. Psychische Erkrankungen in der Großstadt

Berliner Woche der Seelischen Gesundheit mit über 200 Veranstaltungen

Psychische Erkrankungen kommen in Großstädten häufiger vor als auf dem Land. Warum das so ist, wird eins der Themen sein, die bei der 8. Berliner Woche der seelischen Gesundheit vom 10. Bis 17. Oktober diskutiert werden.
Psychische Erkrankungen in der Großstadt

Die Hektik der Großstadt macht viele Menschen krank.

Die 8. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit 2014 startet in diesem Jahr wieder am 10. Oktober, dem internationalen Tag der Seelischen Gesundheit. Alle Berlinerinnen und Berliner sind dazu eingeladen, eine Woche lang die vielfältigen Angebote und Einrichtungen in der Stadt zum Thema psychische Erkrankungen zu erkunden. Mehr als 2oo Veranstaltungen – von ambulanten und stationären Behandlungsangeboten, Wohngemeinschaften über Begegnungsstätten bis hin zu Freizeit- und Beschäftigungsangeboten– informieren über die verschiedenen Krankheitsbilder und Behandlungsoptionen sowie über die Möglichkeiten der sozialen Unterstützung.

Risiko für psychische Erkrankungen in der Großstadt erhöht

Unter dem Motto „Psychisch krank und mittendrin?!“ beschäftigt sich die Berliner Woche der Seelischen Gesundheit in diesem Jahr unter anderem mit der Frage, wie das Leben in der Großstadt die psychische Gesundheit beeinflusst. Verschiedenen Studien zufolge treten bestimmte psychische Erkrankungen in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern verstärkt auf. So leiden ihre Bewohner zu etwa 20 Prozent häufiger an Angststörungen als andere Menschen, und das Risiko für eine Depression ist bei ihnen sogar um 40 Prozent erhöht. Auch die Wahrscheinlichkeit, an einer Schizophrenie zu erkranken ist bei Städtern verglichen mit Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind, deutlich erhöht.

Als Gründe für dieses erhöhte Erkrankungsrisiko werden meist Hektik, Lärm, Enge sowie fehlende Grünflächen genannt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Einsamkeit, die in der Stadt höher ist als auf dem Land, während gleichzeitig Menschen in der Stadt auf engem Raum zusammenleben. Diese Verbindung von Enge und Isolierung bedeutet für viele Menschen erheblichen sozialen Stress.

Welche anderen Faktoren für die erhöhte Belastung der Stadtbewohner verantwortlich sind, wird derzeit in einer Studie untersucht. Aus ihr soll auch abgeleitet werden, wie die städtische Umgebung verändert werden muss, damit Menschen weniger Stress empfinden. Eine erste Erkenntnis ist, dass Grünflächen sowie natürliche Weite einen extrem stressreduzierenden Effekt auf den Menschen haben.

Psychisch Erkrankte nicht ins Abseits stellen

Ein weiteres Thema der diesjährigen Berliner Woche der Seelischen Gesundheit wird die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen an unserer Gesellschaft sein. Obwohl psychische Erkrankungen immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, begegnen Betroffenen nach wie vor Vorurteile, die sie zum Teil daran hindern, Hilfe in Anspruch zu nehmen – beispielsweise aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Die Auftaktveranstaltung der Berliner Woche der Seelischen Gesundheit steht daher auch unter dem Titel „Psychisch krank und mitten im Arbeitsleben?!“ Experten beraten über die Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen in die Arbeitswelt und welche Unterstützung durch Politik, Arbeitgeber und Krankenkassen dafür notwendig ist. Die Veranstaltung, die am heutigen Donnerstag um 15 Uhr im Verlagshaus des „Tagesspiegel“ stattfindet, wird vom Aktionsbündnis Seelische Gesundheit in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sowie Gesundheitsstadt Berlin e.V. durchgeführt.

Foto: © chris-m - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

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