Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

BPtK: Psychotherapeuten sollten krankschreiben dürfen

Kranke Arbeitnehmer sollten auch nur teilweise arbeitsunfähig geschrieben werden können. Das fordert die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Außerdem sollten ihrer Ansicht nach nicht nur Ärzte, sondern auch Psychologische Psychotherapeuten krankschreiben dürfen.
BPtK, Teilkrankschreibungen, Psychotherapeuten

Psychotherapeuten fordern, genauso wie Ärzte Arbeitunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen zu dürfen

In der laufenden Diskussion über die Einführung von Teilkrankschreibungen hat nun die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) Stellung bezogen. Sie spricht sich für mehr Flexibilität bei Krankschreibungen aus. Nach Ansicht der BPtK sollte die bisher geltende Alles-oder-Nichts-Regelung bei Arbeitsunfähigkeit überdacht werden. Kranke Arbeitnehmer sollten auch nur teilweise arbeitsunfähig geschrieben werden können, also auch zu 25, 50 oder 75 Prozent. Dies würde der Realität, dass Menschen häufig nicht entweder uneingeschränkt gesund oder vollständig arbeitsunfähig sind, eher gerecht werden.

Arbeit stellt oft eine wichtige Stütze dar

Die BPtK verweist darauf, dass psychische Erkrankungen oft zu besonders langen Fehlzeiten von mehr als 30 Tagen führen. „Deshalb kann es insbesondere sinnvoll sein, trotz der Erkrankung mit Unterstützung des Psychotherapeuten ganz oder teilweise weiterzuarbeiten“, erklärt Dr. Dietrich Munz, Präsident der BPtK.

Die Arbeit bietet eine Tagesstruktur und hält soziale Kontakte aufrecht, was eine wichtige Stütze für psychisch kranke Menschen sein kann. Wer arbeitet, erlebt sich als nützlich und wertvoll, und Arbeit verhindert, dass sich Menschen zu sehr zurückziehen und sozial isolieren. Am Arbeitsplatz auftretende Belastungen und Anforderungen können dann in der Psychotherapie begleitend thematisiert und bearbeitet werden. Dies kann zu Erfolgserlebnissen führen und das Selbstwertgefühl stärken.

 

Psychotherapeuten wollen krankschreiben dürfen

Die BPtK spricht sich zudem dafür aus, dass nicht nur – wie bisher – Ärzte, sondern auch Psychotherapeuten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU-Bescheinigungen) ausstellen dürfen. Psychotherapeuten könnten manchmal am besten beurteilen, ob ein Mensch psychisch krank ist und inwieweit er noch arbeiten kann oder sollte. Bisher haben Psychotherapeuten jedoch nicht die Befugnis, einem Patienten seine Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen. Dies ist bisher ausschließlich Ärzten vorbehalten. Die BPtK fordert deshalb, mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz auch Psychotherapeuten die Befugnis zu geben, Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen.

Ärzteverbände gegenüber Teilkrankschreibungen skeptisch

Die Diskussion um Teilkrankschreibungen hatte unter anderem der Marburger Bund entfacht, als er kürzlich eine neue Form der „Arbeitsminderungsbescheinigungen“ vorschlug. Sie sollten Arbeitnehmern lange, komplette Krankschreibungen zu ersparen. Auch der Deutsche Ärztetag sprach sich dafür aus. Insbesondere bei Depressionen entstehe das Problem, dass eine Krankschreibung eher zu einer Verstärkung der Symptome führe und der Heilung im Weg stehe. Ärzteverbände zeigten sich hingegen zwiegespalten. So ist der Hausärzteverband nach wie vor skeptisch, ob die Regelung umsetzbar sei und den Patienten wirken nutze.

BPtK-Präsident Munz ist sich jedoch sicher: „Gerade bei psychischen Erkrankungen ist es häufig hilfreich, dass Patienten nicht vollständig oder zu lang aus dem Arbeitsprozess ausscheiden.“ Arbeit könne auch hilfreich für die Genesung sein. Was für den Patienten am besten sei, sollten daher Patient, Arzt oder Psychotherapeut flexibel entscheiden können.

Foto: © VadimGuzhva - Fotolia.com

Autor: anvo
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gesundheitssystem , Psychische Krankheiten , Psychiatrie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psychische Erkrankungen und Arbeit

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Eine Zecke auf der Haut ist erst mal kein Grund zur Panik. Aber es ist wichtig, sie nach einer Entdeckung schnell und vor allem mit dem richtigen Instrument und der richtigen Technik zu entfernen. Je früher es geschieht, desto geringer ist die Gefahr, sich mit Borreliose zu infizieren. Beim Entfernen muss man aber ein paar Punkte beachten.


Sie wiegen so viel wie unser Gehirn und viel mehr als unser Herz – und sind genauso lebenswichtig: die Darmbakterien. Sie verdauen unser Essen, entsorgen Giftstoffe und schützen uns als Teil des Immunsystems vor Krankheitserregern. Mit seiner Ernährung hat es der Mensch selbst in der Hand, ob er dieses unsichtbare „Organ“ schwächt – oder stärkt.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin