Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Berliner Psychiater starten Angebot für Muslime

Der Verein für Psychiatrie und seelische Gesundheit will sich stärker um Muslime kümmern und bietet nun Beratung in drei Berliner Moschee-Gemeinden an. Die Lottostiftung Berlin leistet finanzielle Hilfe.
Verein für Psychiatrie und seelische Gesundheit: Wollen uns stärker um Muslime kümmern

Verein für Psychiatrie und seelische Gesundheit: Wollen uns stärker um Muslime kümmern

Psychische Erkrankungen können jeden treffen. Der Verein für Psychiatrie und seelische Gesundheit nimmt jetzt speziell die muslimische Bevölkerung mit einem neuen Beratungsangebot in den Blick. Wobei das interreligiöse Projekt auch ausdrücklich Christen ansprechen soll. Konkret werden durch das Projekt regelmäßige wöchentliche Beratungsstunden in drei Berliner muslimischen Gemeinden sowie in den von christlichen Kirchen unterstützen Einrichtungen der „Offenen Tür“ und der „Lebensberatung im Berliner Dom“ eingerichtet. Menschen beider Glaubensrichtungen soll damit die Möglichkeit gegeben werden, sich über Hilfe- und Behandlungsmöglichkeiten bei psychischer Erkrankung zu informieren. Geplant ist, auch türkisch- und arabischsprechende Psychiater sowie Kinderpsychiater einzusetzen.

Religion und Psyche gleichermaßen im Blick

„Das Verständnis psychischer Erkrankungen ist hinsichtlich ihrer Verursachung und auch der Therapien häufig noch von religiös begründeten Vorurteilen geprägt“, sagt Psychiater Dr. Norbert Mönter vom Verein für Psychiatrie und seelische Gesundheit. So würden psychische Erkrankungen oft als eine Strafe Gottes erlebt oder Halluzinationen als Einfluss von Geistern interpretiert.

Durch die Flüchtlingskrise ist das schon lange geplante Projekt aktueller denn je. Mit dem neuen Beratungsangebot will der Verein genau dort ansetzen, wo sich die Menschen geborgen fühlen und Orientierung finden: in religiösen Gemeinden. Die Beratungen für Muslime finden in der Shehitlik-Moschee in Neukölln, im Moabiter Bildungs- und Moscheeverein Darul Hikma - Haus der Weisheit sowie im Alrissala Zentrum in Gesundbrunnen statt. „Religiöse Gemeinden haben für die gesunde seelische Verfasstheit, aber auch für Hilfebedarf und Hilfesuche bei psychischer Verstörtheit, Störung, Erkrankung eine hohe Bedeutung“, sagt Mönter. Dieser Kontext könnte es Betroffenen erleichtern, Hilfe anzunehmen - von der Diagnose-Stellung bis zur differentiellen Therapie bei psychischen Störungen.

 

Gute Erfahrung mit muslimischer Gemeinde gemacht

Ein Arbeitskreis des Vereins hatte in 2013 und 2014 bereits die Informationsreihe „Psychiatrie-Info in der Moschee“ durchgeführt. Psychiater und Psychotherapeuten referierten regelmäßig zu wichtigen psychiatrischen Erkrankungen wie Depression, Angst, Schizophrenie, Demenz, Sucht und Erkrankungen des Kindesalters in der Shehitlik-Moschee. Die Vorträge wurden live ins türkische übersetzt. Nach Vereinsgaben wurde die Vortragsreihe aktiv vom Gemeindevorstand unterstützt und fand eine beachtliche Resonanz.

Das nun gestartete interreligiöse Projekt „Psychiatrische Beratung in religiös-gemeindlichen Kontexten mit besonderer Berücksichtigung muslimischer Gemeinden“ ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Lottostiftung Berlin finanziell gefördert.

Foto: © Glaser - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Psychische Krankheiten , Depression , Angst , Schizophrenie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Flüchtlinge

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Weniger Wartezeit bei medizinischen Notfällen: Wissenschaftler der TU Bingen haben ein Prognose-Tool entwickelt, das Rettungsdienstorganisationen in die Lage versetzen soll, jederzeit genügend Rettungskräfte und -fahrzeuge parat zu haben.

Krätze ist hierzulande weiter auf dem Vormarsch. Das meinen Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Vor allem kleine Kinder könnten eine unterschätzte Infektionsquelle sein.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin