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16.11.2020

Bei Eierstockkrebs genetisches Brustkrebs-Risiko untersuchen

Fast jede vierte Frau, die an Eierstockkrebs erkrankt ist, weist Mutationen in den Brustkrebs-Genen BRCA1/2 auf. Daher sollte bei allen Patientinnen das genetische Brustkrebs-Risiko untersucht werden.
Brustkrebs, Mammographie

Bei Eierstockkrebs sollte überpürft werden, ob es ein genetisches Risiko für Brustkrebs gibt

Fast jede vierte Frau, die an Eierstockkrebs erkrankt ist, weist Mutationen in den Brustkrebs-Genen BRCA1/2 auf. Daher sollte bei allen Patientinnen das  genetische Brustkrebs-Risiko untersucht werden.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der Fachzeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde erschien und in der Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie der Kliniken Essen-Mitte durchgeführt wurde.

Bei Eierstockkrebs genetisches Brustkrebs-Risiko untersuchen

Unter Dr. Beyhan Ataseven, Koordinatorin des Gynäkologischen Krebszentrums, wurde bei 127 von insgesamt 545 untersuchten Patientinnen (23,3 Prozent) eine BRCA1/2-Mutation nachgewiesen. Dabei lag die Rate an BRCA1/2-Mutationen bei 223 Frauen, die keine eigene oder familiäre Krebsvorbelastung aufwiesen, immer noch bei 10,8 Prozent.

Bei 453 Patientinnen wurden darüber hinaus weitere potenzielle Risikogene untersucht. Hier waren bei 6,2 Prozent  pathogene Mutationen nachweisbar. Dr. Ataseven empfiehlt deshalb eine genetische Beratung und Testung für alle betroffenen Patientinnen. Bei Eierstockkrebs sollte das genetische Brustkrebs-Risiko untersucht werden.

 

Genanalyse auch für Einsatz neuer Krebsmittel nötig

Notwendig wird die Genanalyse auch durch neue Behandlungsmöglichkeiten. Der Nachweis von BRCA1/2-Mutationen, sei es im Tumorgewebe, im Blut oder in der Keimbahn, ist für eine Behandlung mit PARP-Inhibitoren erforderlich.

Diese neuen Krebsmittel können bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen die Zeit bis zu einem Rückfall klinisch relevant verlängern. Gleichzeitig können sie die Wahrscheinlichkeit, in einem bestimmten Zeitraum einen Rückfall zu erleiden, deutlich senken.

Testergebnis spielt auch für Angehörige eine Rolle

Das Testergebnis der Genanalyse ist auch für nahe Angehörige wichtig. Denn im Falle einer erblichen (Keimbahn-)Mutation liegt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Mütter, Schwestern und Töchter diese ebenfalls aufweisen, bei 50 Prozent. Sie haben ein Lebenszeitrisiko von bis zu 70 Prozent, an einem Brustkrebs, und von bis zu 63 Prozent, an einem Eierstockkrebs zu erkranken.

Um die Wahrscheinlichkeit auf ein positives Testergebnis besser abschätzen und eine Gentestung gezielt empfehlen zu können, hat das Deutsche Konsortium für Familiären Brust- und Eierstockkrebs ein Punkte-System enwickelt. Das wurde im August 2020 angepasst. Nun können auch Patientinnen mit Eierstockkrebs, die erstmals an Krebs erkrankt sind und bei denen es noch keine Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie gab, eine Empfehlung für einen Gentest erhalten.

Foto: Adobe Stock/Okrasiuk

Autor: bab
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