. Barmer GEK Report Krankenhaus 2014

Beschichtete Stents sind heute Standard

Der Einsatz beschichteter Stents bei der Behandlung der Koronaren Herzkrankheit ist heute Standard. Unbeschichtete Stents werden immer seltener verwendet. Das zeigt der aktuelle Report Krankenhaus, den die Barmer GEK am heutigen Dienstag in Berlin vorgestellt hat.
Krankenkasse stellt deutlichen Zuwachs beim Einsatz beschichteter Stents fest

Bei Koronarer Herzkrankheit sind beschichtete Stents der neue Standard

Die Zahl der Eingriffe mit beschichteten Stents stieg den Angaben zufolge zwischen 2005 und 2013 um 227 Prozent. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 204.400 solcher Eingriffe vorgenommen. Damit wurden bei 61 Prozent aller Eingriffe zur Öffnung verengter Herzkranzgefäße beschichtete Stents verwendet. Die Zahl der Eingriffe mit unbeschichteten Stents sank dagegen um 71 Prozent. „Beschichtete Stents dürften heute bei der Behandlung verengter Herzkranzgefäße den Standard darstellen“, so Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK.

Schlenker äußerte jedoch Zweifel, ob dieser Zuwachs ausschließlich medizinisch begründet sei oder ob der Preis die Menge der Eingriffe beeinflusse. Damit knüpfte er an das vor kurzem veröffentlichte Gutachten zur Mengenentwicklung in deutschen Krankenhäusern an. Das Gutachten bestätige einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen Preis und Menge von Leistungen im Krankenhaus, so Schlenker.

Beschichtete Stents: Wiederholungseingriffe häufig

Nach Angaben der Report-Autorin Professor Eva Maria Bitzer von der Pädagogischen Hochschule Freiburg gehen die Zuwächse bei den beschichteten Stents unter anderem darauf zurück, dass heute auch Menschen mit koronarer Herzkrankheit behandelt würden, die früher aufgrund ihres Alters oder weiterer Erkrankungen nicht behandelt worden wären.

Bitzer sieht in den Ergebnissen des Reports jedoch auch Hinweise darauf, dass die beschichteten Stents möglicherweise die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen könnten. So zeige sich eine hohe Rate von Wiederholungseingriffen bei beschichteten Stents. Jeder fünfte Patient müsse sich innerhalb eines Jahres einer Re-Intervention unterziehen. Doch es gibt auch positive Effekte. Denn andererseits ist die Sterblichkeit fünf Jahre nach der Implantation beschichteter Stents mit 15 Prozent geringer als bei anderen Methoden.

Eine Zunahme um vier Prozent zwischen 2005 und 2013 zeigt sich auch bei der koronaren Revaskularisation. Dabei wird versucht, verengte Herzkranzgefäße wieder zu öffnen und dadurch die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Herzens zu verbessern. Der Anteil der Patienten mit dieser Behandlung stieg um vier Prozent auf fast 282.400 Krankenhausfälle. Dazu kamen fast 53.000 Bypass-Operationen.

Insgesamt wurden jedoch weniger Patienten wegen Koronarer Herzkrankheit im Krankenhaus behandelt. Ihre Zahl sank zwischen 2005 und 2013 um 24 Prozent.

Patienten zufrieden

Die meisten Patienten, die wegen Koronarer Herzkrankheit im Krankenhaus behandelt werden, sind zufrieden mit der stationären Behandlung. Bei einer Befragung von 3500 Patienten für den Report Krankenhaus der Barmer GEK zeigten sich mehr als 60 Prozent zufrieden mit dem Eingriff. Über Komplikationen klagten häufig Patienten mit einer einer Bypass-OP. Sie litten oft an Wundheilungsstörungen.

Foto: dpa picture alliance

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenkassen , Krankenhäuser , Herz-Kreislauf-System , Stent

Weitere Nachrichten zum Thema Herzerkrankungen

| Seit dem 1. Oktober müssen kardiologische Kliniken und Praxen nach dem Einsetzen eines Implantats (Stent, künstliche Herzklappe, Schrittmacher) dem Patienten einen Implantat-Pass aushändigen, der bestimmte Daten enthält. Die Deutsche Herzstiftung bietet einen speziellen Pass für Stent-Patienten an.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Um die psychologische Versorgung von Krebspatienten in Deutschland zu verbessern, wurde kürzlich das Projekt isPo (Integrierte, sektorenübergreifende Psychoonkologie) gestartet. Damit soll ein Konzept für eine flächendeckende psychoonkologische Versorgung entwickelt werden.
Händehygiene ist die einfachste und effektivste Maßnahme um die Übertragung von Keimen und Krankenhaus-Infektionen zu verhindern. Das meldet die Medizinische Universität Wien. Am 15. Oktober war Tag des Händewaschens.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.