. Infektionskrankheiten

Bornavirus kann bei gesunden Menschen tödliche Gehirnentzündung auslösen

Das Bornavirus führt zu Erkrankungen bei Pferden und Schafen. Es kann aber auch den Menschen befallen und eine tödliche Gehirnentzündung auslösen, berichten Forscher vom Universitätsklinikum Erlangen. Zwei Patienten starben.
Pferd, pferdehalter, pferdefreund, reiten

Lange Zeit war nur bekannt, dass das Bornavirus Pferde und Schafe erkranken lässt. Doch es kann auch Menschen befallen

Das von Erkrankungen bei Pferden und Schafen bekannte Bornavirus (BoDV-1) kann bei gesunden Menschen eine tödliche Gehirnentzündung auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe um Prof. Armin Ensser vom Virologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen.

Das bei zwei verstorbenen Patienten vorliegenden Krankheitsbild habe große Ähnlichkeit mit der Bornaschen Krankheit bei Pferd und Schaf sowie mit den sehr seltenen Bornavirus-Infektionen bei Haltern exotischer Bunthörnchen in Deutschland. "Die von uns untersuchten tödlichen Krankheitsfälle zeigten das Krankheitsbild einer schweren Gehirnentzündung, die eindeutig von einer Bornavirus-Infektion ausgelöst wurde", sagt Prof. Ensser.

Dritter Todesfall durch Bornavirus

So wurde das Virus bei einem 25-jährigen Studenten aus Mittelfranken nachgewiesen, der in der Klinik behandelt wurde und an einer Gehirnentzündung verstarb. Das berichteten die Forscher an das Fachmagazin NEJM. Nach heutigem Wissensstand ist das ursächliche Bornavirus regional begrenzt in Teilen Ost- und Süddeutschlands, Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins verbreitet. Bei Patienten mit schweren neurologischen Erkrankungen sollte daher das Bornavirus insbesondere in diesen Risikogebieten als möglicher Erreger berücksichtigt werden, sagt Prof. Ensser

Die Dunkelziffer von Bornavirus-Infektionen bei tödlichen Gehirnentzündungen sei unbekannt, da die Infektion bislang bei Routineuntersuchungen nicht in Betracht gezogen wurde. Die "hitzige Kopfkrankheit der Pferde", die durch das Virus der Bornaschen Krankheit ausgelöst wird, wurde erstmals 1813 beschrieben. Ihren Namen erhielt die Krankheit 1894, als ein ganzer Stall voller Kavalleriepferde in der Stadt Borna erkrankte.

 

Spitzmäuse sind die Infektionsquelle

Das natürliche Reservoir des Bormavirus und damit die Infektionsquelle ist die Feldspitzmaus. Bisher bekannt war, dass das Virus von Spitzmäusen über den Urin und Speichel ausgeschieden und gelegentlich auf andere Säugetiere - sogenannte Fehlwirte dieses Virus - übertragen wird, bei denen es dann zur Bornaschen Krankheit kommen kann. Vor allem Pferde und Schafe sind davon betroffen.

Während infizierte Feldspitzmäuse keine Anzeichen einer Erkrankung zeigen, befällt das Virus bei den Fehlwirten das zentrale Nervensystem und es kommt, wahrscheinlich durch den Angriff von körpereigenen Immunzellen, zu umfangreichen Zerstörungen im Gehirn.

Eine Übertragung des Virus von infizierten Pferden oder Schafen untereinander oder auf andere Säugetiere wurde bisher nicht nachgewiesen. Das Virus wird von den Fehlwirten nicht ausgeschieden und ist auch in ihrem Blut kaum nachweisbar.

Gewebeproben verstorbener Patienten untersucht

Nachdem zwei Patienten ohne bekannte Risikofaktoren und trotz intensiver Behandlung an der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen an einer schweren Gehirnentzündung unbekannter Ursache verstorben waren, hatte das Forscherteam aus Neuropathologen, Neurologen, Pathologen und Virologen unter Federführung von Prof. Ensser deren Gewebeproben mittels moderner Next-Generation-Sequencing-Verfahren untersucht.

Dazu wurden die RNA-Sequenzen von Millionen von RNA-Molekülen bestimmt und bioinformatisch mit Sequenzdatenbanken bekannter Pathogene verglichen. Hierdurch identifizierten die Wissenschaftler im Gehirn eines der verstorbenen Patienten große Mengen der Erbsubstanz eines Virus. Die Nukleinsäuresequenz dieses Virus war eindeutig dem klassischen Borna-Disease-Virus 1 (BoDV-1) zuzuordnen.

Keine Therapie gegen Bornavirus

Im Anschluss konnte die Diagnose einer Bornavirus-Infektion durch Antigennachweis mittels klassischer Immunohistochemie und den Nachweis virusspezifischer Antikörper im Patientenserum eindeutig bestätigt werden.

Weitere Forschungen sollen nun unter anderem klären, wie häufig Bornavirus-Infektionen beim Menschen tatsächlich sind, wie das Virus rechtzeitig diagnostiziert und der tödliche Infektionsverlauf verhindert werden kann. Derzeit gibt es noch keine zugelassene antivirale Therapie, heißt es weiter in einer Pressemitteilung. Die entsprechende Arbeit wurde im Fachblatt New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Empfänger von Spenderorganen an Bornavirus-Infektion verstorben

Von einer anderen Forschergruppe konnte das Bornaviru bei drei Empfängern von Spenderorganen eines postmortalen Organspenders nachgewiesen werden, der als Virusüberträger gilt. Zwei der immunsupprimierten Organempfänger verstarben im weiteren Verlauf, der Dritte überlebte mit schweren Gehirnschäden.

"Insbesondere waren - außer im Gehirn - kein Virus und keine Virusbestandteile in anderen Geweben und Körperflüssigkeiten nachweisbar, sodass eine Übertragung des Virus über normale zwischenmenschliche Kontakte auszuschließen ist", so Prof. Ensser. Alle Patienten und der Organspender stammten aus einem der bekannten Verbreitungsgebiete von BoDV-1.

Foto: anjajuli/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Bornavirus

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.