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Bluthochdruck: Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe

Mittwoch, 6. Januar 2021 – Autor:
Jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat zu hohe Blutdruckwerte. Eine Gemeinschaftsstudie von 16 deutschen Universitäten und Instituten bestätigt jetzt, dass arterielle Hypertonie ein eigenständiger Risikofaktor auch für schwere COVID-19-Verläufe ist – vor allem, wenn sie nicht medikamentös behandelt wird.
Blutdruckmessgerät - hohe Werte.

Unbehandelter Hoher Blutdruck kann eine Ursache für schwere COVID-19-Verläufe sein. – Foto: ©Caito - stock.adobe.com

Ein Alter von über 60, eine koronare Herzerkrankung, Asthma oder Rauchen: Sie alle gelten als Faktoren, die im Fall einer Coronavirus-Infektion zu schweren Krankheitsverläufen führen können. Bereits in der ersten Welle der COVID-19-Pandemie kam der Verdacht auf, dass auch Bluthochdruck dazu gehören könnte. Eine aktuelle Studie bestätigt jetzt die Hypothese, dass arterielle Hypertonie ein eigenständiger Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe ist – vor allem, wenn sie nicht medikamentös behandelt wird.

COVID-19 führt zu starken Entzündungsprozessen im Körper

Für die Studie untersuchte ein Wissenschaftlerteam aus 16 deutschen Uniklinika und Forschungsinstituten klinische Daten sowie Laborergebnisse aus Nase-Rachen-Abstrichen von Probanden mit und ohne COVID-19-Infektion. Dabei zeigte sich: In den Immunzellen der Studienteilnehmer mit arterieller Hypertonie waren ausgeprägtere Entzündungsreaktionen nach COVID-19-Infektion zu beobachten als bei jenen mit normalen Blutdruckwerten. Diese verstärkte Entzündungsreaktion korrelierte mit schlechterem Outcome: Patienten mit arterieller Hypertonie wiesen eine verlängerte Dauer bis zur Virusfreiheit am Ende von COVID-19 und sowie eine höhere Anfälligkeit für schwerere Atemwegsinfektionen auf.

„Es bekannt, dass die arterielle Hypertonie entzündliche Prozesse im Körper aktiviert und daher auch naheliegend, dass sie eine COVID-19-Erkrankung aggravieren kann. Die verstärkte Entzündungsreaktion bei hypertensiven COVID-19-Patienten könnte eine mögliche Erklärung sein“, sagt Ulrich Wenzel, Vorstandsvorsitzender der „DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention“. Die Studie bestätige das erhöhte Risiko durch hohen Blutdruck – aber sie enthalte auch eine positive Nachricht: Nämlich dass eine medikamentöse Therapie gegen Bluthochdruck auch einen vorteilhaften Effekt in Bezug auf einen COVID-19-Verlauf haben könne.  

 

Medikamente gegen hohen Blutdruck senken damit COVID-19-Gefahr

Laut DHL zeigt die aktuelle Studie, dass sogenannte ACE-Hemmer das erhöhte Risiko für schwere COVID-19-Erkrankungen nahezu auf das Risikoniveau von Menschen ohne Bluthochdruck senken können. ACE-Hemmer sind Arzneistoffe, die die Blutgefäße erweitern, den Gefäßwiderstand senken und die Freisetzung blutdrucksteigernder Hormone hemmen. „Die wesentliche Erkenntnis dieser Untersuchung ist für uns: Bluthochdruck ist ein eigenständiger Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe, wenn er nicht behandelt wird“, sagt Wenzel, der am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) als Facharzt für Innere Medizin tätig ist.

DHL: „Zu viele wissen nichts von ihrem hohen Blutdruck“

DHL-Vorstandsmitglied Florian Limbourg kritisiert in diesem Zusammenhang, dass zu viele Menschen ihre erhöhten Blutdruckwerte ignorierten und oft gar nicht ahnten, dass sie überhaupt einen zu hohen Blutdruck hätten. „Umso wichtiger ist es, die Bevölkerung für Bluthochdruck zu sensibilisieren, um gefährlichen Folgeschäden, darunter Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nierenversagen – und, wie nun gezeigt wurde, auch eine erhöhte Anfälligkeit für schwere COVID-19-Verläufe –, durch Blutdrucksenker entgegenzuwirken.“

Foto: AdobeStock/Caito

Hauptkategorie: Corona
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