. Krebsforschung Berlin

BIH erforscht Neuroblastom als Modellkrankheit

Das Neuroblastom gehört zu den häufigsten Tumoren im Kindesalter. Am Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) wird es nun als Modellkrankheit erforscht. Die Wissenschaftler stellen neue Behandlungsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Krebserkrankungen in Aussicht.
Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) will das Neuroblastom gründlich erforschen. Möglicherweise tun sich neue Behandlungsmöglichkeiten auf

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) will das Neuroblastom gründlich erforschen. Möglicherweise tun sich neue Behandlungsmöglichkeiten auf

Das Neuroblastom ist nach den Hirntumoren der häufigste solide Tumor bei Kindern. Während der Tumor des Nervensystems bei Säuglingen oft spontan ausheilt, ist die Prognose bei älteren Kindern eher schlecht. Trotz intensiver Behandlung kommt es in vielen Fällen zu einem Rückfall; die Tumore sprechen dann meist nicht mehr auf die Chemotherapie an. Mit einem groß angelegten Forschungsprojekt über vier Jahre will das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) den gefährlichen Tumor des Nervensystems nun in die Zange nehmen. Mehr noch: Das Neuroblastom soll als Modellkrankheit auch für andere Krebsleiden dienen, wie das BIH am Mittwoch mitteilte. Dafür stellt das Institut in den kommenden vier Jahren 3, 1 Millionen Euro bereit.

Neuroblastom: mit wenigen Mutationen ist es eine perfekte Modellkrankheit

Nach Ansicht von Projektleiterin Angelika Eggert, leitende Kinderonkologin der Charité, ist das Neuroblastom eine perfekte Modellkrankheit. Es gebe nur wenige Mutationen, die für das aggressiv bösartige Verhalten der schweren Form verantwortlich seien, was die Suche nach genetisch bedingten Ursachen der Krankheit erleichtere. „Das Neuroblastom erlaubt uns, die molekularen Mechanismen zu analysieren, mit innovativen systemmedizinischen Ansätzen zu verstehen und daraus abgeleitete klinische Anwendungen auch auf andere Krebsarten zu übertragen“, sagte sie. Am Neuroblastom könne man lernen, wie sich Krebstumoren behandeln lassen.

Mit Hilfe von Hochdurchsatzverfahren wollen die Wissenschaftler nach Biomarkern und molekularen Signaturen suchen, die beispielsweise Aussagen über die Eigenschaften des Tumors und die Mechanismen der Metastasierung erlauben. Dabei können die Forscher auf gut dokumentierte Patientenproben zurückgreifen. Diese Proben werden im Projekt genutzt, um die zentralen Signalnetzwerke zu identifizieren, die für die typischen Eigenschaften der hochaggressiven Neuroblastom-Tumorzellen verantwortlich sind. „Wir sind zuversichtlich, dass wir aus diesen Erkenntnissen neue Diagnostik- und Therapieansätze zur Behandlung dieses und anderer Krebsleiden entwickeln können“, meint Eggert.

Hoffnung auf neue Behandlungsmöglichkeiten

Die Kinderonkologin der Charité leitet das Forschungsvorhaben gemeinsam mit Matthias Selbach vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC). Der Wissenschaftler hat dort Technologien aufgebaut, mit denen Proteine in Tumorzellen systematisch charakterisiert werden können. „Zusammen mit den anderen Technologieplattformen am BIH sowie mit der Bioinformatik können wir jetzt erstmals einen Überblick über die relevanten Prozesse auf allen Ebenen bekommen“, erklärt Selbach.

Das Projekt soll im August starten und im Juli 2019 beendet sein. Bis dahin werden sich 27 Wissenschaftler von MDC und Charité in acht interdisziplinär arbeitenden Teilprojekten intensiv mit dem Neuroblastom beschäftigen.

Foto: © Frantab - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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