. Isentress

BGH: HIV-Medikament bleibt weiter auf dem Markt

Das HIV-Medikament Isentress darf weiter angeboten werden, obwohl der Patentinhaber dagegen kämpft. Das hat der Bundegerichtshof nun entschieden. Das Medikament verlangsamt die Ausbreitung des HI-Virus im Körper, kann die Erkrankung jedoch nicht heilen.
HIV-Medikamente

Moderne HIV-Medikamente können die weitere Ausbreitung des Virus meist verhindern

Das HIV-Medikament Isentress darf vorläufig weiter auf dem deutschen Markt vertrieben werden. Der Bundesgerichtshof bestätigte damit die Entscheidung des Bundespatentgerichts. Hintergrund ist ein Patentrechtsstreit zwischen dem Pharmakonzern Merck & Co (MSD) und dem japanischen Pharmaunternehmen Shionogi, Eigentümer des Patents an Isentress. MSD vertreibt das Arzneimittel in Deutschland seit 2008. Shionogi ist der Ansicht, dass dadurch seine Rechte verletzt werden. Durch die Entscheidung des Bundesgerichtshofs ist der Patentstreit allerdings noch nicht endgültig geklärt.

Zwangslizenz für Isentress

Shionogi hatte versucht, den Verkauf von Isentress durch MSD in Deutschland zu unterbinden. Der japanische Konzern hatte daher vor dem Landgericht Düsseldorf gegen MSD auf Unterlassung geklagt. Daraufhin beantragte MSD beim Bundespatentgericht eine vorläufige Zwangslizenz - mit Erfolg. In einem Eilverfahren erlaubte das Bundespatentgericht MSD, Isentress weiter zu vertreiben, weil vor allem Schwangere und Kinder das Medikament dringend bräuchten. Zudem hat sich nach Ansicht des Patentgerichts Merck ausreichend darum bemüht, eine Lizenz mit den Japanern auszuhandeln. Merck hatte zehn Millionen Dollar dafür angeboten.

Die Entscheidung des Bundespatentgerichts wurde nun vom Bundesgerichtshof bestätigt. Vorläufig wird das Pharmaunternehmen Shionogi nun gezwungen, MSD eine Lizenz einzuräumen. Alternative HIV-Medikamente seien oft mit Risiken verbunden, die für viele Patienten nicht zumutbar seien, so die Begründung der Richter.

Wirkstoff besonders verträglich

Der Wirkstoff Raltegravir koppelt sich an das Viruseiweiß Integrase und schaltet dadurch das Enzym aus. So hemmt es die Integration des HIV-Genoms in das Wirtszellgenom und verhindert dadurch die Virus-Replikation. Die Produktion neuer infektiöser Viruspartikel bleibt aus. Der Arzneistoff muss von den Patienten täglich eingenommen werden.

Es gibt zwar durchaus Alternativen zu Raltegravir. So gehören Dolutegravir und Elvitegravir zur gleichen Wirkstoffklasse, doch Raltegravir hat sich bisher als am besten verträglich erwiesen. Zudem hat es mit anderen Mitteln kaum unerwünschte Wechselwirkungen, was besonders wichtig ist, da das Medikament immer in Kombination mit weiteren antiretroviralen Therapien eingenommen werden muss.

Foto: © jarun011 - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , HIV , HIV-Test

Weitere Nachrichten zum Thema HIV

| Die European Medicines Agency (EMA) hat ein Medikament zur HIV-Prophylaxe zugelassen. Die tägliche Einnahme einer Tablette Truvada zusammen mit Safer-Sex-Praktiken kann unter Auflagen zur Präexpositionsprophylaxe (Prep) bei Erwachsenen eingesetzt werden.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Ablehnen und erst nach Widerspruch genehmigen – das scheint gängige Praxis der Krankenkassen bei Anträgen auf Mutter-/Vater-Kind-Kuren zu sein. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung Ingrid Fischbach kritisiert diese „Missstände im Genehmigungsverhalten“.
Die HIV-Prophylaxe wird preiswerter: Ein Generikum des zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) eingesetzten Medikaments Truvada ist künftig für gut 50 Euro im Monat erhältlich.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.