. Berliner Altenpflege sucht Nachwuchs

Berlin startet Kampagne zur Altenpflege „Gepflegt in die Zukunft“

Berlin braucht mehr Pflegekräfte. Das weiß auch der Gesundheitssenat und hat deswegen jetzt eine Kampagne für den Altenpflegeberuf gestartet. Will die Kampagne langfristig Erfolg haben, braucht es jedoch auch eine Veränderung der Arbeitsbedingungen.
Wie werden mehr Pflegekräfte gewonnen?

Immer dringender wird der Bedarf an Pflegepersonal

„Gepflegt in die Zukunft“ ist der Titel der Kampagne, die jetzt von Mario Czaja, Berliner Senator für Gesundheit und Soziales, gestartet wurde. Die Kampagne will für das Thema Altern sensibilisieren, den Pflegeberuf aufwerten und mehr Menschen für die Altenpflege begeistern. Die Kampagnenmotive sind ab April auf fast 600 Werbeflächen in Berlin zu sehen.

Vier Prominente machen sich auf Plakaten, im Berliner Fenster und auf anderen Werbeflächen für die Kampagne stark. Désirée Nick, Ingo Appelt, Ross Antony und Stefan Kretzschmar ließen sich dafür „auf alt schminken“ und in einem typischen Pflegeumfeld filmen und fotografieren. Mit im Gepäck ist dabei auch ein Alterungstool, mit dem die eigene digitale Alterung auf etwa 80 Jahre möglich ist.

Mehr Wertschätzung und Nachwuchs gewinnen sind die beiden Hauptziele der Kampagne

Czaja ist überzeugt: „Altenpflege ist ein Beruf, der gesellschaftlich immer wichtiger wird. Mit der Kampagne bringen wir den Altenpflegeberuf ins Gespräch. Gleichzeitig wollen wir Auszubildende und Umschüler motivieren, den Beruf zu ergreifen“.

„Mehr Wertschätzung und Nachwuchs gewinnen“ sind die beiden Hauptziele der Kampagne macht der Gesundheitssenator auf der Pressekonferenz zum Kampagnenstart weiter deutlich. Gewonnen werden sollen in diesem Jahr mindestens 80 zusätzliche Auszubildende, zu den derzeit 800 sich im ersten Ausbildungsjahr befindlichen Schülerinnen und Schüler in Berlin. Angestrebt wird eine jährliche Steigerung von 10 Prozent. Daran will sich Czaja als „Lobbyist für eine bessere Pflege“ messen lassen. Er weiß jedoch auch, „nur mit bunten Bildern“ wird dies nicht erreichbar sein. So sollen auf der Kampagnenseite auch „kritische Themen“ angesprochen werden.

In der Pflicht für bessere Arbeitsbedingungen sieht der Senator dabei auch die Leistungsanbieter. So würden die Mitarbeiter vorzugsweise bei den Unternehmen arbeiten, die „gut organisiert“ seien und auf die sie sich verlassen können. Czaja: „Die Verbindlichkeit von Dienstplänen können wir nicht politisch verordnen. Hierfür sind die Unternehmen verantwortlich“.

Die Kampagne muss von einer kontinuierlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen begleitet werden

Unterstützung bekommt die Kampagne von Martin Matz, Vorstand des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. und Vorsitzender der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege Berlin. Matz will die durch die Kampagne erzeugte Aufmerksamkeit auch dafür nutzen, kritische Themen anzusprechen. Zu diesen zählt er u. a. das Image des Berufes, welches „nicht so gut ist, wie wir uns das wünschen“. Weiter will er eine bessere Refinanzierung der Leistungen der Einrichtungen und mahnt an, dass an fast allen Altenpflegeschulen in Berlin nach wie vor Schulgeld zu zahlen ist.

Ähnlich sieht dies auch Christian Potthoff, Vorstandsvorsitzender der Landesgruppe Berlin des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa). Er sagt: „Die Kampagne muss von einer kontinuierlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen begleitet werden; sonst wird sie wie andere Vorgängermodelle verpuffen“.

Altenpflege: Schritte zur Verbesserung, statt Kampagne

Massive Kritik kommt dagegen von Jasenka Villbrandt, der sozialpolitischen Sprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin. Aus ihrer Sicht „braucht die Altenpflegeausbildung in Berlin nicht die vom Senat geplante Image-Kampagne, sondern konkrete Schritte zur Verbesserung der Ausbildung und zur Bekämpfung des Fachkräftemangels“. Der Senat vergeude mit der Kampagne wichtige Zeit – das sei unverantwortlich, mahnt Villbrandt.

Foto: © DOC RABE Media - Fotolia.com

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