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27.04.2021

Bei der Arbeit körperlich aktiv zu sein hält nicht gesund - im Gegenteil

Körperliche Aktivität in der Freizeit ist mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden, körperliche Aktivität am Arbeitsplatz erhöht das Risiko für Herzkreislauf-Vorfälle und Tod. Das zeigt eine Studie.
Bei der Arbeit körperlich aktiv zu sein hält nicht gesund

Körperliche Aktivität in der Freizeit ist mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden, körperliche Aktivität am Arbeitsplatz erhöht das Risiko für Herzkreislauf-Vorfälle und Tod. Das zeigt eine Studie, die im European Heart Journal veröffentlicht wurde.

Frühere Studien Untersuchungen haben gezeigt, dass körperliche Arbeit mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten und Mortalität verbunden ist. Es konnte aber nicht vollständig geklärt werden, ob dies auf die Art der Arbeit zurückzuführen ist - oder weil die Beschäftigten einen ungesunden Lebensstil oder einen niedrigen sozioökonomischen Status hatten, zum Beispiel ein niedriges Bildungsniveau.

Kardiovaskuläre Vorfälle im Zeitraum von zehn Jahren

Die aktuelle Studie umfasste 104.046 Frauen und Männer im Alter von 20 bis 100 Jahren aus der Copenhagen General Population Study mit Basismessungen in den Jahren 2003 bis 2014. Die Teilnehmer füllten Fragebögen über Aktivitäten in Freizeit und Job aus. Jede Aktivität wurde als niedrig, mittel, hoch oder sehr hoch eingestuft.

Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von zehn Jahren gab es 9.846 (9,5 Prozent) Todesfälle aus allen Gründen und 7.913 (7,6 Prozent) schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse, tödlicher und nicht tödlicher Myokardinfarkt, tödlicher und nicht tödlicher Schlaganfall, anderer Koronartod.

 

Hohe Freizeitaktivität, niedriges Sterberisiko

Im Vergleich zu geringer körperlicher Aktivität in der Freizeit war nach dem Herausrechnen von Alter, Geschlecht, Lebensstil, Gesundheit und Bildung eine moderate, hohe und sehr hohe Aktivität in der Freizeit mit einem um 26 Prozent, 41 Prozent und 40 Prozent verringerten Sterberisiko verbunden, heißt es weiter in einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology.

Im Vergleich zu geringer Freizeitaktivität waren moderate, hohe und sehr hohe Freizeitaktivitäten mit einem um 14 Prozent, 23 Prozent und 15 Prozent verringerten Risiko für kardiovaskuläre Vorfälle verbunden.

Bei der Arbeit körperlich aktiv zu sein hält nicht gesund

Im Gegensatz zu geringer körperlicher Aktivität am Arbeitsplatz waren hohe und sehr hohe Aktivitäten mit einem um 13 Prozent und 27 Prozent erhöhten Sterberisiko verbunden. Im Vergleich zu geringer Aktivität im Job waren hohe und sehr hohe Werte mit einem um 15 Prozent und 35 Prozent erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Vorfälle verbunden. Heißt: Bei der Arbeit körperlich aktiv zu sein hält nicht gesund - im Gegenteil.

Nach harter Arbeit entspannen ist riskant

Studienautor Prof. Andreas Holtermann vom National Research Centre for the Working Environment in Kopenhagen: "Viele Menschen mit manuellen Jobs glauben, dass sie durch ihre körperliche Aktivität bei der Arbeit fit und gesund bleiben und sich daher entspannen können, wenn sie nach Hause kommen. Leider legen unsere Ergebnisse nahe, dass dies nicht der Fall ist."

Dazu kommt: Die Menschen fühlten sich nach 10.000 Schritten bei Reinigungstätigkeiten oder sieben Stunden Stehen in einer Produktionslinie müde, was eine zusätzliche Barriere für einen körperlichen Ausgleich in der Freizeit darstellt.

Was Arbeit und Freizeit-Aktivität unterscheidet

"Ein flotter 30-minütiger Spaziergang wird Ihrer Gesundheit zugute kommen, indem Sie Ihre Herzfrequenz erhöhen und Ihre kardiorespiratorische Fitness verbessern", so Holtermann. Im Vergleich dazu erhöhe körperliche Aktivität bei der Arbeit die Herzfrequenz meist nicht ausreichend, um die Fitness zu verbessern.

"Darüber hinaus erhöht eine Arbeit, bei der mehrere Stunden am Tag gehoben wird, den Blutdruck für viele Stunden, was mit dem Risiko von Herzerkrankungen verbunden ist, während kurzzeitig intensive körperliche Aktivität in der Freizeit den Blutdruck nur kurzzeitig erhöht", ergänzt der Wissenschaftler.

Berufliche Aktivität gesünder machen

Holtermanns Vision ist es, berufliche Tätigkeiten so neu zu organisieren, dass sie die vorteilhaften Aspekte der Freizeitbeschäftigung nachahmten Es werden verschiedene Ansätze erprobt, zum Beispiel das Wechseln zwischen Arbeitsstationen auf einer Produktionslinie, damit die Mitarbeiter während einer Schicht eine gesunde Mischung aus Sitzen, Stehen und Heben erzielen.

In einer anderen Studie spielen Erzieher zusammen mit Kindern, anstatt sie nur zu beobachten, damit beide ihre Herzfrequenz erhöhen und ihre Fitness steigern. "Gesellschaften brauchen Erwachsene mit ausreichender Gesundheit und Fitness, die länger arbeiten können, denn das Rentenalter steigt. Wir müssen Wege finden, um aktive Arbeit gut für die Gesundheit zu machen."

Foto: Adobe Stock/photographee.eu

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