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Berlin, London, Düsseldorf: Möglicherweise dritter Patient von HIV geheilt

Nach dem Berliner und dem Londoner Patienten wurde in Düsseldorf nun möglicherweise ein dritter Patient von HIV geheilt. Der Mann erhielt wie die anderen beiden eine spezielle Stammzelltransplantation. Seit dreieinhalb Monaten nimmt er keine HIV-Medikamente mehr.
HIV Heilung, Düssseldorfer Patient

In Düsseldorf ist soeben vermutlich der dritte Mensch von HIV geheilt worden: Die drei Erfolgsgeschichten werden jedoch Ausnahmefälle bleiben

Timothy Ray Brown war der erste Mensch, der von HIV geheilt werden konnte. Als „Berliner Patient“ ging der Amerikaner in die Medizingeschichte ein. Das ist nun zwölf Jahre her und Timothy Ray Brown ist offenbar immer noch gesund.

Im März 2019 gibt es nun zwei weitere spektakuläre Fälle. In London ist ein HIV-infizierter Mann nach einer Stammzelltransplantation im Rahmen seiner Krebs-Behandlung frei von HIV. Der Londoner Patient nimmt seit mehr als eineinhalb Jahren keine HIV-Medikamente mehr und gilt damit als geheilt. Normalerweise kehrt der Aids-Erreger wenige Wochen nach Absetzen der Medikamente zurück. Über den Fall hatte die HIV-Forschungsinitiative ICiStem berichtet.

Düsseldorfer Patient hatte eine akute Leukämie.

In Düsseldorf wurde jetzt ein weiterer Mann möglicherweise ebenfalls von HIV durch eine Stammzelltransplantation geheilt. Der „Düsseldorfer Patient“ nimmt seit dreieinhalb Monaten keine antiviralen Medikamente mehr. Das sei zu kurz, um schon von einer Heilung sprechen zu können, betonen die behandelnden Ärzte um Dr. Björn Jensen vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Allerdings liege bis heute trotz hochsensitiver Nachweisverfahren keine Evidenz für ein Vorhandensein des HI-Virus seit Aussetzen der antiviralen Medikation vor. Im Unterschied zum Londoner Patienten wurde der Düsseldorfer Patienten nach der Stammzelletransplantation länger mit einer antiviralen Therapie behandelt als der Patient in England. Die Uniklinik Düsseldorf erklärt, es habe nach der Transplantation zunächst ein Rückfall der Leukämie behandelt werden müssen.

 

Bestimmte Stammzellen immun gegen HIV

Alle drei HIV-Patienten wurden wegen Blutkrebs bzw. im Londoner Fall wegen Lymphdrüsenkrebs mit einer Stammzelltransplantation behandelt. Dabei wird das patienteneigene Immunsystem gegen ein neues ausgetauscht. Das Besondere an diesen drei Stammzelltransplantationen ist: Die Stammzellen des Spenders haben in ihrem Erbgut eine sehr seltene Mutation, die immun gegen bestimmte Formen des HI-Virus macht. Dabei handelt es sich um eine Mutation am sogenannten CCR5-Rezeptor, die es dem Virus nicht erlaubt, an Zellen anzudocken.

Ob der Düsseldorfer Patient langfristig davon profitiert, wird sich zeigen. Ein kontinuierliches Monitoring des Patienten werde weiterhin stattfinden und über einen längeren Zeitraum notwendig sein, „um von einer Heilung sicher sprechen zu können“, so Prof. Dieter Häussinger, vom Universitätsklinikum Düsseldorf.

Die Uniklinik weist darauf hin, dass Stammzelltransplantationen nur in Einzelfällen bei HIV-Patienten eingesetzt werde könne. „Es sind dafür spezifische Voraussetzungen beim Empfänger sowie bei der genetischen Ausrüstung des Spenders nötig.“

Eine Stammzelltransplantation ist riskant

Außerdem ist der Eingriff riskant. Die Transplantation fremder Stammzellen aus dem Blut oder Knochenmark eines Spenders kann Abstoßungsreaktionen hervorrufen. Ebenso risikoreich ist, dass das Immunsystem des Patienten zuvor vollkommen zerstört werden muss, damit sich mit Hilfe der Stammzellspende ein neues aufbauen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass jene Medikamente, die die gefürchteten Abwehrreaktionen unterdrücken sollen, das Immunsystem zusätzlich schwächen. Der FDP-Politiker Guido Westerwelle war 2016 aufgrund von Abstoßungsreaktionen gegen die fremden Stammzellen gestorben. Er wurde an der Uniklinik Köln wegen einer akuten myeloischen Leukämie AML behandelt.

Im Rahmen des ICIStem-Programms werden weltweit derzeit 39 Patienten mit HIV nach einer Stammzelltransplantation beobachtet. Bisher sind einige HIV-Patienten bekannt, bei denen nach einer Stammzelltransplantation HIV mehrere Monate nicht nachweisbar war, obwohl ihr Spender die spezielle Gen-Mutation gar nicht trug. In diesen Fällen kam das HI-Virus später aber wieder zurück.

Therapieoption für Ausnahmefälle

Die Deutsche Aids-Hilfe warnt derweil vor falschen Hoffnungen. „Auch wenn es nun schon drei Erfolgsgeschichten sind: Eine Stammzellentransplantation bleibt eine Methode für Ausnahmefälle“, schreibt die Organisation auf ihrer Homepage. Die modernen HIV-Medikamente seien dagegen für alle Menschen mit HIV geeignet. Sie entfernten die Viren zwar nicht aus dem Körper, unterdrückten aber dauerhaft die deren Vermehrung. „Bei frühem Behandlungsbeginn bieten sie gute Chancen auf ein normal langes Leben ohne größere körperliche Beschwerden und verhindern auch die Übertragung von HIV.“

Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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