. Langzeitstudie

Biologisches Alter schon bei 40-jährigen höchst unterschiedlich

Menschen altern unterschiedlich schnell. Schon bei jüngeren Erwachsenen kann der Unterschied im biologischen Alter bis zu 20 Jahre betragen, wie eine internationale Langzeitstudie mit mehr als 1.000 Probanden offenbart.
Biologisches Alter schon bei 40-jährigen höchst unterschiedlich

Große Unterschiede im biologischen Alter: Umwelteinflüsse beeinflussen den Alterungsprozess stärker als die genetische Veranlagung

Beim 20-jährigen Klassentreffen hat schon so manch einer gestaunt: Während einige ehemalige Klassenkameraden scheinbar unverändert jung geblieben sind, sind andere kaum wiederzuerkennen. Die Erklärung liegt im biologischen Alter. Dass es extreme Unterschiede im Alterungsprozess gibt, hat nun eine Langzeitstudie mit mehr als 1.000 Probanden gezeigt. Demnach kann die Differenz kann schon bei 38-jährigen bis zu 20 Jahre betragen.

Wissenschaftler der Duke University in Durham, USA, analysierten dabei 18 verschiedene Kriterien wie HDL-Cholesterin, Lungen-, Leber- Herz- und Nierenfunktion, Stoffwechsel und Immunsystem. Einige der 38 Jahre alten Personen alterten so schnell, dass ihr biologisches Alter dem eines Menschen vor der Pensionierung entsprach. Bei anderen wiederum schien die Alterung zum Stehen gekommen zu sein.

18 Biomarker messen biologisches Alter

Die Probanden waren alle entweder 1972 oder 1973 auf die Welt gekommen und lebten in der gleichen Stadt in Neuseeland. Sie wurden im Alter von 26, 32 und 38 Jahren untersucht. Die meisten Studienteilnehmer alterten im Schnitt jedes Jahr um ein Jahr. Doch eine Gruppe alterte dreimal so schnell, während in einer anderen Gruppe der Alterungsprozess überhaupt nicht messbar war.

„Die meisten Menschen denken, dass der Alterungsprozess erst spät beginnt“, sagt Dan Belsky, Professsor für Geriatrie am Aging Center der Duke University. "Doch unsere Studie zeigt, dass der Alterungsprozess schon in jungen Jahren, nämlich zwischen dem 26. und 38. Lebensjahr messbar ist.“

Dass das biologische Alter auch äußerlich sichtbar ist, bestätigt die Studie ebenfalls. Studenten der Duke University bekamen Fotos der 38-jährigen Studienteilnehmer vorgelegt. Jene, die biologisch älter waren, wurden auch älter als ihr wahres Alter geschätzt.

Alterungsprozess nur zu kleinem Teil genetisch bedingt

Aber woran liegen diese enormen Unterschiede?  Ist das Altern ausschließlich genetisch bedingt? Nein, meint Belsky. "Zwillingsstudien zeigen, dass die Gene nur einen Anteil von etwa 20 Prozent ausmachen. Umwelteinflüsse sind beim Alterunsgprozess ganz entscheidend.“

Die Wissenschaftler hatten laut eigenen Angaben nicht erwartet, bereits so früh im Leben eines Menschen derartig deutliche Unterschiede zu finden. Die neuen Forschungsergebnisse könnten jedoch bei der Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden für Bereiche wie eine Verlangsamung der Alterung helfen. In Zukunft könnten sie aber auch Auswirkungen auf die Medizin haben. "Wenn wir den Alterungsvorgang verlangsamen oder das Eintreten einer Krankheit verhindern wollen, dann werden wir bei jungen Menschen ansetzen müssen."

Die Studie wurde in PNAS Proceedings of the National Academy of Sciences am 7. Juli mit dem Originaltitel: “Quantification of biological aging in young adults” veröffentlicht. 

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Hauptkategorie: Demografischer Wandel
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alter , Biomarker

Weitere Nachrichten zum Thema Alter

| Warum werden Menschen ab 60 mehr Impfungen empfohlen als jüngeren? Ganz einfach, weil auch das Immunsystem altert. Der Körper kann dann nicht mehr so gut Infektionen abwehren.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.