. Krebs

Bei Eierstockkrebs genetisches Brustkrebs-Risiko untersuchen

Fast jede vierte Frau, die an Eierstockkrebs erkrankt ist, weist Mutationen in den Brustkrebs-Genen BRCA1/2 auf. Daher sollte bei allen Patientinnen das genetische Brustkrebs-Risiko untersucht werden.
Brustkrebs, Mammographie

Bei Eierstockkrebs sollte überpürft werden, ob es ein genetisches Risiko für Brustkrebs gibt

Fast jede vierte Frau, die an Eierstockkrebs erkrankt ist, weist Mutationen in den Brustkrebs-Genen BRCA1/2 auf. Daher sollte bei allen Patientinnen das  genetische Brustkrebs-Risiko untersucht werden.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der Fachzeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde erschien und in der Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie der Kliniken Essen-Mitte durchgeführt wurde.

Bei Eierstockkrebs genetisches Brustkrebs-Risiko untersuchen

Unter Dr. Beyhan Ataseven, Koordinatorin des Gynäkologischen Krebszentrums, wurde bei 127 von insgesamt 545 untersuchten Patientinnen (23,3 Prozent) eine BRCA1/2-Mutation nachgewiesen. Dabei lag die Rate an BRCA1/2-Mutationen bei 223 Frauen, die keine eigene oder familiäre Krebsvorbelastung aufwiesen, immer noch bei 10,8 Prozent.

Bei 453 Patientinnen wurden darüber hinaus weitere potenzielle Risikogene untersucht. Hier waren bei 6,2 Prozent  pathogene Mutationen nachweisbar. Dr. Ataseven empfiehlt deshalb eine genetische Beratung und Testung für alle betroffenen Patientinnen. Bei Eierstockkrebs sollte das genetische Brustkrebs-Risiko untersucht werden.

 

Genanalyse auch für Einsatz neuer Krebsmittel nötig

Notwendig wird die Genanalyse auch durch neue Behandlungsmöglichkeiten. Der Nachweis von BRCA1/2-Mutationen, sei es im Tumorgewebe, im Blut oder in der Keimbahn, ist für eine Behandlung mit PARP-Inhibitoren erforderlich.

Diese neuen Krebsmittel können bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen die Zeit bis zu einem Rückfall klinisch relevant verlängern. Gleichzeitig können sie die Wahrscheinlichkeit, in einem bestimmten Zeitraum einen Rückfall zu erleiden, deutlich senken.

Testergebnis spielt auch für Angehörige eine Rolle

Das Testergebnis der Genanalyse ist auch für nahe Angehörige wichtig. Denn im Falle einer erblichen (Keimbahn-)Mutation liegt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Mütter, Schwestern und Töchter diese ebenfalls aufweisen, bei 50 Prozent. Sie haben ein Lebenszeitrisiko von bis zu 70 Prozent, an einem Brustkrebs, und von bis zu 63 Prozent, an einem Eierstockkrebs zu erkranken.

Um die Wahrscheinlichkeit auf ein positives Testergebnis besser abschätzen und eine Gentestung gezielt empfehlen zu können, hat das Deutsche Konsortium für Familiären Brust- und Eierstockkrebs ein Punkte-System enwickelt. Das wurde im August 2020 angepasst. Nun können auch Patientinnen mit Eierstockkrebs, die erstmals an Krebs erkrankt sind und bei denen es noch keine Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie gab, eine Empfehlung für einen Gentest erhalten.

Foto: Adobe Stock/Okrasiuk

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Eierstockkrebs , Brustkrebs , Gentest
 

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

| Wenn Patientinnen mit Brustkrebs sich in Kliniken behandeln lassen, die diese komplizierten Operationen regelmäßig durchführen, sind ihre Überlebenschancen höher, Folgeeingriffe sind seltener. Das ergibt sich aus einer Metastudie des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
Psychedelische Substanzen wie LSD oder Ketamin sind illegale Drogen. Doch Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen können die Psychedelika (eng. Psychedelics) mitunter helfen. Der Psychiater Prof. Bernhard Baune vom Universitätsklinikum Münster fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.