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Bei Camping- oder Outdoor-Urlaub an Zeckenschutz denken

Dienstag, 21. Juni 2022 – Autor:
Wer einen Camping- oder Outdoorurlaub plant, sollte sich vor Zeckenstichen schützen. Für Aufenthalte in Risikogebieten wird eine Impfung gegen FSME empfohlen.
Repellents zum Aufsprühen vertreiben Insekten wie Mücken und Zecken

– Foto: Adobe Stock/encierro

Wer einen Camping- oder Outdoorurlaub plant, sollte sich vor Zeckenstichen zu schützen. Für Aufenthalte in Risikogebieten wird eine Impfung gegen FSME empfohlen. Das rät das CRM - Zentrum für Reisemedizin.

Für die EU-Länder, Island, Norwegen und Lichtenstein hatte das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) im letzten jährlichen Report über 3.246 bestätigte Fälle der von Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) berichtet. Diese traten in den Monaten Mai bis November auf, mit einer Häufung im Juli (720 Fälle).

In Deutschland FSME-Risikogebiete auch in Brandenburg

Zu den europäischen Ländern mit dem höchsten FSME-Übertragungsrisiko zählen laut ECDC Litauen, Tschechien und Deutschland. Hierzulande sind insbesondere Bayern und Baden-Württemberg, Südhessen, Thüringen und Sachsen betroffen, hinzu kommen weitere Risikogebiete beispielsweise in Brandenburg. Insgesamt gelten 175 Kreise als FSME-Risikogebiete.

"Die ersten Anzeichen der Frühsommer-Meningoenzephalitis zeigen sich zwei bis drei Wochen nach einem Zeckenstich in Form grippeähnlicher Symptome", erklärt Prof. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM, in einer Pressemitteilung. Bei schweren Verläufen greift das FSME-Virus in einer zweiten Phase der Erkrankung Gehirn, Hirnhäute und Rückenmark an. Insbesondere bei Erwachsenen besteht die Gefahr von bleibenden neurologischen Schäden.

 

Weltweit jeder 7. Mensch schon mal mit Borrelien infiziert

Für die ebenfalls durch Zecken übertragene Lyme-Borreliose liegen nur Schätzungen der Fallzahlen vor, da es keine einheitliche Meldepflicht gibt. Eine aktuelle Studie die in der Zeitschrift BMJ Global Health veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass sich weltweit jeder siebte Mensch schon einmal damit infiziert habe. In Bayern ist die Lyme-Borreliose seit 2013 meldepflichtig: Das Nationale Referenzzentrum für Borrelien in Bayern schätzt, dass in Deutschland jedes Jahr zwischen 60.000 und 100.000 Menschen neu daran erkranken.

Zudem ist die Lyme-Borreliose nicht einfach zu diagnostizieren, da sie sehr unterschiedliche Symptome verursachen kann. In sehr seltenen Fällen entwickelt sie sich zu einem chronischen Leiden, welches das Nervensystem, die Gelenke und das Herz schädigt. Eine wirksame Impfung gegen Borreliose gibt es bisher nicht.

Für Schnell-Schutz gegen FSME reichen zwei Impfungen

Für einen verlässlichen und langandauernden FSME-Schutz sind drei Impfstoffdosen notwendig, die im Abstand von mindestens 14 Tagen (erste und zweite Dosis) beziehungsweise fünf bis zwölf Monaten (zweite und dritte Dosis) verabreicht werden. Für einen bevorstehenden Urlaub kann man auch auf einen Schnellschutz zurückgreifen: Dann werden zwei Dosen im Abstand von 14 Tagen verabreicht. Die Impfung sollte, je nach Lebensalter, alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden.

Bei Camping- oder Outdoor-Urlaub an Zeckenschutz denken

Besonders bei Camping- oder Outdoor-Urlaub sollte man an Zeckenschutz beziehungsweise Schutz vor Zeckenstichen denken: Bei Ausflügen ins Grüne sollten lange Hosen und geschlossene Schuhen getragen werden. Auch Repellents zum Einreiben und Aufsprühen auf die Haut sind sinnvoll.

Am wichtigsten ist die Kontrolle nach einem Aufenthalt im Freien. "Dabei sollten vor allem die von Zecken bevorzugten Körperregionen wie Kniekehlen, Achseln, Schambereich, Bauchnabel, Bauchfalten und den Bereich hinter den Ohren gründlich abgesucht werden", so Jelinek. Denn je schneller die Zecke entdeckt und entfernt werden kann, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Borreliose.

Bei kreisförmiger Rötung Arzt aufsuchen

Der Körper des Tieres sollte beim Herausziehen nicht gequetscht werden, sonst besteht die Gefahr, dass erregerhaltiges Sekret aus dem Zeckenleib in die Stichstelle gedrückt wird. Nach dem Entfernen sollte die Einstichstelle desinfiziert werden. Danach gilt es diese gut zu beobachten: Bildet sich dort eine kreisförmige Rötung, oder treten grippeartige Symptome auf, ist ein Arztbesuch erforderlich.
 
 

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