Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
13.07.2018

Blasenkrebs kann Berufskrankheit sein

Wer in den 80er Jahren in der Gummiindustrie gearbeitet hat und heute Blasenkrebs hat, hat gute Chancen, dass dies als Berufskrankheit anerkannt wird. Das Hessische Landessozialgericht hat der Klage eines ehemaligen Arbeiters in der Gummifertigung zugestimmt.
Blasenkrebs, Harnblasenkarzinom, Berufskrankheiten

Die wichtigsten Risikofaktoren für Blasenkrebs sind Rauchen und der berufliche Kontakt mit krebsauflösenden Substanzen

Blasenkrebs bei ehemaligen Beschäftigten in der Gummiindustrie müsse als Berufskrankheit anerkannt werden. Das gelte auch für Raucher, da das Erkrankungsrisiko durch das Rauchen allein zu gering sei. Das hat der 3. Senat des Hessischen Landessozialgerichts kürzlich entschieden. Ein 59-jähriger Mann, der Mitte der 1980er Jahre für 14 Monate in der Gummifertigung gearbeitet hatte, hat gegen die Berufsgenossenschaft geklagt und gewonnen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, da die Revision zugelassen wurde.

Blasenkrebs eine der häufigsten Berufskrankheiten in Deutschland

Die Richter des Landessozialgerichts waren der Auffassung, dass bereits eine mehrmonatige Einwirkung der Gefahrenstoffe, denen Arbeiter in den 1980er-Jahren ausgesetzt waren, Blasentumore verursachen können. Nach aktuellem wissenschaftlichem Erkenntnisstand sei das Krebsrisiko bei Aufnahme von Stoffen wie beispielsweise 2-Naphthylamin deutlich hoher als bisher angenommen, heißt es vom Gericht.

Die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Blasenkrebs sind Rauchen und der berufliche Kontakt mit krebsauslösenden Substanzen. In Deutschland ist Blasenkrebs seit 1937 unter bestimmten Bedingungen als Berufskrankheit anerkannt und lag zwischen 1978 und 2010 mit 1.945 anerkannten Fällen auf dem dritten Platz der offiziell beruflich verursachten Krebserkrankungen.

 

Schutzmaßnahmen machen heute Blasenkrebs unwahrscheinlicher

Das höchste berufliche Risiko für Blasenkrebs haben Analysen zufolge Metallarbeiter, Armeeangehörige, Reinigungskräfte, Maler, Friseure und Arbeiter in der Gummiindustrie. Sie haben vermehrt mit aromatischen Aminen und polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen zu tun, die beispielsweise in Erdöl und Kraftstoffen, Ruß, Teer, Tabakrauch, Farbstoffen, Gummiprodukten, Lösungsmitteln und Weichmachern vorkommen. Auch Brauereiarbeiter, Elektriker, Feuerwehrleute, Mitarbeiter im Gesundheitswesen sowie Hochofenarbeiter und Kellner können betroffen sein.

Heute kommen Arbeiter zumindest hierzulande kaum noch mit Blasenkrebs auslösenden Substanzen in Kontakt. Doch es vergehen oft Jahrzehnte, bis bei Menschen, die Karzinogenen ausgesetzt waren, Blasenkrebs entsteht. Daher können Arbeiter, die vor der Einführung umfassender Schutzmaßnahmen in Risikoberufen tätig waren, auch heute noch an Blasenkrebs erkranken.

Foto: © ArTo - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Blasenkrebs , Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Blasenkrebs

06.05.2016

Eine Strahlentherapie ist bei einem muskelinvasiven Blasenkrebs eine Alternative zur Radikaloperation, bei der die Harnblase entfernt wird. Diese Therapie komme hierzulande zu selten zum Einsatz, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Mit einer steilen These hat sich der Berliner Infektionsschutzexperte Klaus-Dieter Zastrow in die laufende Debatte über Wege aus den Lebensbeschränkungen infolge der COVID-19-Pandemie eingeschaltet. „Warum desinfizieren wir uns nicht die Mundhöhle, da wo das Virus sitzt?", sagte Zastrow im TV-Sender Phoenix. Wenn man das befolge, könnten Schulen, Geschäfte, Restaurants und Kulturstätten in Kürze wieder öffnen.

Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
 
Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.

Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin