Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Bittere Pille!

Montag, 27. Juni 2011 – Autor:
Die gesetzlich krankenversicherten Berliner müssen sich auf erhebliche Einschränkungen bei der Medikamentenversorgung einstellen. Das Landesschiedsamt hat am 22. Juni 2011 die Richtgrössen für die Arzneimittelverordnungen in fast allen ärztlichen Fachgruppen erheblich abgesenkt. Vielen Berliner Ärzten stehen jetzt Regresse ins Haus.
Bittere Pille!

Sparkurs zu Lasten der Patienten (Foto: © Jetti Kuhlmann/ PIXELIO)

 

Nach gescheiterten Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin hat das Landesschiedsamt am 22. Juni eine Entscheidung getroffen und die Richtgrössen für fast alle der bisher 22 ärztlichen Fachgruppen zum Teil dramatisch abgesenkt. Von den Ausgaben für Praxisbesonderheiten, wie besonders teure Medikamente zur Behandlung schwer kranker Patienten, werden die Ärzte auch bei wirtschaftlicher Verordnung nicht mehr in voller Höhe entlastet. Das bedeutet, dass sehr viele Berliner Ärzte in die reelle Gefahr einer Regresszahlung kommen werden, d.h. sie müssen selber draufzahlen. Denn nicht für jeden Patienten und jede Therapieform kann ein Arzt mitten im Jahr die Medikamente umstellen.

Arzneimittelverordnungen nach neuen Richtgrößen

Die Problematik betrifft aber nicht nur Spezialbehandlungen, die Richtgrösse für Kinderärzte wird um fast 60 Prozent abgesenkt. Und ein HNO-Arzt darf gemäss der neuen Richtgrösse für einen Rentner nur noch Medikamente im Wert vom 9,58 Euro im Quartal verschreiben satt vorher 16,77 Euro. Die neuen Regelungen gelten schon ab dem 1. Juli 2011.

 

Versorgungsprobleme und Regressgefahr

Die KV Berlin rechnet mit einer deutliche Zurückhaltung der Ärzte bei der Verordnung von Medikamenten, insbesondere bei der Verordnung teurer und innovativer Präparate. "Die jetzt festgelegten Richtgrössen reichen nicht aus, die Berliner Patienten bedarfs- und leitliniengerecht zu behandeln", kritisiert KV-Vorsitzende Dr. med. Angelika Prehn. "Dieser Schiedsamtentscheid zieht echte Versorgungsprobleme nach sich. Jeder Griff zum Rezeptblock bedeutet für einen Vertragsarzt in Berlin künftig eine konkrete Regressgefahr. Es kann doch nicht sein, dass selbst ein Arzt, der bisher wirtschaftlich verordnet hat, nun für diese Medikamente selbst bezahlen soll", erklärt Prehn.

Die KV Berlin hatte in den Verhandlungen höhere Richtgrössen und die Beibehaltung der bisherigen Systematik bei der Anerkennung von Praxisbesonderheiten gefordert.

 

Weitere Nachrichten zum Thema Medikamente

04.08.2019

Viele Menschen wissen nicht, wie sie ihre Medikamente entsorgen sollen und kippen sie dann einfach in die Toilette. Doch das ist falsch. Medikamentenreste sollten stattdessen über den Hausmüll entsorgt oder bei Apotheken oder speziellen Sammelstellen abgegeben werden.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Zur Senkung hoher Cholesterinwerte werden Statine als Mittel der Wahl eingesetzt, da sie wirksam vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Berichte über Nebenwirkungen verunsichern viele Patienten. Wie sicher und verträglich sind diese Cholesterinsenker?
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin