. Neue Studie

Bevölkerungsexplosion: Forscher prophezeien neue Arten von Bettwanzen

Bettwanzen gehören zu den ältesten Parasiten der Welt. Durch Bevölkerungsexplosion und Massentierhaltung werden sich bald neue Arten von Blutsaugern ausbreiten, sagen Biologen voraus.
Zu viele Menschen, zu viele Tiere: Neue Arten von Bettwanzen werden zunehmen

Zu viele Menschen, zu viele Tiere: Neue Arten von Bettwanzen und anderen Parasiten werden zunehmen

Wie der Name schon sagt leben Bettwanzen am liebsten dort, wo es warm und kuschelig ist: im Bett. Dort werden die Parasiten von der Wärme des Menschen angelockt. In der Regel beißen Sie an mehreren Stellen zu, um Blut zu saugen. Dadurch befinden sich die Bissspuren häufig in einer Reihe, weshalb man auch von einer „Wanzenstraße“ spricht. Häufig findet sich diese Wanzenstraße am Rücken.

Forscher der TU Dresden wollten nun wissen, woher Bettwanzen eigentlich kommen. Über fünfzehn Jahre lang hat das Team um den Biologen Prof. Klaus Reinhardt und Dr. Steffen Roth darum Bettwanzenproben auf der ganzen Welt gesammelt. Über die Ergebnisse zur Evolution von Bettwanzen waren die Wissenschaftler selbst überrascht waren. Die Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht.

Bettwanzen sind 115 Millionen Jahre alt

Das erste unerwartete Ergebnis betrifft das Alter. Dass die ungeliebten Blutsauger älter sind als Sprungrahmen und Federkernmatratze, war klar. Aber dass Bettwanzen schon vor rund 115 Millionen Jahren entstanden sind, war neu. Das bedeutet nämlich auch, dass Bettwanzen über 30 Millionen Jahre älter sind als Fledermäuse. Damit ist die Annahme widerlegt, dass Fledermäuse die ersten Wirte der Bettwanzen waren. „Auch war es sehr unerwartet zu sehen, dass evolutionär ältere Bettwanzen bereits auf einen einzigen Wirtstyp spezialisiert gewesen sein müssen, obwohl wir leider nicht wissen, wer der Wirt war“, sagt Studienleiter Dr. Steffen Roth. „Er muss ja sogar noch älter als Tyrannosaurus rex gewesen sein.“

 

Gewöhnliche und die tropische Bettwanze älter als der Mensch

Außerdem fanden die Biologen heraus, dass die beiden Parasiten des Menschen, die gewöhnliche und die tropische Bettwanze, viel älter sind als die Menschen selbst. Dieses Ergebnis widerspricht der gängigen Vorstellung, dass die evolutionäre Aufspaltung des Menschen in Homo erectus und Homo sapiens die Aufspaltung der Bettwanze in zwei neue Arten verursacht hat.

Des Weiteren zeigt die Studie, dass etwa alle halbe Millionen Jahre eine neue Art von Bettwanzen den Menschen erobert. Für Bettwanzen ungewöhnlich, nutzen sie dabei ihre alten Wirte trotzdem weiter.

Der Mensch schafft sich neue Parasiten

Prof. Klaus Reinhardt prophezeit den Fortgang dieser Entwicklung: „Es wird sicher nicht noch einmal eine halbe Million Jahre dauern, bis die nächste Art der Blutsauger unsere Betten bevölkert, da derzeit viel mehr Menschen auf der Erde leben und der Handel von Tieren und Haustieren viel mehr Möglichkeiten zum Kontakt bieten.“ Mit anderen Worten: Bevölkerungsexplosion und Massentierhaltung beschleunigen die Entstehung und Ausbreitung neuer Arten von Blutsaugern.

Foto: © Africa Studio - Fotolia.com

Autor: ham
 

Weitere Nachrichten zum Thema Parasiten

| Viele Menschen glauben, es gebe sie in Deutschland nicht mehr: Bettwanzen. Doch die Plagegeister sind wieder auf dem Vormarsch, auch hierzulande. Ihre Bisse sind sehr unangenehm und verursachen quälenden Juckreiz.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Warum Zecken mittlerweile auch in unseren Gärten zu finden sind, wie man sich vor ihnen schützen kann und ob eine Impfung sinnvoll ist, erklärt die Parasitologin Prof. Ute Mackenstedt im Interview mit Gesundheitsstadt Berlin.
 
. Weitere Nachrichten
Ein Zeckenbiss lässt sich trotz Vorsichtsmaßnahmen nicht immer verhindern. Wichtig ist es, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Andernfalls kann der Blutsauger schwerwiegende Krankheiten übertragen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.