. Radioimmunisierung

Bestrahlung von Glioblastomen wird näher erforscht

Glioblastome sind hoch aggressive Hirntumore, die oft mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Noch sind deren Erfolge begrenzt. Doch Wissenschaftler verfolgen jetzt eine neue Spur: Sie heißt Radioimmunisierung.
Radioimmunisierung von Glioblastomen: Forscher prüfen neue Form der Immuntehrapie

Radioimmunisierung von Glioblastomen: Forscher prüfen neue Form der Immuntehrapie

Immuntherapien stehen in der Krebsmedizin hoch im Kurs. Neue derartige Medikamente werden derzeit auch für das Glioblastom geprüft, bislang allerdings ohne nennenswerte Erfolge. Nun gehen Wissenschaftler der Universitätsklinik Mannheim einer völlig anderen Spur nach, die zunächst niemand mit einer Immuntherapie in Verbindung bringen würde: die Strahlentherapie. Das Team um PD Dr. med. Frank Giordano vermutet nämlich, dass das Immunsystem die Krebszellen durch eine hoch-fokussierte Bestrahlung besser erkennen kann. Diesem Nebeneffekt wollen die Forscher nun in einer Studie nachgehen, die von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung gefördert wird.

Eine Radioimmunisierung wäre denkbar

„Wenn wir damit den Mechanismus entschlüsseln, durch den hochdosierte Bestrahlung Tumorzellen für das Immunsystem besser sichtbar macht, kann das die Grundlage für eine neue Form der Behandlung sein“, erläutert Giordano. Der neue Ansatz nennt sich Radioimmunisierung. Man könnte auch von einer Impfung durch fokussiert-hochdosierte Bestrahlung sprechen.

Die Studie namens INTRAGO erforscht in Mannheim und an weltweit 17 weiteren Exzellenzzentren die intraoperative Bestrahlung von Patienten mit Glioblastomen, einer hoch aggressiven Form von Hirntumoren. Die dabei gewonnenen Daten und Gewebeproben wertet das neue Forschungsprojekt nun vertieft aus. Das Projekt sei so aufgebaut, dass es nahtlos auch auf andere Tumoren übertragen werden könne, erläutert Prof. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Universitätsmedizin Mannheim.

 

Hoffnung auf neue Behandlungsansätze

Glioblastome sind die häufigsten Hirntumore bei Erwachsenen. Da sich die Krebszellen systemisch über das Gehirn ausbreiten, ist eine komplette Entfernung weder chirurgisch noch strahlentherapeutisch möglich. Darum sind Glioblastome auch bis heute unheilbar: Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt momentan bei 15 Monaten. Neue Behandlungsansätze sind darum dringend geboten.

Foto: © bittedankeschön - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Hirntumor , Glioblastom , Krebsforschung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Glioblastom

| Das Glioblastom ist ein aggressiver Hirntumor, für den es bislang keine Heilung gibt. Mit einem neuen Behandlungsansatz, den sogenannten Tumortherapiefeldern (TTF), soll das Tumorwachstum verlangsamt werden. In einer Nutzenbewertung konnte nun gezeigt werden, dass Patienten durch die Methode tatsächlich länger leben können.
| In der Chemotherapie des Glioblastoms gibt es Fortschritte: Forscher konnten zeigen, dass bei etwa einem Drittel der Patienten eine Form vorliegt, die besonders gut auf eine spezielle Art der Therapie anspricht.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Wie viel Intensivbetten und Beatmungsgeräte brauchen wir am Tag X, wenn die Infektionszahlen weiter steigen wie bisher? Forscher der Uni Saarbrücken haben einen Corona-Simulator entwickelt, mit dem anhand aktueller Daten präzise Prognosen zum Pandemiegeschehen für Bund und Länder erstellt werden können. Sie liefern das Material für Entscheidungen in der Politik und im Gesundheitswesen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.