. R-Wert gestiegen

Berliner Corona-Ampel: Reproduktionszahl springt auf Rot

In Berlin steckt jetzt ein Infizierter 1,95 weitere Menschen an. Damit steht eine der drei Berliner Corona-Ampeln auf Rot. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci warnt vor Übermut.
In Berlin zeichnet sich ein Trend zu mehr neuen Coronainfektionen ab. Die Corona-Ampel ist beim R-Wert auf Rot gesprungen

In Berlin zeichnet sich ein Trend zu mehr neuen Coronainfektionen ab. Die Corona-Ampel ist beim R-Wert auf Rot gesprungen

In Berlin ist die Reproduktionszahl am Dienstag auf 1,95 gestiegen. Das bedeutet, dass ein Infizierter fast zwei weitere Menschen mit dem Coronavirus ansteckt. In den vergangenen beiden Tagen lag der sogenannte R-Wert bei 1,41 bzw. 1,66. Da nun zum dritten Mal in Folge der Schwellenwert von 1,2 überschritten wurde, ist diese Corona-Ampel nun auf Rot gesprungen.

Die Reproduktionszahl ist ein geschätzter Wert und stark von den Fallzahlen abhängig. Je geringer diese sind, desto schwankungsanfälliger ist der R-Wert. Neue Maßnahmen werden erst ergriffen, wenn zwei der drei Ampeln auf Rot stehen.

Zwei Ampeln noch auf Grün

Die beiden anderen Ampeln stehen aber weiterhin auf Grün. So beträgt die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche 5,1 pro 100.000 Einwohner. Auf Rot würde sie springen, wenn mehr als 25 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet würden.

Der Anteil der für COVID-19-Patienten benötigten Plätze auf Intensivstationen liegt in Berlin bei 3,3 Prozent. Erst wenn deren Anteil auf 25 Prozent steigen würde, leuchtet die Ampel rot. Aktuell befinden sich 42 Coronakranke in intensivmedizinischer Behandlung.

 

Trend zu mehr Neuinfektionen

Allerdings setzt sich der rückläufige Trend der Neuinfektionen in Berlin nicht fort. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sieht die neue Trendwende mit Sorge und appellierte an die Bevölkerung, die Abstandsregeln weiterhin ernst zu nehmen. Andernfalls setzte man die Lockerungen aufs Spiel. Mit Blick auf Partys der Clubszene auf dem Landwehrkanal am Pfingstwochenende sagte sie: „Party und Pandemie passt überhaupt nicht zusammen.“ Das, was am Wochenende auf dem Landwehrkanal passierte, sei "in Pandemiezeiten grob fahrlässig."

Seit Dienstag gelten neue Lockerungen für Sportstätten, das Veranstaltungsgewerbe und die Gastwirtschaft. „Ich appelliere an alle Berlinerinnen und Berliner: Riskieren wir nicht die erreichte Eindämmung des Virus, riskieren wir nicht aufs Gefährlichste unsere Gesundheit und letztlich unsere Freiheiten, halten wir uns alle an Abstands- und Hygieneregeln und tragen Mund-Nasen-Bedeckung.“

In Berlin gibt es derzeit 6.873 bestätigte Fälle des neuartigen Coronavirus. 198 Menschen sind daran verstorben. Die Verstorbenen waren im Schnitt 81 Jahre alt, die jüngste Person war 40 Jahre alt.

Foto: © Adobe Stock/Taina Sohlman

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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