Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Blasenschwäche: Nebenwirkungen von Anticholinergika beachten

Anticholinergika können einen krankhaften den Harndrang deutlich abmildern und werden darum bei Dranginkontinenz verschrieben. Doch die Medikamente beeinträchtigen auch die Gedächtnisleistung. Zurückhaltung ist daher insbesondere bei älteren Menschen geboten.
Anticholinergika können die Dranginkontinenz verbessern, aber auch das Gedächtnis und Denkvermögen beeinträchtigen

Anticholinergika können die Dranginkontinenz verbessern, aber auch das Gedächtnis und Denkvermögen beeinträchtigen

Plötzlich wird der Harndrang so stark, dass die Toilette nicht mehr rechtzeitig erreicht werden kann: Dranginkontinenz ist eine besonders belastende Form der Blasenschwäche. Vor allem ältere Menschen leiden daran. Bestimmte Medikamente, so genannte Anticholinergika, können den übersteigerten Harndrang deutlich abmildern, indem sie den Botenstoff Acetylcholin hemmen. Dadurch wird die gestörte Signalübertragung zwischen Blasenmuskel und Gehirn wieder ins Gleichgewicht gebracht.

Anticholinergika passieren die Blut-Hirn-Schranke

Acetylcholin kommt allerdings nicht nur in der Blase vor, sondern überall, wo Nervenzellen sind – also auch im Gehirn. Da die Wirkstoffe über die Blut-Hirn-Schranke ins zentrale Nervensystem gelangen, wird gewissermaßen auch das Denkvermögen gehemmt.

Die Deutsche Seniorenliga rät Menschen im hohen Alter deshalb von Anticholinergika ab. Auch Menschen mit einer Vorbelastung sollten besser auf ein anderes Präparat ausweichen.  „Für Menschen mit Gedächtnisstörungen, Parkinson oder Demenz eignen sich daher nur solche Wirkstoffe, die aufgrund ihrer besonderen Molekülstruktur die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden“, teilt die Seniorenliga mit. Damit der verschreibende Arzt dies berücksichtigen könne sollten entsprechende Grunderkrankungen unbedingt zur Sprache kommen.

 

Medikamente nur ein Teil der Therapie

Dranginkontinenz sollte immer mehrgleisig behandelt werden. Neben Medikamenten gibt es eine Reihe wirksamer ergänzender Maßnahmen wie Beckenbodentraining, Blasen- und Toilettentraining, Entspannungsübungen und eine Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten.

„Nur vier von zehn der von Blasenschwäche Betroffenen suchen einen Arzt auf. Erst wenn der Leidensdruck unerträglich wird und sich die Symptome nicht länger verbergen lassen, wenden sie sich an einen Arzt“, sagt Prof. Ingo Füsgen, Leiter des Medizinisch-Geriatrischen Schwerpunkts am Marienhospital Bottrop. „ Doch je früher Sie sich untersuchen lassen, desto eher kann Ihnen geholfen werden."

Foto: © Adobe Stock/ zinkevych

Foto: ©zinkevych - stock.adobe.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Blasenstörung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Blasenschwäche

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
 
Weitere Nachrichten
Im ersten Lockdown dieser Pandemie ging die Zahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück. Experten sind überzeugt: Die Symptome wurden bloß nicht ernst genommen. Und das sei fatal.

Antibiotika sind die Standardtherapie bei bakteriellen Infektionen und retten jedes Jahr Millionen von Leben. Aber sie greifen auch die hochkomplexe Darmflora an und damit das Immunsystem. Und: Sie können sogar ihrerseits Krankheiten auslösen. Forscher haben jetzt 1.200 Medikamente daraufhin getestet, ob sie sich hier – parallel verabreicht – als „Gegenmittel“ eignen.

In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin