. Psychische Erkrankungen

Bipolarität: Lithium kann Suizidrisiko senken

Die Suizidrate unter Patienten, die unter bipolaren Störungen leiden, ist vergleichsweise hoch. Nun konnten Forscher zeigen, dass Lithium das Suizidrisiko besser senken kann als Valproat. Den Wissenschaftlern zufolge könnte durch eine konsequente Lithiumtherapie jeder achte Selbsttötungsversuch von bipolaren Patienten vermieden werden.
Suizidalität

Lithium kann gegen Suizidgedanken helfen

Lithium ist eines der ältesten Medikamente gegen psychische Störungen und wird heute so gut wie ausschließlich bei bipolaren Störungen eingesetzt. In seltenen Fällen kommt es auch bei rezidivierenden und durch Antidepressiva nicht beherrschbaren Depressionen zur Anwendung. In den vergangenen Jahren sind sowohl für Depressionen als auch für bipolare Störungen eine Reihe neuer Medikamente auf den Markt gekommen und haben Lithium sukzessive von seinem angestammten Platz verdrängt. Seine Wirkung ist dennoch unbestritten. Nun haben Forscher in einer Langzeitstudie untersucht, ob Lithium oder Valproat die Suizidrate bei bipolaren Patienten besser senken können.

Weniger Suizidversuche unter Lithium

Dass Lithium Suizidgedanken bei psychischen Erkrankungen wirksam reduzieren kann, ist bekannt. Ob es aber bipolare Patienten stärker schützt als das ebenfalls häufig verordnete Valproat, ist bisher ungeklärt. Kleinere Studien konnten bisher keine signifikanten Unterschiede zeigen. Nun haben Forscher die Daten von 52.000 Bipolarpatienten aus schwedischen Registern analysiert. Während des Analysezeitraums von 2005 bis 2013 unternahmen 4650 Patienten einen Suizidversuch, 590 gelang dieser. Insgesamt verzeichneten die Ärzte mehr als 10.600 Suizidversuche – einige Patienten unternahmen also mehrere Versuche.

Rund 50 Prozent der Patienten hatte im Untersuchungszeitraum weder Lithium noch Valproat erhalten. 41 Prozent nahmen zumindest zeitweise Lithium ein, 16 Prozent Valproat. Die Forscher analysierten nun, wie viele Suizidversuche unter den jeweiligen Medikationen auftraten. Wie sich zeigte, unternahmen Patienten unter Lithium zu 14 Prozent seltener Suizidversuche als in den Phasen, in denen sie kein Lithium einnahmen. Für Valproat wurde ein solcher Effekt nicht beobachtet, die Rate suizidaler Handlungen war unter der Medikation um nicht signifikante zwei Prozent erhöht.

 

Jeder achte Suizidversuch vermeidbar

Auch wenn die Forscher unterschiedliche Zeiträume oder Patientencharakteristika berücksichtigten, änderte sich an den Resultaten wenig. Nach den Berechnungen der Autoren hätten zwölf Prozent der Suizidversuche vermieden werden können, wenn die Betroffenen die gesamte Zeit über Lithium genommen hätten. Insgesamt ließe sich durch eine Lithiumtherapie also jeder achte Suizid und Suizidversuch bei Bipolarpatienten vermeiden, so die Schlussfolgerung. Die Forscher raten Ärzten dazu, bei suizidgefährdeten bipolaren Patienten eine Lithiumtherapie zu erwägen und auf deren konsequente Befolgung zu achten.

Foto: © marjan4782 - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Depression , Antidepressiva , Psychopharmaka , Suizid
 

Weitere Nachrichten zum Thema Suizidrisiko

| Viele Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Nicht selten sind diese für die Betroffenen so unerträglich, dass sie sich das Leben nehmen. Eine US-Studie zeigt: Fast neun Prozent der Menschen, die sich das Leben genommen haben, hatten vorher chronische Schmerzen.
| Am Internationalen Tag der Suizidprävention wollen Experten Vorurteile abbauen und Fakten bekannter machen. Zudem betonen sie ausdrücklich, dass Menschen mit Suizidgedanken wirksam geholfen werden kann. Wichtig ist es, über das Thema offen zu sprechen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
44.000 Gehirnerschütterungen werden in Deutschland jährlich bei Sportlern diagnostiziert - bei dreimal so hoher Dunkelziffer. Falscher Ehrgeiz und Unkenntnis bei Athleten wie Vereinen führen oft zu einer Verharmlosung. Dabei ist die "Commotio" eine ernsthafte Verletzung mit möglichen gravierenden Folgen. Kopfbälle etwa können das Gehirn langfristig schädigen – vor allem bei jüngeren Spielern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.