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04.04.2016

Bei Colitis Ulcerosa kann Austausch der Darmflora helfen

Ein Austausch der Darmflora kann Patienten helfen, die an Colitis Ulcerosa leiden. Er bringt eine Pouchitis zum Verschwinden. Das fanden Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena heraus.
Chronisch entzündete Darmwand

Bei einer Colitis Ulcerosa ist der Dickdarm chronisch entzündet

Die Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung des Dickdarms. Die Erkrankung kann zu Durchfall, Darmblutungen und zwanghaften Stuhlgängen führen und die Patienten im Alltag erheblich einschränken.

Gelingt die Behandlung mit Medikamenten nicht, muss der Dickdarm entfernt werden. Um eine normale Stuhlentleerung zu ermöglichen, wird dann aus dem Dünndarm ein künstlicher Enddarm konstruiert, ein „Pouch“ (englisch: Beutel).

Colitis Ulcerosa: Nach Austausch der Darmflora verschwand Pouchitis

„Auch in der Pouch kommt es immer wieder zu Entzündungen. Diese kann man mit Hilfe von Antibiotika gut bekämpfen. Schwierig wird es, wenn die Antibiotika nicht mehr wirken“, sagt Prof. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena. Außerdem ist die Rückfallgefahr bei solch einer Entzündung sehr hoch.

Stallmach und seine Kollegen suchten deshalb nach einer alternativen Behandlung für die Patienten, bei denen Antibiotika nicht anschlugen. „Wir hatten die Hoffnung, dass man mit einer Veränderung der Zusammensetzung der Bakterien im Darm der Patienten eine Besserung erzielen kann“, sagt Stallmach.

Dieser Transfer des Mikrobioms – der Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm – wird bei Clostridium-difficile-Infektionen bereits erfolgreich durchgeführt. Als Colitis-Therapie ist er noch Gegenstand der Forschung. Bei Stallmachs Pouchitis-Patienten zeigten sich Erfolge: Bei drei der fünf behandelten Patienten verschwand die Entzündung komplett, bei einem weiteren stellte sich eine Verbesserung ein. Bei einer Patientin zeigte sich keine Besserung.

 

Colitis Ulcerosa: Fremde Darmflora siedelte sich wirklich an

Um zu sehen, ob der Mikrobiomtransfer wirklich der Schlüssel für den Erfolg war, muss man das Mikrobiom analysieren. Dazu arbeitete Stallmach mit der Arbeitsgruppe Molekulare Interaktionen und Prozesse am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) zusammen.

Die fand heraus: Bei zwei der drei  analysierten Patienten siedelten sich die Bakterien des Spenders im Patienten an. „Da bei der dritten Patientin keine Ansiedlung der Bakterien nachweisbar war und keine Besserung im Krankheitsverlauf eintrat, kann man davon ausgehen, dass der Mikrobiomtransfer, wenn er funktioniert, erfolgsversprechend ist“, sagt Stallmach. „Natürlich ist das eine sehr kleine Stichprobe, aber wir können auf diesen Ergebnissen gut aufbauen.“ Die entsprechende Studie erschien im American Journal of Gastroenterology.

Colitis Ulcerosa: Hoffnung auf neue Medikamente

Allerdings besteht die Darmflora bei jedem Menschen aus anderen Bakterien. In den nächsten Schritten gilt es nun herauszufinden, welche Bakterien genau sich bei einem positiven Verlauf ansiedeln und welche für einen positiven Verlauf der Erkrankung wichtig sind. „Mit dieser Erkenntnis könnte man langfristig Tabletten entwickelt werden, die genau die Mikroorganismen enthalten, die dem Erkrankten fehlen“, sagt Prof. Dietmar Pieper, Leiter der HZI-Arbeitsgruppe.

Foto: Sebastian Kaulitzki

Autor: red
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