Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Bluttests: Oft weder medizinisch sinnvoll noch aussagekräftig

Donnerstag, 1. Dezember 2022 – Autor:
Ärzte setzen Bluttests bei vielen Gelegenheiten ein, um den Verdacht auf bestimmte Krankheiten zu erhärten oder zu auszuschließen. Doch offenbar mangelt es bei vielen Blutuntersuchungen an einer griffigen medizinischen Begründung – oder an Aussagekraft.
Blutuntersuchung - Glasröhrchen mit Blutproben im Labor.

Bluttests liefern wichtige Informationen zur Diagnose vieler Krankheiten. Viele Tests seien jedoch unnötig, sagen Experten. – Foto: AdobeStock/angellodeco

Leukozyten, Erythrozyten, Thrombozyten: Das sind typische Werte, die beim „Blutbild“ untersucht werden, einer standardisierten Zusammenstellung wichtiger Blutwerte, die dem Arzt viel darüber verraten, wie gesund oder krank die Vorgänge sind, die sich im Inneren unseres Körpers im Moment abspielen. Die Leukozyten zum Beispiel, die weißen Blutkörperchen, sind Teil der Immunabwehr. Sind sie erhöht, deutet das auf Entzündungen, Allergien oder Gicht hin – bei sehr hohen Werten sogar auf Leukämie. Die Erythrozyten (Rote Blutkörperchen) transportieren Sauerstoff zu Organen. Sie sind zum Beispiel erhöht bei Stress und vermindert bei Blutarmut, etwa aufgrund von Eisenmangel. Die Thrombozyten schließlich sind ein wichtiger Faktor bei der Blutgerinnung. Ist dieser Wert zu hoch, kann das auf rheumatische Arthritis hindeuten oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Und es besteht eine erhöhte Gefahr von Blutgerinnseln.

Blutuntersuchungen: Teil des allgemeinen Gesundheits-Checks

Ärzte setzen Bluttests bei vielen Gelegenheiten ein, um den Verdacht auf bestimmte Krankheiten zu erhärten – oder auch zu entkräften. Auch der allgemeine Gesundheitscheck zur Früherkennung von Krankheiten beinhaltet Blutanalysen. Für viele Laborwerte gibt es einen definierten Normbereich. Abweichungen können auf bestimmte Erkrankungen hindeuten. Viele Bluttests, die gemacht werden, sind aber offenbar weder nötig noch sinnvoll. „Bluttests erfolgen nicht selten ohne guten medizinischen Grund“, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Gesundheitsmagazins „Apotheken Umschau". Andere häufig durchgeführte Tests hätten zudem „wenig Aussagekraft“.

 

Corona: Antikörper sagen wenig über die Covid-19-Abwehr aus

Bluttests sollten nur durchgeführt werden, wenn sie in der jeweiligen Situation einen Sinn ergeben, mahnen Experten. Als Beispiel für fragwürdige Blutuntersuchungen nennt das Magazin zum Beispiel die etwas in Mode gekommene und von vielen Patienten gewünschte Überprüfung des Vitamin-D-Spiegels – hier gebe es eine „Überversorgung“. Aktuell ließen sich übrigens viele Menschen auch auf Antikörper gegen Coronaviren testen. Tatsache sei allerdings, „dass die Ergebnisse eines derartigen Bluttests wenig über die Abwehrkräfte gegen eine Covid-19-Erkrankung aussagen“.

Zecken-Krankheit Borreliose: Das Gegenteil vom Testergebnis kann stimmen

Eine gutes Beispiel für die – manchmal nur relative – die Aussagekraft von Blutuntersuchungen ist Experten zufolge der Test auf Antikörper bei Verdacht auf Borreliose. Ein positiver Befund bedeutet nicht, dass man die durch Zecken übertragene bakterielle Infektionskrankheit wirklich hat. Weil beispielsweise Syphilis-Erreger ähnlich aufgebaut sind wie die von Borreliose, kann ein Test die Zecken-Krankheit anzeigen, obwohl in Wahrheit eine Geschlechtskrankheit vorliegt – beide Erreger zählen zu den „Schrauben-Bakterien“. Auch bestimmte Virusinfektionen wie Hepatitis, Windpocken oder Gürtelrose) sowie manche Autoimmunerkrankungen können hier falsch-positive Ergebnisse verursachen. „Die Antikörper allein haben keinerlei Aussagekraft“, schreibt die Apotheken Umschau. „Denn sie können jahrzehntelang im Blut nachweisbar bleiben – oft nach einer Infektion, von der die Betroffenen nicht einmal etwas bemerkt haben.“

Ein negativer Befund bedeutet umgekehrt keine echte Entwarnung. Erst Wochen nach einem Zeckenstich bildet das Immunsystem Antikörper, die eine Ansteckung anzeigen können. Zum Zeitpunkt des charakteristischen Hautausschlags (auch „Wanderröte" genannt) kann der Borreliose-Test deshalb noch negativ sein (in etwa der Hälfte der Fälle ist das so). Bei manchen Menschen produziert das Immunsystem außerdem von Natur aus kaum Antikörper gegen Borrelien oder gar keine, auch wenn ein Kontakt zu ihnen stattgefunden hat.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Vitamin D , Immunsystem , Infektionskrankheiten , Borreliose , Coronavirus , Syphillis
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Blutwerte“

24.04.2016, aktualisiert: 23.01.2020

Allerweltsymptome wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Verstopfung können Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sein. Auch Kinder können daran leiden. Der Mangel an Schilddrüsenhormonen kann zu bleibenden Schäden am Herzen oder zu Halluzinationen führen und gehört deshalb unbedingt behandelt.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Diabetiker haben normalerweise ihre Krankheit von Geburt an, aufgrund eines Organ-Defekts der Bauchspeicheldrüse (Typ 1). Oder sie erwerben sie durch einen jahrelangen ungesunden Lebenswandel (Typ 2). Wissenschaftler sagen jetzt: Es geht auch beides.

Etwa 5 Prozent der Bevölkerung verträgt kein Gluten. Das ist ein Klebereiweiß, das in Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Emmer vorkommt. Doch Lebensmittel haben, wenn Getreide verarbeitet wurde, einen sehr unterschiedlichen Glutengehalt.

 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin