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BfR rät zu Verwendung von Jodsalz

Rund ein Drittel der Deutschen nimmt zu wenig Jod zu sich. Darauf weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hin. Jod ist wichtig für einen gut geregelten Stoffwechsel, für die Knochenbildung und ein normales Wachstum. Umso gravierender sei deshalb, dass bei Kindern und Jugendlichen die Jodversorgung noch schlechter sei als bei Erwachsenen. Das Institut rät deshalb dazu, in der Küche und in der Lebensmittelproduktion mehr Jodsalz zu verwenden.
Jodhaltige Lebensmittel: Fischl, Eier, Milch, Käse, Jodsalz

Trotz erheblicher Fortschritte nehmen viele Erwachsene und Jugendliche noch immer zu wenig Jod zu sich. Als wichtige Quellen für eine gesunde Jodversorgung gelten jodiertes Speisesalz, Seefisch, Milchprodukte.

Viele lebenswichtige Mikronährstoffe wie Vitamine und Spurenelemente kann der Körper nicht selbst produzieren. Deshalb ist er darauf angewiesen, dass er sie in ausreichenden Mengen über die Nahrung zugeführt bekommt. Einer davon ist der Mineralstoff Jod, der in Form von Jodid für den Menschen und viele Tiere ein essentielles Spurenelemente ist. Weil der Boden in Deutschland wenig Jod enthält, ist auch dessen natürlicher Gehalt in pflanzlichen Nahrungsmitteln gering. Weil die Jodversorgung bei vielen Deutschen nicht optimal ist, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ausdrücklich zur Verwendung von Jodsalz anstelle von normalem Kochsalz. „Eine der wenigen Quellen, die reich an Jod sind, ist jodiertes Speisesalz“, heißt es beim BfR.

Wenig Jod: Schilddrüsenunterfunktion kann die Folge sein

Jod ist lebenswichtig und für den Aufbau von Schilddrüsenhormonen unentbehrlich. Die Schilddrüsenhormone haben eine zentrale Funktion bei der Steuerung des Stoffwechsels und sind für normales Wachstum, die Knochenbildung und die Entwicklung des Nervensystems notwendig. „Wird über längere Zeit zu wenig des Elements aufgenommen, kann es zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen“, warnt das BfR. Symptome wie Müdigkeit, Gewichtszunahme und eine vergrößerte Schilddrüse (Struma) könnten die Folge sein.

 

Jodmangel: Ungünstig in Wachstum und Schwangerschaft

Seit Mitte der 1980er-Jahre hatte sich die Jodversorgung in Deutschland durch den Einsatz von Jodsalz verbessert. Aktuelle Daten aus den nationalen Gesundheitssurveys des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen aber, dass die Jodversorgung der deutschen Bevölkerung derzeit – noch oder wieder – nicht optimal ist. Bei knapp 30 Prozent der Erwachsenen besteht demnach das Risiko einer Unterversorgung. Bei Kindern und Jugendlichen sind es sogar 44 Prozent. Obwohl junge Menschen im Wachstum besonders auf eine optimal arbeitende Schilddrüse angewiesen sind, ist in dieser Altersgruppe der Versorgungsgrad dem BfR zufolge sogar rückläufig.

Für Frauen im gebärfähigen Alter ist das Risiko einer unzureichenden Jodzufuhr besonders hoch. Dabei ist eine gute Versorgung gerade für Schwangere und Stillende bedeutsam, weil das Spurenelement für die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes wichtig ist – auch schon vor der Geburt.

„Weniger Salz tut gut, auf Jodsalz verzichten aber nicht“

Jod muss mit der Nahrung aufgenommen werden. Da der Boden hierzulande aber nur wenig von dem Spurenelement enthält, sind die natürlichen Jodgehalte der pflanzlichen landwirtschaftlichen Erzeugnisse entsprechend gering. In relevanten Mengen kommt das Element nur in wenigen Speisen vor. Dazu gehören Meeresfisch und -früchte, aber auch mit Jodsalz angereicherte Speisen. „Wer bewusst zu jodhaltigen Lebensmitteln greift, ist in der Regel ausreichend versorgt“, lautet die Empfehlung des Bundesinstituts. Weil viele Menschen salzbewusst essen (oder essen müssen) – aus Gesundheitsbewusstsein heraus oder etwa wegen zu hohen Blutdrucks – rät Andreas Hensel, der Präsident des BfR: „Weniger Salz tut gut, auf Jodsalz verzichten aber nicht. Dieser Grundsatz sollte sowohl in der eigenen Küche als auch in der Lebensmittelproduktion gelten.“

BfR: Zu wenig Jodsalz in der Lebensmittelproduktion

Einen Hauptgrund für die unzureichende Versorgung der Bevölkerung mit Jod sieht das BfR in einem Rückgang der Verwendung von jodiertem Salz in der Lebensmittelproduktion. In Deutschland können Hersteller selbst entscheiden, ob sie jodiertes Speisesalz für ihre Produkte nutzen. Laut einer Studie der Universität Gießen tun sie das in den vergangenen Jahren aber immer weniger, vor allem bei Brot und Backwaren. Nur etwa 30 Prozent der industriell und handwerklich hergestellten Produkte enthalten demnach Jodsalz. Nach Modellrechnungen des BfR ist eine gute Jodversorgung aber nur dann möglich, wenn etwa 40 Prozent dieser Lebensmittel mit Jodsalz produziert werden.

Fünf Tipps für eine gute Jodversorgung:

  • Jodsalz zum Kochen und Nachsalzen nutzen.
  • Abgepackte Lebensmittel und Fertiggerichte bevorzugen, in deren Zutatenliste „Jodsalz“ oder „jodiertes Salz“ steht.
  • Bei loser Ware wie Brot, Käse und Wurst nachfragen, ob Jodsalz enthalten ist.
  • Milch- und Milchprodukte täglich konsumieren.
  • Meeresfisch ein- bis zweimal pro Woche verzehren.

Foto: AdobeStock/airborne77

Autor: zdr
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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