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30.09.2012

Bewusstes Erleben fördert die seelische Gesundheit

Achtsamkeitsübungen sollen bei Depressionen und Borderline-Störungen helfen, sagen Psychiater. Auch für Gesunde kann das bewusste Erleben des Augenblicks ratsam sein.
Achtsamkeitsübungen steigern die Genussfähigkeit

Achtsamkeitsübungen steigern die Genussfähigkeit

Das Üben von Achtsamkeit, also das bewusste Erleben des Augenblicks, ist seit Jahrtausenden fester Bestandteil spiritueller und religiöser Riten. Mittlerweile haben Achtsamkeitsübungen auch in der Psychotherapie ihren Platz gefunden, beispielsweise in der Therapie von Borderline‐Persönlichkeitsstörungen und Depressionen.

Warum ein bewusstes Erleben für die seelische Gesundheit so wichtig ist, erklärt Prof. Sabine Herpertz vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin: "Menschen lassen sich leicht vom bewussten Erleben des Augenblicks durch Erinnerungen oder Nachdenken über die Zukunft ablenken. Bei Menschen mit psychischen Problemen geht dies häufig soweit, dass die Erfahrung eines an sich positiven Moments verblasst und Traurigkeit, Grübelgedanken oder einfach nur schlechte Stimmung die Oberhand behalten."

Die Situation nicht gleich bewerten, sonst können negative Gefühle die Oberhand behalten

Gerade für Menschen mit Depressionen sind Übungen zur Achtsamkeit ein wichtiges Mittel, um die Stimmung positiv zu beeinflussen. Aber auch Gesunde können mit ein paar einfachen Übungen die Wahrnehmung des aktuellen Augenblicks und ihre Genussfähigkeit verbessern.

Man könne beispielsweise seine Wahrnehmung eine Weile bewusst auf den eigenen Atem richten, empfiehlt die Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie an der Universität Heidelberg. Oder man lenkt seine Aufmerksamkeit ganz gezielt auf das was man hört oder sieht. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, bestimmte Tätigkeiten wie einen Tee zu zubereiten oder das Geschirr abzuwaschen mit grosser Achtsamkeit auszuführen. "Dabei kommt es auf die intensive Wahrnehmung des jeweiligen Augenblicks an, ohne diesen als gut oder schlecht, angenehm oder unangenehm zu bewerten", sagt Herpertz. Störende Gedanken sollte man in diesen Momenten ziehen lassen.

Achtsamkeitsübungen

Auch augenscheinlich sinnlose Konzentrationsübungen können sich zum Üben von Achtsamkeit eignen. "Eine Übung besteht darin, ein rohes Ei aufrecht vor sich hinzustellen", so Herpertz. " Für viele ist es besonders schwer, diesen Versuch nicht zu bewerten, weil er ja offensichtlich sinnlos ist. Es geht es darum, sich ganz auf den Versuch selbst zu konzentrieren und währenddessen andere Gedanken beiseite zu legen." Wer mit Achtsamkeitsübungen beginnt, sollte dafür täglich einige Minuten fest einplanen.

Foto: DAK/Schläger

 
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