. Hirntumor

Behandlung von Astrozytom Grad III auf dem Prüfstand

Patienten mit einem Astrozytom Grad III werden üblicherweise mit Chemotherapie oder Strahlentherapie behandelt. Doch möglicherweise könnten Patienten mit einem negativen IDH-Status von einer kombinierten Radiochemotherapie profitieren. Hirntumorforscher gehen diesen Hinweisen nun nach.
40 Prozent der Grad III Astrozytome haben keine IDH1 oder IDH 2 Mutation. In diesen Fällen könnte eine Radiochemotherapie das Überleben verbessern

40 Prozent der Grad III Astrozytome haben keine IDH1 oder IDH 2 Mutation. In diesen Fällen könnte eine Radiochemotherapie das Überleben verbessern

Das Astrozytom Grad III ist ein Hirntumor mit begrenzter Lebenserwartung. Fünf Jahre nach Diagnose sind nur noch wenige Patienten am Leben. Laut Leitlinie werden die Betroffenen zunächst operiert und erhalten anschließend eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung. Nur in Ausnahmefällen greifen Ärzte auf eine kombinierte Radiochemotherapie zurück. Eine Studie des deutschen Gliomnetzwerks aus dem Jahr 2008 liefert allerdings Hinweise, dass eine bestimmte Patientengruppe von einer Radiochemotherapie profitieren könnte. Damals hatten die Hirntumorforscher die Krebsmarker IDH1 und IDH 2 entdeckt. Glioblastompatienten, bei denen eine Mutation an einem der beiden IDH-Gene nachgewiesen wurde, lebten mehrere Monate länger als Patienten ohne diese Mutation. Sie lebten sogar länger als Patienten mit einem Astrozytom Grad III, bei denen IDH1 und IDH 2 ebenfalls nicht mutiert waren. Das war verblüffend, denn normalerweise führt das Grad IV Glioblastom wesentlich schneller zum Tod.

IDH1 oder IDH2 Mutation ist ein prognostisch günstiger Marker

In der Vergleichsstudie hatten Patienten mit Glioblastom jedoch die aggressivere Radiochemotherapie erhalten, während Patienten mit Astrozytom meist nur mit Chemotherapie oder einer Strahlentherapie behandelt wurden. Die Daten lassen also keine exakten Rückschlüsse zu, welche Relevanz der IDH-Status bei drittgradigen Astrozytomen hat. Aber sie sprechen dafür, dass Patienten ohne IDH Mutation von einer Radiochemotherapie profitieren könnten wie sie bei viertgradigen Glioblastomen Standard ist. „Gut möglich, dass sich der Überlebensvorteil allein durch allein die aggressivere Therapie des Glioblastoms erklären lässt“, sagt Prof. Christian Hartmann, Neuropathologe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Wenn das so sei, müsse man eine Radiochemotherapie auch bei IDH-negativen Astrozytomen in Betracht ziehen. Immerhin sind bei bis zu 40 Prozent der Patienten die Gene IDH1 oder IDH 2 nicht mutiert.

 

Radiochemotherapie künftig auch bei Astrozytom?

In einer Studie will das Team um Hartmann nun herausfinden, was es tatsächlich mit dem Hinweis auf sich hat. Dafür liegt den Hirntumorforschern ein Datenpool von mehr als 160 identisch behandelten Patienten vor. Das heißt, alle der nun untersuchten Patienten hatten eine Radiochemotherapie bekommen, gleich ob sie an einem Astrozytom oder Glioblastom erkrankt waren. Ein Abgleich des IDH-Status mit der Überlebenszeit soll in den kommenden Monaten Gewissheit bringen. „Anhand dieser einzigartigen Serie an identisch behandelten Patienten dürfte es nun möglich sein, wesentliche zusätzliche Informationen zur prognostischen Wertigkeit von IDH1 und IDH2 Mutationen zu gewinnen“, sagt Neuropathologe Prof. Christian Hartmann, der auch an der Studie des deutschen Gliomnetzwerks beteiligt war.

„Wenn die Ergebnisse zeigen, dass Astrozytome ohne eine IDH1 oder IDH2 Mutation tatsächlich aggressiver verlaufen, würde man den Patienten ebenfalls eine postoperative Radiochemotherapie empfehlen, so wie es bei Glioblastom-Patienten der Standard ist“, betont Hartmann. Sollte der Krebsmarker keine Bedeutung haben, bleibe alles wie bisher: Strahlen- oder Chemotherapie.

Die Studie wird von der Niedersächsischen Krebsgesellschaft gefördert.

Foto: © zlikovec - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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