisches Hormon steuert Rezeptoren im Gehirn an

Bremlanotid ist ein synthetisch hergestelltes Melanocortin. Diese Gruppe von Hormonen reguliert die Melanozyten, die pigmentbildenden Zellen der Haut, und fördert so die Bräunung. Zwei Wirkstoffe aus dieser Hormon-Gattung sind bereits klinisch getestet und patentiert: Melanotan I und II. Dass die Melanocortine Männern mit erektiler Dysfunktion helfen können, war bereits bekannt.

Bei Bremlanotid - auch PT-141 genannt - handelt es sich um ein Melanotan-II-Analog. Es wirkt nicht peripher wie das bekannte Potenzmittel Sildenafil (Handelsname Viagra), das die Durchblutung steigert, sondern greift zentral in das Zusammenwirken hemmender und erregender Signale ein. Es beeinflusst die Serotonin- und Dopamin-Rezeptoren im Gehirn.

Weniger Nebenwirkungen als Flibanserin

Auf diesem Wirkprinzip basiert auch das 2015 von der US-Arzneimittelagentur FDA für Frauen vor den Wechseljahren zugelassene Flibanserin (Handelsname Addyi), salopp auch „Viagra für die Frau genannt“. Doch Flibanserin hat viele Nebenwirkungen, es besteht die Gefahr von Blutdruckabfällen und Synkopen, außerdem darf es nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden.

In einer Phase-I-Studie mit 24 männlichen und weiblichen Probanden haben die Forscher aus Virginia daher bereits überprüft, ob es Wechselwirkungen zwischen Bremlanotid und Alkohol gibt. Das Hormon wurde als Nasenspray verabreicht, der Alkohol in Form von reinem Ethanol getrunken. Unerwünschte Effekte gab es nicht, der Untersuchungszeitraum betrug allerdings auch nur eine Woche.

Bremlanotid noch nicht im Langzeit-Test

Ob oder in welchem Ausmaß sich bei breiterer und längerer Anwendung von Bremlanotid unerwünschte oder gefährliche Nebenwirkungen ergeben könnten, müsse sorgfältig geprüft werden, betont Prof. Schatz. Im Internet findet man dennoch schon heute zahlreiche Anbieter oder Bezugsquellen für Bremlanotid zur Anwendung bei Frauen und Männern. Die Phase III-Studien wurden von der Firma Palatin Technologies gefördert, die die Patente für Melanotan I und II hält.

Foto: kei907/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sexualität , Hormone
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sexualität

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.