Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
14.05.2017

Betriebliches Gesundheitsmanagement zu oft vernachlässigt

Wie wichtig ist den Unternehmen das Betriebliche Gesundheitsmanagement? Das wollte die Techniker Krankenkasse (TK) wissen. Ihre aktuelle Studie zeigt, dass es noch viel Nachholbedarf gibt. Vor allem die Veränderungen durch die digitale Transformation stellen die Betriebe vor große Herausforderungen.
BGM wird noch vernachlässigt

Der Gesundheitsförderung in Betrieben wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt - sagt die TK.

Wie sieht Arbeit in der modernen digitalen Welt aus? Welchen Themen müssen sich Unternehmen in Zukunft stellen, um mit gesunden und leistungsfähigen Mitarbeitern am Markt zu bestehen? Das wollte die Techniker Krankenkasse in einer Umfrage herausfinden. Denn insbesondere die digitale Arbeitswelt bringt neue gesundheitliche Beanspruchungen mit sich. Bewegungsangebote, ergonomische Arbeitsplätze und gesundes Kantinenessen reichen dann als Betriebliche Gesundheitsförderung nicht mehr aus. In Anbetracht dieser Herausforderungen hat die TK  in Zusammenarbeit mit dem Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) und der Haufe Gruppe über 800 Geschäftsführende, Personaler und Verantwortliche für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) gefragt, wie sie den Veränderungen in der Arbeitswelt begegnen wollen. Die Ergebnisse haben sie in ihrer Studie „whatsnext – Gesund arbeiten in der digitalen Arbeitswelt" zusammengefasst.

Führungskräfte als wichtigster Faktor

Fast neun von zehn Befragten erklärten, dass sie die Führungskräfte als wichtigste Stellschraube für die Förderung der Beschäftigtengesundheit sehen. Auch die Notwendigkeit von mehr Einsatz durch die Unternehmensleitung sowie größerer personeller Ressourcen wurden häufig genannt (74 Prozent). 71 Prozent sahen einen größeren finanziellen Bedarf und 68 Prozent meinten, dass das interne Know-how gesteigert werden müsse. Professor Filip Mess, wissenschaftlicher Leiter des IFBG, erklärte: „Gesunde Führung und die Unternehmenskultur haben extremen Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten. Laut unseren Umfrageergebnissen sind die Chefs für ein wirksames und zukunftsfähiges BGM noch wichtiger als das Budget.“

Der Studie zufolge werden in jedem elften Unternehmen überhaupt keine Maßnahmen zur Gesundheitsförderung ergriffen, und nur gut jeder Vierte gab an, ein ganzheitliches BGM eingerichtet zu haben. Zu den am stärksten verbreiteten Angeboten zählen Maßnahmen der Arbeitssicherheit (82 Prozent) und des Versorgungsmanagements (75 Prozent).

 

Digitalisierung der Arbeitswelt führt zu neuen Herausforderungen

Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt verändern sich auch die Themen, welche die Gesundheit der Beschäftigten beeinflussen, so die Herausgeber der Studie. Dabei werden Bereiche wie Telearbeit und Home Office immer wichtiger. Allerdings sei dann auch die Gefahr groß, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter aufweichen. „Big Data sorgt dafür, dass Arbeit 4.0 vor allem immer komplexer wird, weil uns immer größere Mengen von Informationen zur Verfügung stehen“, so Dr. Fabian Krapf, wissenschaftlicher Berater des IFBG. Beschäftigte bräuchten daher künftig eine noch höhere Stresstoleranz und das Betriebliche Gesundheitsmanagement müsse sich künftig noch mehr der Stressprävention beziehungsweise der Stressresilienz widmen.

Auch Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, betont: „Die Digitalisierung, die Globalisierung der Märkte und der Anspruch der Kunden, rund um die Uhr alles erledigen zu können, haben unsere Arbeitswelt in den letzten Jahren deutlich verändert. Den Beschäftigten wird deutlich mehr Flexibilität abverlangt. Wenn aber fast 30 Prozent der Erwerbstätigen sagen, dass sie auch nach Feierabend und im Urlaub erreichbar sein müssen, dann läuft in der Betriebsorganisation etwas falsch. Das spricht nicht für eine gesunde Unternehmenskultur.“

Foto: © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Prävention , Betriebliches Gesundheitsmanagement
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin