. Hypertoniebehandlung

Bluthochdruck: Blutdrucksenker senken Risiko für vaskuläre Demenz und Alzheimer

Chronischer Bluthochdruck ist ein bekannter Risikofaktor für Demenz und Morbus Alzheimer. Wird der Blutdruck allerdings mit Medikamenten gut eingestellt, sinkt das Risiko. Das zeigt eine Meta-Studie mit sechs großen Kohorten.
 Bluthochdruck absenken bedeutet einen gewissen Schutz vor Demenz und Alzheimer

Bluthochdruck absenken bedeutet einen gewissen Schutz vor Demenz und Alzheimer

Bluthochdruck ist nicht nur schädlich für das Herz-Kreislaufsystem, sondern hat auch Auswirkungen aufs Gehirn. So ist seit einigen Jahren bekannt, dass Menschen mit chronischem Bluthochdruck häufiger an einer vaskulären Demenz oder Morbus Alzheimer erkranken.

Während gut belegt ist, dass blutdrucksenkenden Medikamente die Gefäße schützen und die Raten von Herzinfarkten und Schlaganfällen senken, war deren Rolle hinsichtlich des Demenzrisikos unklar.

Medikamete senken Risiko

Eine Metanalyse, deren Ergebnisse kürzlich im „Lancet Neurology“ erschienen sind, zeigt nun die Effekte einer blutdrucksenkenden Therapie: Demnach senkte eine erfolgreiche medikamentöse Einstellung eines Bluthochdrucks das Demenzrisiko um 12 Prozent und das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 16 Prozent.

Die Wissenschaftler werteten sechs große prospektiver Beobachtungsstudien aus mit insgesamt rund 31.000 Menschen ohne vorbestehende Demenzerkrankung im Alter von über 55 Jahren aus – und stratifizierte sie in zwei Gruppen: Eine Gruppe umfasste Studienteilnehmer, die zum zu Studienbeginn normale Blutdruckwerte unter 140/< 90 mm Hg hatten, die andere umfasste 15.553 Teilnehmer mit erhöhten Blutdruckwerten. Der Anteil der Studienteilnehmer, die eine medikamentöse blutdrucksenkende Therapie erhielten, variierte in den in sechs Studien und lag zwischen 32,5 Prozent und 62,1 Prozent.

Während des Beobachtungszeitraums erkrankten insgesamt 3.728 Studienteilnehmer neu an Demenz, davon 1.741 Patienten an Alzheimer. Die Wissenschaftler verglichen nun die Häufigkeit zwischen den unbehandelten und den behandelten Bluthochdruckpatienten:

Danach hatten die Patienten, deren Bluthochdruckerkrankung behandelt wurde, ein um 12 Prozent signifikant geringeres Risiko an Demenz bzw. ein um 16 Prozent niedrigeres Risiko an Alzheimer zu erkranken.

 

Substanzklasse macht keinen Unterschied

Dabei war es unerheblich mit welchen blutdrucksenkenden Medikamenten die Patienten behandelt wurden. Keine der fünf verschiedenen Substanzklassen - ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, Betablocker, Calciumkanalblocker oder Diuretika - erwies sich hinsichtlich der Risikoreduktion gegenüber den anderen als überlegen.

„Es ist nicht so, dass eine bestimmte Klasse von Blutdrucksenkern einen ‚Anti-Demenz-Effekt‘ hätte, sondern, dass eine erfolgreiche Blutdrucksenkung in den Zielwertbereich unter 140/90 mm Hg zur Reduktion des Demenzrisikos führt“, kommentiert Prof. Richard Dodel von der deutschen Gesellschaft für Neurologie die Ergebnisse. „Dieses Präventionspotenzial sollte unbedingt ausgeschöpft werden, letztlich auch, weil wir bis heute keine krankheitsmodifizierende Therapie gegen Demenz haben und die Zahl der Erkrankten weiter steigt, so der Experte für dementielle Erkrankungen weiter.

Die Meta-Anlayse zeigte darüber hinaus: Bei den Studienteilnehmern mit normalen Blutdruckwerten, die – aus welchen Gründen auch immer – Blutdrucksenker eingenommen hatten, hatten die Medikamente keinen Effekt auf die Demenzrate.

Originalarbeit: „Antihypertensive medications and risk for incident dementia and Alzheimer´s disease: a meta-analysis of individual participant data from prospective cohort studies. Lancet Neurology 2020; 19: 61-70.

 Foto: © Adobe Stock/Andrey Popov

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demenz , Bluthochdruck
 

Weitere Nachrichten zum Thema Demenz

| Bei einer vaskulären Demenz kommt es zu einem langsamen, aber fortschreitenden Verlust von geistigen Fähigkeiten, ausgelöst durch Gefäßveränderungen und Durchblutungsstörungen im Gehirn. Zu den Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Die Coronavirusinfektionen in Deutschland schnellen in die Höhe und toppen die Zahlen der täglichen Neuinfektionen aus der ersten Krankheitswelle im Frühling. Um den sich abzeichnenden exponentiellen Anstieg in den Griff zu bekommen, hält RKI-Präsident Lothar Wieler eine drastische Maßnahme für möglich: die Abriegelung ganzer Städte oder Regionen.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.