Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Bei Sommergrippe sind Antibiotika in der Regel nutzlos

Bei viralen Erkältungskrankheiten wie der Sommergrippe sind Antibiotika ohne medizinische Wirkung. Dennoch werden sie nach wie vor munter verschrieben. Das geht aus dem heute vorgestellten Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.
Bei Sommergrippe sind Antibiotika in der Regel nutzlos

Sommergrippe: Einige Erkältungen müssen einfach durchgestanden werden. Die Grafik zeigt die Antibiotika-Verordnungen aus dem gesamten Jahr 2014 im Bezug zur Krankschreibung

Heiße Temperaturen schützen nicht vor Erkältungskrankheiten wie Sommergrippe. Denn Viren machen auch im Sommer nicht Halt und verursachen Symptome, die die meisten nur mit dem Winter in Verbindung bringen: Schnupfen, Halsschmerzen, Bronchitis und gelegentlich auch Fieber. Der Volksmund spricht deshalb von Sommergrippe. Obwohl es sich dabei in den meisten Fällen um einen viralen Infekt handelt, werden Antibiotika nach wie vor in großen Mengen verschrieben. Dabei helfen Antibiotika nur bei Erkältungen mit bakterieller Ursache; bei einer Sommergrippe ohne bakterielle Superinfektion sind sie hingegen wirkungslos.

Schonung ist das beste Mittel gegen Sommergrippe

"Einige Erkältungen müssen einfach durchgestanden werden", erklärte Tim Steimle, Leiter des Fachbereiches Arzneimittel der Techniker Krankenkasse (TK) bei der Vorstellung des neuen TK-Gesundheitsreports am Mittwoch in Berlin. Der Report zeigt, dass jeder vierte TK-Versicherte bereits bei kurzen Krankschreibungen bis zu drei Tagen ein Antibiotikum verordnet bekommen hat. Bei Krankschreibungen von einer Woche bekommt sogar schon jeder dritte ein Antibiotika-Rezept in die Hand gedrückt.

Die Kasse spricht von besorgniserregenden Zahlen. Denn die sorglose Verordnung hat Folgen: Der breite Einsatz von Antibiotika ist der Hauptgrund für die Zunahme multiresistenter Keime. Zudem werden Patienten unnötigerweise dem Risiko von Nebenwirkungen ausgesetzt. „Die hohe Zahl der Verordnungen bei kurzer Krankheitsdauer lässt darauf schließen, dass Antibiotika häufig "auf Verdacht" verschrieben werden, obwohl eine bakteriell bedingte Erkältung nicht nachgewiesen ist“, betonte Steimle. Vor allem bei erkälteten Kindern sei der Druck in der Arztpraxis groß, dass ein Medikament verschrieben werden solle. "Hier fordern wir mehr Verständnis von allen Parteien.“

 

Nordrhein-Westfalen bei den Antibiotika-Verordnungen Spitzenreiter

Laut Gesundheitsreport der TK gibt es im bundesweiten Verordnungsverhalten große regionale Unterschiede. Im Saarland und in Nordrhein-Westfalen sind die Verordnungsraten besonders hoch: In diesen beiden Bundesländern werden 5,8 Tagesdosen pro Kopf verschrieben, in Sachsen dagegen nur 3,7 Tagesdosen. „Diese Unterschiede sind epidemiologisch nicht zu erklären“, meinte Steimle. Hier sollten Maßnahmen ergriffen werden, die den gezielten Einsatz von Antibiotika stärkten.

Gleichzeitig kritisierte er die Pharmaindustrie. "Es kommen viele Medikamente vor allem für spezielle Erkrankungen mit hohen Arzneimittelpreisen auf den Markt - meist mit geringem Zusatznutzen. Obwohl es hier enormen Bedarf gibt, haben wir neue Antibiotika schon lange nicht mehr gesehen.“

Für den TK-Gesundheitsreport wurden die Arzneimittelverordnungen von 4,36 Millionen TK-versicherten zwischen 15 und 64 Jahren aus dem Jahr 2014 analysiert.

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Grippe , Erkältung , Antibiotika , Multiresistente Erreger
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotika

Sommergrippe: Das klingt so surreal wie Sonnenbrand an Weihnachten. Dennoch: Im Hochsommer muss der Körper mit ähnlich großen Temperaturunterschieden fertig werden wie im Winter – nur unter anderen Bedingungen. Wüstenhitze draußen, Klimaanlagenfrische drinnen: Auf was man achten muss, damit man nicht mit einem Infekt im Bett landet, während andere im Freibad liegen.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Zahnpflege ist wichtig. Auf lange Sicht natürlich zum Schutz vor Zahnausfall; aber auch, weil Entzündungen im Mund Krankheiten im gesamten Körper begünstigen können. Manche Lebensmittel aber schwächen beim Essen vorübergehend die Widerstandskraft des Zahnschmelzes. Deshalb gilt hier: Eine halbe Stunde warten. Oder die Zähne VOR dem Essen putzen – beim Frühstück vor allem.


Long-Covid stellt Ärzte vor ein Rätsel. Wegen der enormen Krankheitslast –- etwa jeder zehnte Covid-Patient ist betroffen – wird immerhin intensiv daran geforscht. Was Ärzte inzwischen über das komplexe Krankheitsbild wissen, hat Gesundheitsstadt Berlin Experten gefragt. Eine Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin