. Behandlungsfehler Statistik der Ärztekammer-Kommissionen

Bei Knie-Operationen und Hüft-OPs passieren die meisten Kunstfehler

Die meisten Behandlungsfehler im Krankenhaus passieren bei der Behandlung von Patienten mit Kniegelenksarthrose, Hüftarthrose oder Unterschenkel- und Sprungknöchelbrüchen. Das geht aus der Behandlungsfehler-Statistik der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern hervor.
Schlichtungsstellen entscheiden über 7800 vermutete Behandlungsfehler

Etwa jeder vierte Verdacht auf Behandlungsfehler wurde bestätigt.

Insgesamt 7.639 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern  haben die Kommissionen und Schlichtungsstellen im vergangenen Jahr getroffen. Das waren mehr als 2015 (7.215). Doch die Zahl der Prüfanträge ging weiter zurück. Sie sank seit 2012 kontinuierlich von 12.232 auf 11.559. Damit übersteigt sie die Zahl der Prüfungen noch immer deutlich.

In 2.245 Fällen bestätigten die Gutachter der Ärztekammern einen Behandlungsfehler (Vorjahr: 2.132). In 1.845 von diesen Fällen sahen die Kammergremien den Behandlungsfehler oder Risikoaufklärungsmangel auch als Ursache für einen Gesundheitsschaden an, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. 400 Mal stellten sie zwar einen Behandlungsfehler fest, aber keinen dadurch verursachten Gesundheitsschaden.

„Die Daten der Ärztekammern sind absolut valide, weil sie auf realen Fällen beruhen“, so Kerstin Kols, Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, bei der Präsentation der Behandlungsfehlerstatistik am Donnerstag in Berlin.

Rund 500 Behandlungsfehlervorwürfe in Berlin

In der Hauptstadt selbst ist die Zahl der Behandlungsfehlervorwürfe nach Angaben der Ärztekammer Berlin auf dem Vorjahresniveau geblieben. 503 neue Vorwürfe erhoben Patienten gegen Ärzte in Berlin (Vorjahr: 498). Geprüft wurden 264 Fälle aus Berlin. Dabei wurden 67 Behandlungsfehler anerkannt. 471 Fälle aus dem Bereich der Ärztekammer Berlin konnten nach Kammerangaben 2016 von der Schlichtungsstelle nicht abschließend bearbeitet werden. Sie werden mit in dieses Jahr übernommen.

Der Berliner Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz zeigte sich erfreut, dass das außergerichtliche Schlichtungsverfahren so gut angenommen werde und hohe Akzeptanz finde. „Das sieht man auch daran, dass die Anerkennung eines Behandlungsfehlers durch die Gutachter von den Beteiligten zu rund 90 Prozent akzeptiert wird“, so Jonitz.

In Brandenburg wurden 250 ärztliche Kunstfehler vermutet

In Brandenburg wurden 2016 noch 251 Prüfanträge gestellt (2015: 270). 160 Verfahren wurden mit einer Entscheidung über die reklamierten Schadenersatzansprüche abgeschlossen. In 26,9 % der geprüften Fälle wurde ein Behandlungsfehler als Ursache eines Gesundheitsschadens anerkannt. In 7,5 Prozent der Fälle aus Brandenburg sahen die Gutachter zwar einen Behandlungsfehler aber keinen Zusammenhang mit einem Gesundheitsschaden des Patienten.

Foto: Crazy Cloud – fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Behandlungsfehler , Qualität , Knie , Hüftgelenk , Unfallchirurgie , Orthopädie

Weitere Nachrichten zum Thema Behandlungsfehler

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Die Zika-Epidemie ist abgeflaut. In Süd- und Mittelamerika, die hauptsächlich betroffen waren, sind die Infektionsraten drastisch zurückgegangen. Experten rechnen mit einem baldigen Ende des Ausbruchs.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Adlershof con.vent. - Veranstaltungszentrum, Rudower Chaussee 17, 12489 - Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.