Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
23.10.2019

Bedarf an Pflegekräften nimmt stark zu

Im Jahr 2030 werden in Deutschland zusätzlich mindestens 187.000 Pflegekräfte gebraucht. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft erstellt wurde. Werden die Pflegepersonalschlüssel weiter korrigiert, fehlen noch mehr Fachkräfte.
Pflegekräfte, Pflegekräftebedarf, Personalmangel in der Pflege

Der Personalmangel in der Pflege nimmt dramatische Züge an

Die Personalprobleme bei der Pflege in Krankenhäusern, Pflegeheimen und bei ambulanten Pflegediensten werden weiter zunehmen. Das ist eines der Ergebnisse des Gutachtens „Situation und Entwicklung in der Pflege bis 2030“, welches das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) erstellt hat. Demnach werden bei einer Fortsetzung der derzeitigen Entwicklung im Jahr 2030 mindestens weitere 187.000 Pflegevollkräfte gebraucht.

Zu den fehlenden Fachkräften zählen 63.000 Vollzeit-Pflegekräfte, die in Krankenhäusern gebraucht werden, sowie 51.000 fehlende Kräfte in der stationären Pflege. In der ambulanten Pflege sieht es besonders dramatisch aus: Hier fehlen dem Gutachten zufolge im Jahr 2030 mindestens 73.000 Pflegefachkräfte.

Veränderung der Personalschlüssel erhöhen Mehrbedarf in der Pflege

Nicht eingerechnet in diese Prognosen ist die notwendige verbesserte Personalbeset­zung. Wird diese berücksichtigt, steigt der Mehrbedarf weitaus stärker an. Den Berechnungen zufolge würde jede Verbesserung der Pflegepersonalschlüssel um ein Prozent rund 9.000 Pflegekräften zusätzlich bedeuten.

Bei einer Korrektur der Personaluntergrenzen pro Schicht würden die Zahlen wieder anders ausfallen. Bei jeder weiteren Verbesserung der Personalbesetzung um eine Pflegekraft je Schicht würde zu den prognostizierten 187.000 zusätzlichen Pflegekräften ein Mehrbedarf von 170.000 Fachkräften entstehen. Damit läge der Mehrbedarf bei insgesamt bei 357.000 Vollkräften bis 2030.

 

Mehr Vollkräfte in der Pflege nötig

Zu den wichtigsten Handlungsoptionen gehören nach Auffassung der Studienautoren insbesondere der Ausbau der Ausbildungskapazitäten und die Reduktion der relativ hohen Teilzeitquoten. Daneben könnte durch die Rekrutierung der „stillen Reserve“ von nicht mehr in der Pflege berufstätigen Pflegekräften und durch die Akquise ausländischer Pflegekräfte zusätzliches Personal gewonnen werden. Verbesserte Arbeitsbedingungen könnten zudem die Attraktivität des Pflegeberufs erhöhen und einen längeren Verbleib der Arbeitskräfte in der Pflege begünstigen.

DKG: Krankenhäuser alleine schaffen es nicht

Als Reaktion auf das Gutachten betonte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum: „Krankenhäuser allein können es nicht schaffen.“ Seiner Ansicht nach sind dringend mehr Möglichkeiten der Delegation und Substitution von Pfle­geleistungen auf Pflegehilfskräfte nötig.

Zusätzlich bedürfe es der auskömmlichen Investitionsfinanzierung, um arbeitserleichternde und entlastende Rahmenbedingungen zu schaffen. „Wir werden auch die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen müssen, und auch dazu bedarf es der finanziellen Mittel“, so Baum.

Foto: © Robert Kneschke – Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gesundheitspolitik , Pflegekräfte , Fachkräftemangel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Personalmangel in der Pflege

23.10.2019

Im Jahr 2030 werden in Deutschland zusätzlich mindestens 187.000 Pflegekräfte gebraucht. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft erstellt wurde. Werden die Pflegepersonalschlüssel weiter korrigiert, fehlen noch mehr Fachkräfte.

09.08.2020

Im Oktober startet mit dem Bachelor „Physician Assistance“ (PA) an der Hochschule Anhalt das erste staatliche berufsbegleitende Studium seiner Art in Deutschland. Absolventen erlangen die fachliche Kompetenz, ärztliche Tätigkeiten in Delegation auszuführen. Ziel ist es, die Ärzte zu entlasten und den Ärztemangel in Kliniken und Landarztpraxen abzufedern.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Ältere Menschen haben oft mehrere Krankheiten und nehmen deshalb fünf und mehr Medikamente gleichzeitig ein. Oft hat aber keiner den Überblick, ob diese Mittel sich auch vertragen. Die Folge: Bis zu 30 Prozent der Krankenhauseinweisungen bei Senioren sind auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen. Darauf weist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hin.

Der Wirkstoff Nusinersen zur Behandlung von spinaler Muskelatrophie (SMA) hat nach Einschätzung des IQWiG einen erheblichen Zusatznutzen für Kinder mit SMA Typ1. Die Kinder mit einem frühen Krankheitsbeginn profitieren demnach von einer lebensverlängernden Behandlung.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin