Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Berliner beschweren sich seltener über Behandlungsfehler

Die Schlichtungsstelle der Berliner Ärztekammer hat 2017 weniger Behandlungsfehlervorwürfe registriert als im Vorjahr. Nur jeder vierte Fall wurde als Behandlungsfehler anerkannt.
Behandlungsfehlervorwürfe

Falsch eingegipst? Chirurgen führen die Statistik der Behandlungsfehlervorwürfe an

Immer weniger Patienten aus Berlin und Umgebung beschweren sich bei den Schlichtungsstelle der Berliner Ärztekammer: Gingen 2016 bei der Behörde noch 503 Behandlungsfehlervorwürfe ein, waren es 2017 nur noch 447. Davon wurden bislang 259 Fälle abgeschlossen, andere werden noch geprüft oder konnten wegen fehlender Verfahrensvoraussetzungen nicht bearbeitet werden.

Interessant ist vor allem die Anerkennungsquote: Nur in 64 Fällen lagen laut der Schlichtungsstelle „begründete Ansprüche“ vor, das entspricht einer Anerkennungsquote von knapp 25 Prozent. 2013 hat diese Quote noch bei 31 Prozent gelegen. Warum die Schlichter immer seltener den klagenden Patienten Recht geben, darüber kann nur spekuliert werden.

In Krankenhäusern lauern die meisten Fehler

Was man weiß ist, dass Krankenhäuser sehr viel häufiger mit Behandlungsfehlervorwürfen konfrontiert werden als ihre niedergelassenen Kollegen.. Das Ergebnis der Auswertung zeigt, dass die Fälle mit 74,6 Prozent aus dem Klinikbereich (ambulant/stationär, Belegärzte, Rehabilitations-einrichtungen) stammen, während der niedergelassene Bereich (auch Medizinische Versorgungszentren) mit 25,4 Prozent beteiligt war.

Die häufigsten Diagnosen, die 2017 in Berlin zur Anrufung der Schlichtungsstelle führten, waren Arthrosen, Zehen-/ Fingerdeformitäten, Frakturen (Oberschenkel, Schulter sowie Ober- und Unterarm) lumbale Bandscheibenschäden, Schleimbeutelentzündung, Brustkrebs sowie Varizen der unteren Extremitäten.

 

Chirurgen und Orthopäden sind Spitzenreiter

Im stationären Bereich führen Chirurgen, Unfallchirurgen und Orthopäden die Fehlerstatistik an. 44 Prozent aller Behandlungsfehlervorwürfe entfallen auf diese Berufsgruppen, hinzukommen weitere 7 Prozent aus der Neurochirurgie. Dementsprechend häufig vermuteten Patienten einen ärztlichen Fehler bei Operationen (knapp 25 %), gefolgt von der bildgebenden Diagnostik (16,5 %) und der allgemeinen Diagnostik (Labor-/Zusatzuntersuchungen (10,6 %) sowie Anamnese/Untersuchung 4,7 %), in der Indikationsstellung (9,4 %) sowie in der Pharmakotherapie (8,2 %). Die Innere Medizin war mit 9 Prozent von den Behandlungsfehlervorwürfe betroffen, die Frauenheilkunde mit 7,6 Prozent und die Urologie mit 3,1 Prozent.

Die Unfallchirurgie und Orthopädie war mit knapp 29 Prozent auch im niedergelassenen Bereich die größte Gruppe, die sich wegen eines vermuteten Behandlungsfehlers verantworten musste. Frauenärzte folgten mit 10,5 Prozent, Hausärzte mit 7,9 Prozent, die Augenärzte und die Radiologie mit jeweils 6,6 Prozent sowie HNO-Ärzte mit 3,9 Prozent.

Fehlerschwerpunkte im niedergelassenen Bereich lagen bei der bildgebenden Diagnostik mit 25 Prozent, der allgemeinen Diagnostik (Labor/Zusatzuntersuchungen 17,9 %, Anamnese/ Untersuchung 7,1 %), der Pharmakotherapie (14,3 %) und bei der Durchführung der operativen Therapie (10,7 %) sowie in der Indikationsstellung (7,1 %).

90 Prozent der Patienten erkennen den Schlichterspruch an

Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten können sich kostenlos an die Schlichtungsstelle der Berliner Ärztekammer wenden. Alternativ auch an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen.

In der norddeutschen Schlichtungsstelle prüft eine Kommission, die mindestens aus einem ärztlichen und einem juristischen Mitglied besteht, den medizinischen Sachverhalt der beanstandeten Behandlung auf Grundlage beigezogener Krankenunterlagen. Grundsätzlich ist die Einholung eines externen Sachverständigengutachtens vorgesehen. Abgeschlossen wird das Verfahren mit einer Entscheidung, die sowohl das Ergebnis der medizinischen Begutachtung als auch das der juristischen Prüfung einbezieht. Dem Patienten steht danach noch der Rechtsweg offen, allerdings wird das Ergebnis des Schlichtungsverfahrens in rund 90 Prozent der Fälle von den Beteiligten anerkannt.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Behandlungsfehler , Qualität
 

Weitere Nachrichten zum Thema Behandlungsfehler

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin