. Arzneimittelverordnung

Bittere Pille!

Die gesetzlich krankenversicherten Berliner müssen sich auf erhebliche Einschränkungen bei der Medikamentenversorgung einstellen. Das Landesschiedsamt hat am 22. Juni 2011 die Richtgrössen für die Arzneimittelverordnungen in fast allen ärztlichen Fachgruppen erheblich abgesenkt. Vielen Berliner Ärzten stehen jetzt Regresse ins Haus.
Bittere Pille!

Sparkurs zu Lasten der Patienten (Foto: © Jetti Kuhlmann/ PIXELIO)

 

Nach gescheiterten Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin hat das Landesschiedsamt am 22. Juni eine Entscheidung getroffen und die Richtgrössen für fast alle der bisher 22 ärztlichen Fachgruppen zum Teil dramatisch abgesenkt. Von den Ausgaben für Praxisbesonderheiten, wie besonders teure Medikamente zur Behandlung schwer kranker Patienten, werden die Ärzte auch bei wirtschaftlicher Verordnung nicht mehr in voller Höhe entlastet. Das bedeutet, dass sehr viele Berliner Ärzte in die reelle Gefahr einer Regresszahlung kommen werden, d.h. sie müssen selber draufzahlen. Denn nicht für jeden Patienten und jede Therapieform kann ein Arzt mitten im Jahr die Medikamente umstellen.

Arzneimittelverordnungen nach neuen Richtgrößen

Die Problematik betrifft aber nicht nur Spezialbehandlungen, die Richtgrösse für Kinderärzte wird um fast 60 Prozent abgesenkt. Und ein HNO-Arzt darf gemäss der neuen Richtgrösse für einen Rentner nur noch Medikamente im Wert vom 9,58 Euro im Quartal verschreiben satt vorher 16,77 Euro. Die neuen Regelungen gelten schon ab dem 1. Juli 2011.

Versorgungsprobleme und Regressgefahr

Die KV Berlin rechnet mit einer deutliche Zurückhaltung der Ärzte bei der Verordnung von Medikamenten, insbesondere bei der Verordnung teurer und innovativer Präparate. "Die jetzt festgelegten Richtgrössen reichen nicht aus, die Berliner Patienten bedarfs- und leitliniengerecht zu behandeln", kritisiert KV-Vorsitzende Dr. med. Angelika Prehn. "Dieser Schiedsamtentscheid zieht echte Versorgungsprobleme nach sich. Jeder Griff zum Rezeptblock bedeutet für einen Vertragsarzt in Berlin künftig eine konkrete Regressgefahr. Es kann doch nicht sein, dass selbst ein Arzt, der bisher wirtschaftlich verordnet hat, nun für diese Medikamente selbst bezahlen soll", erklärt Prehn.

Die KV Berlin hatte in den Verhandlungen höhere Richtgrössen und die Beibehaltung der bisherigen Systematik bei der Anerkennung von Praxisbesonderheiten gefordert.

Weitere Nachrichten zum Thema Medikamente

| Mangelnde Therapietreue ist neueren Untersuchungen zufolge größer, als man denkt. Manchmal geschieht dies aus Versehen, doch meist nehmen die Patienten in voller Absicht ihre Medikamente nicht ein. Forscher haben die Gründe nun genauer untersucht.
| Zur Behandlung von Patienten mit Schizophrenie setzen Psychiater in Deutschland setzen zunehmend auf neue Antipsychotika. Ob sie besser sind als herkömmliche Medikamente war bisher nicht erforscht. Nun belegt eine Studie des Universitätsklinikums Bremen, dass die neuen Wirkstoffe den alten tatsächlich überlegen sind.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Prominente wie Lady Gaga und Selena Gomez leiden daran: Lupus erythematodes. Die Autoimmunerkrankung kann innere Organe angreifen und ist bis heute nicht heilbar. Medikamente könnend das überschießende Immunsystem jedoch bremsen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.