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Berliner Forscher suchen nach wahren Ursachen für Rückenschmerzen

Freitag, 16. Juli 2021 – Autor:
Schmerzen im unteren Rückenbereich gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems. Berliner Forscher suchen jetzt nach den wahren Ursachen für Rückenschmerzen – und brauchen noch Probanden.
Rückenschmerzen können viele Ursachen haben - die Auslöser sind nicht restlos geklärt

– Foto: Adobe Stock/BillionPhotos.com

Schmerzen im unteren Rückenbereich gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems. Berliner Forscher suchen nach den wahren Ursachen für Rückenschmerzen.

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe will neue Erkenntnisse darüber gewinnen, um Diagnose und Therapie zu verbessern. Dafür sollen 3.000 Probanden mit und ohne Rückenproblemen untersucht werden. Sie können sich jetzt bewerben.

Zwei von drei Menschen von Rückenschmerzen betroffen

Sprecher der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligten Gruppe ist Prof. Hendrik Schmidt vom Julius Wolff Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH).

"Zwei von drei Menschen sind im Verlauf ihres Lebens von Rückenschmerzen betroffen", sagt er. "Wir können immer noch nicht genau vorhersagen, wer davon betroffen sein wird. Rückenschmerzen haben viele Ursachen."

 

Viele Gründe: Bewegungsmangel bis Stress

Zu den bekannten Ursachen zählen Bewegungsmangel und Übergewicht, falsche Haltung am Arbeitsplatz, häufiges und falsches Heben und Tragen von Lasten. Darüber hinaus können körperliche Erkrankungen Rückenschmerzen begünstigen.

Auch Stress und Alltagssorgen gehen am Rücken nicht spurlos vorüber, auch Stimmung und psychische Belastung können mit Schmerzen im Rücken zusammenhängen. Weniger weiß man über genetische Grundlagen, biochemische Mechanismen und soziale Auslöser.

Häufig falsche Diagnosen und Therapien

Gegenwärtig wird bei Rückenbeschwerden auf der Grundlage einer einmaligen körperlichen Untersuchung und/oder bildgebenden Verfahren wie MRT und Röntgen eine Diagnose gestellt und Therapien empfohlen. Diese statischen Momentaufnahmen geben jedoch keine ausreichende Information über die zugrundeliegenden Mechanismen von Rückenbeschwerden, meinen die Forscher.

Daraus ergeben sich häufig falsche Diagnosen und Therapieentscheidungen, die im späteren Verlauf zu Therapie-Versagen führen. "Wir wollen diese unbefriedigende Situation verbessern. In Zukunft muss die Wirbelsäule als Organsystem mit dynamischer Funktion verstanden sowie biochemische und psychosoziale Zusammenhänge miterfasst werden", so Prof. Schmidt.

Forscher suchen wahre Ursachen für Rückenschmerzen

"Wir wollen von einer statischen Kurzeitanalyse zu einem dynamischen Abbild der Wirbelsäule gelangen und dazu Messwerte für die Haltung und das Bewegungsprofil im Alltag erheben. Nur so können wir in Zukunft ein Therapieversagen vermeiden", erläutert der Berliner Wissenschaftler.

Um die wahren Ursachen für Rückenschmerzen herauszufinden, sucht die Forschergruppe nach 3.000 Probanden, Alter 18 bis 64 Jahre, mit und ohne Rückenschmerzen. Die Studie beginnt voraussichtlich am 1. Januar 2022. Mehr Infos unter jwi.charite.de/forschung/forschung_biomechanik_auf_organebene/biomechanik_der_wirbelsaeule/

Ganganalysen, Funktionsanalysen, Fragebögen

Zum Programm zählen eine Aufnahme mit dem Magnetresonanztomographen (MRT), orthopädische Untersuchungen, Ganganalysen, Kurz- und Langzeit-Funktionsanalysen und Fragebögen zur Ernährung, zum Bewegungsprofil, zur psychologischen und sozialen Situation, experimentelle Studien sowie biometrische Messungen, etwa der Körpergröße und des Gewichts.

"Unser erstes Ziel ist es, das Zusammenwirken von Morphologie, Bewegung und Mechanik im Bereich des unteren Rückens, also der Lendenwirbelsäule und des Beckens, aufzuklären“, erklärt Co-Sprecherin Sara Checa vom Julius Wolff Institut. „Im nächsten Schritt möchten wir herausfinden, wie die individuellen Parameter wie Alter, Geschlecht und Anatomie sowie die biochemischen und psycho-sozialen Faktoren zur Entwicklung von Rückenschmerzen beitragen.“

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