. Herzinfarkt

Ballonpumpe bei kardiogenem Schock ohne zusätzlichen Nutzen

Die intraaortale Ballonpumpe wird seit über 40 Jahren bei Patienten mit kardiogenem Schock eingesetzt. Doch einer neuen Studie zufolge senkt sie das Sterberisiko nicht.
Kardiogener Schock: Ballonpumpe nutzlos

Kardiogener Schock: Ballonpumpe nutzlos

Rund fünf bis zehn Prozent der Patienten mit akutem Herzinfarkt geraten in einen kardiogenen Schock. Bei vielen von ihnen wurde bisher die intraaortale Ballonpumpe (IABP) eingesetzt. Doch die Pumpe bringt den Patienten offenbar keinen Vorteil gegenüber der alleinigen Wiedereröffnung verengter Koronararterien. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt die IABP-SHOCK-II-Studie, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München präsentiert und gleichzeitig im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.

Die Ballonpumpe dient der intraaortalen Ballongegenpulsation. Sie erweitert und entspannt sich gegenläufig zur Aktion des Herzmuskels. Dadurch erhöht und verlängert sich der aortokoronare Druck in der Diastole, was die Blutversorgung von Gehirn und Herz verbessert, und in der Systole wird die Arbeitsbelastung verringert. Durch die Ballonpume kann somit die myokardiale Sauerstoffversorgung erhöht und der myokardialen Sauerstoffverbrauch gesenkt werden, und der Patient - so die Annahme - wird stabilisiert. Allerdings fehlte bisher der Nachweis, dass der Einsatz der Ballonpumpe tatsächlich zu einer Verringerung der Sterblichkeit führt.

Keine Reduktion des Sterberisikos durch Ballonpumpe

Nun wurde unter Leitung von Holger Thiele vom Herzzentrum Leipzig die bisher grösste Studie zum kardiogenen Schock durchgeführt. 600 Patienten an 37 Zentren in Deutschland nahmen an der Studie teil. Alle hatten als Folge eines Herzinfarkts einen kardiogenen Schock erlitten und wurden - nach einer frühen Revaskularisation - entweder nur intensivmedizinisch betreut oder erhielten zusätzlich die intraaortale Ballonpumpe.

Es zeigte sich, dass die Sterblichkeit nach 30 Tagen in beiden Gruppen ungefähr gleich hoch war. Ein geringer Vorteil von 1,6 Prozent zugunsten der Ballonpumpe war nicht statistisch signifikant. Auch bei anderen Faktoren wie Blutdruck oder Behandlungstagen war die IABP nicht überlegen. Immerhin konnte aber auch gezeigt werden, dass der Einsatz der Ballonpumpe sicher ist. In der IABP-Gruppe gab es nicht mehr Komplikationen als in der Kontrollgruppe. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie hat sofort auf die Studie reagiert. In ihrer Leitlinie wurde die Ballonpumpe bereits auf den Empfehlungsgrad 2B herabgestuft.

Foto: psdesign1 - Fotolia.com

 
Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herz

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Das Medulloblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der meist im Kleinkindes- und Kindesalter auftritt. Forscher der Universität Bonn haben nun gemeinsam mit einem internationalen Team eine Form der Erkrankung identifiziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Unter Umständen kann man den Betroffenen zukünftig mit einer deutlich schonenderen Behandlung helfen als bisher.
Sie hat keine Kalorien und trotzdem soll sie dick machen: Kohlensäure. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie, die bereits letztes Jahr durchgeführt wurde und nun wieder in die Schlagzeilen geraten ist. Doch stimmt das wirklich?
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.