Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
08.07.2015

Biologisches Alter schon bei 40-jährigen höchst unterschiedlich

Menschen altern unterschiedlich schnell. Schon bei jüngeren Erwachsenen kann der Unterschied im biologischen Alter bis zu 20 Jahre betragen, wie eine internationale Langzeitstudie mit mehr als 1.000 Probanden offenbart.
Biologisches Alter schon bei 40-jährigen höchst unterschiedlich

Große Unterschiede im biologischen Alter: Umwelteinflüsse beeinflussen den Alterungsprozess stärker als die genetische Veranlagung

Beim 20-jährigen Klassentreffen hat schon so manch einer gestaunt: Während einige ehemalige Klassenkameraden scheinbar unverändert jung geblieben sind, sind andere kaum wiederzuerkennen. Die Erklärung liegt im biologischen Alter. Dass es extreme Unterschiede im Alterungsprozess gibt, hat nun eine Langzeitstudie mit mehr als 1.000 Probanden gezeigt. Demnach kann die Differenz kann schon bei 38-jährigen bis zu 20 Jahre betragen.

Wissenschaftler der Duke University in Durham, USA, analysierten dabei 18 verschiedene Kriterien wie HDL-Cholesterin, Lungen-, Leber- Herz- und Nierenfunktion, Stoffwechsel und Immunsystem. Einige der 38 Jahre alten Personen alterten so schnell, dass ihr biologisches Alter dem eines Menschen vor der Pensionierung entsprach. Bei anderen wiederum schien die Alterung zum Stehen gekommen zu sein.

18 Biomarker messen biologisches Alter

Die Probanden waren alle entweder 1972 oder 1973 auf die Welt gekommen und lebten in der gleichen Stadt in Neuseeland. Sie wurden im Alter von 26, 32 und 38 Jahren untersucht. Die meisten Studienteilnehmer alterten im Schnitt jedes Jahr um ein Jahr. Doch eine Gruppe alterte dreimal so schnell, während in einer anderen Gruppe der Alterungsprozess überhaupt nicht messbar war.

„Die meisten Menschen denken, dass der Alterungsprozess erst spät beginnt“, sagt Dan Belsky, Professsor für Geriatrie am Aging Center der Duke University. "Doch unsere Studie zeigt, dass der Alterungsprozess schon in jungen Jahren, nämlich zwischen dem 26. und 38. Lebensjahr messbar ist.“

Dass das biologische Alter auch äußerlich sichtbar ist, bestätigt die Studie ebenfalls. Studenten der Duke University bekamen Fotos der 38-jährigen Studienteilnehmer vorgelegt. Jene, die biologisch älter waren, wurden auch älter als ihr wahres Alter geschätzt.

 

Alterungsprozess nur zu kleinem Teil genetisch bedingt

Aber woran liegen diese enormen Unterschiede?  Ist das Altern ausschließlich genetisch bedingt? Nein, meint Belsky. "Zwillingsstudien zeigen, dass die Gene nur einen Anteil von etwa 20 Prozent ausmachen. Umwelteinflüsse sind beim Alterunsgprozess ganz entscheidend.“

Die Wissenschaftler hatten laut eigenen Angaben nicht erwartet, bereits so früh im Leben eines Menschen derartig deutliche Unterschiede zu finden. Die neuen Forschungsergebnisse könnten jedoch bei der Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden für Bereiche wie eine Verlangsamung der Alterung helfen. In Zukunft könnten sie aber auch Auswirkungen auf die Medizin haben. "Wenn wir den Alterungsvorgang verlangsamen oder das Eintreten einer Krankheit verhindern wollen, dann werden wir bei jungen Menschen ansetzen müssen."

Die Studie wurde in PNAS Proceedings of the National Academy of Sciences am 7. Juli mit dem Originaltitel: “Quantification of biological aging in young adults” veröffentlicht. 

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Hauptkategorie: Demografischer Wandel
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alter , Biomarker
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alter

26.07.2019

Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Vorhofflimmern ist die häufigste bedeutsame Herzrhythmusstörung. Die meisten Patienten bemerken es aber nicht einmal – dabei ist es nicht ungefährlich: Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfall-Risiko. Ein deutsch-kanadisches Forscherteam hat ein Immer-dabei-Rhythmuspflaster getestet, das Vorhofflimmern bei Risikopatienten zehn Mal häufiger erkennt als die herkömmliche Diagnostik.


Mit einer steilen These hat sich der Berliner Infektionsschutzexperte Klaus-Dieter Zastrow in die laufende Debatte über Wege aus den Lebensbeschränkungen infolge der COVID-19-Pandemie eingeschaltet. „Warum desinfizieren wir uns nicht die Mundhöhle, da wo das Virus sitzt?", sagte Zastrow im TV-Sender Phoenix. Wenn man das befolge, könnten Schulen, Geschäfte, Restaurants und Kulturstätten in Kürze wieder öffnen.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin