. Diabetestherapie

Blutzucker und Blutdruck im Alter nicht zu stark senken

Nur wenige Ärzte verringern bei älteren Patienten die Medikamentendosis gegen hohen Blutdruck und Blutzucker. Dabei sollten bei Senioren die Werte nicht zu stark gesenkt werden. Das bestätigt eine aktuelle Studie.
Bluthochdruck bei Senioren nicht zu stark senken

Bei Senioren können zu niedrige Blutdruck- und Blutzuckerwerte auch schaden

Schon mehrere Studien konnten zeigen, dass es älteren Patienten eher schadet als nützt, wenn Diabetes und Bluthochdruck zu stark gesenkt werden. Denn die Überlebensvorteile steigen bei strenger Einstellung nicht, dagegen kann es beispielsweise bei stark gesenktem Blutdruck zu Verwirrung oder Schwindel kommen, was wiederum Stürze nach sich ziehen kann. Eine neue Studie von Forschern der University of Michigan in Ann Arbor hat dies nun in einer retrospektiven Kohortenstudie, in der die Daten von rund 200.000 Diabetikern im Alter von über 70 Jahren analysiert worden waren, bestätigt. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler im Fachmagazin Jama Internal Medicine.

Ärzte reduzieren Medikamente kaum

Das Team um Dr. Jeremy Sussman nutzte für die Analyse die Ergebnisse der ACCORD-Studie („Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes“), die vor sieben Jahren untersucht hatte, ob eine Senkung der HbA1c-Werte unter sechs Prozent im Vergleich zu 7,0-7,9 Prozent die Sterblichkeit älterer Patienten beeinflusst. Es hatte sich gezeigt, dass die Rate kardiovaskulärer Ereignisse nicht reduziert werden konnte und die Mortalität sogar erhöht war. Auch eine Blutdrucksenkung unter einen systolischen Wert von 120 statt 140 mmHg war nicht mit einem geringeren Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall assoziiert.

In der neuen Analyse fanden die Forscher nun heraus, dass nur die wenigsten Ärzte die Medikamente gegen hohen Blutdruck und Blutzucker bei älteren Patienten senken. So wurde die Dosis nur bei 27 Prozent der Senioren reduziert, obwohl bei mehr als der Hälfte schon länger niedrige Werte erreicht waren. Sogar bei Patienten, die aufgrund der Behandlung extrem niedrige Blutdruck- und Blutzuckerwerte aufwiesen, sowie bei Menschen, die sowieso nur noch eine geringe Lebenserwartung hatten, wurde die intensive Therapie aufrechterhalten – mit all ihren Nebenwirkungen.

Folgen einer intensiven Blutdrucksenkung werden kaum beachtet

„Eine Mäßigung der medikamentösen Behandlung aufgrund sehr niedriger Werte für Blutdruck und HbA1c ist selten, selbst bei alten Patienten, die deutlich unter den empfohlenen Werten liegen“, schreiben die Studienautoren. Dabei können Unterzuckerung und zu niedriger Blutdruck gefährliche Folgen haben. Doch mit einer medikamentösen Behandlung wieder aufzuhören, käme Ärzten kaum in den Sinn, so die Forscher. Für viele Mediziner stehe offenbar im Vordergrund, die verordneten Therapien aufrechtzuerhalten. Die Wissenschaftler rufen daher dazu auf, stärker auf die Folgen einer intensiven Behandlung bei älteren Patienten zu achten. 

Foto: © Robert Kneschke

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

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