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Bahnfahren: Wo die meisten Keime lauern

Der gefährliche Coronavirus aus China hat Deutschland noch nicht erreicht. Dafür sind andere Erreger schon da und verbreiten sich freudig: beim Bahnfahren zum Beispiel. Wo im Zug sich überall Keime tummeln, zeigt eine Studie des Reisemagazins „Travelbook“. Die Türklinken an den Toiletten sind es jedenfalls nicht.
Vierer-Sitzgruppe im Regionalzug, Blick auf norddeutsche Küstenlandschaft

Rund 150 Millionen Reisende sind pro Jahr in Fernverkehrszügen unterwegs – und mit Ihnen ganzes Universum an Keimen.

Als „sauberes“, weil emissionsarmes Verkehrsmittel erlebt die Bahn im Angesicht des Klimawandels eine Renaissance. Das heißt aber nicht, dass auch Sitze, Handgriffe oder Armaturen im Großraumwagen, im Abteil, in der Zugtoilette oder im Bordrestaurant ebenfalls sauber wären. Rund 150 Millionen Reisende sind derzeit pro Jahr in Fernverkehrszügen unterwegs – und mit ihnen ein ganzes Universum an Mikrobiologie. Während in manchen Supermärkten vor den Einkaufswagen mittlerweile schon Spender mit Desinfektionstüchern bereitstehen, sind die Bahnkunden auf einen hoffentlich regelmäßigen Einsatz und die Sorgfalt des Reinigungspersonals angewiesen – und auf ein wenig Glück.

„Am stärksten verkeimt sind Sitze und Kopfstützen"

Das Online-Reisemagazin „Travelbook“ ließ jetzt in Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn sowie des Billiganbieters Flixtrain Proben nehmen. Die wichtigsten Ergebnisse der Keimanalyse: Die Züge sind morgens sauberer als abends. Überraschend dabei: „Am stärksten verkeimt sind Sitze und Kopfstützen, wohingegen die Klapptische und die Toiletten-Türklinken sauberer sind als vermutet“, heißt es in einer Mitteilung von Travelbook, dem nach eigenen Angaben drittgrößten Online-Reisemagazin Deutschlands.

 

Keimdetektive im Zug: Wo die Tester Proben nahmen

Und so lief der mikrobiologische Test in den Fernverkehrszügen ab: An fünf Stellen (Sitz, Kopfstütze, Armlehne, Klapptisch und Toiletten-Türklinke innen) wurden insgesamt 20 Proben in jeweils einem Fernverkehrszug von der Deutschen Bahn und von Flixtrain genommen – einmal vor 9 Uhr und einmal nach 18 Uhr. Anschließend wurden die Proben zur Analyse an die MykoLab Kaldorf GmbH in Mönchengladbach geschickt. Das Labor ist auf die mikrobiologische Untersuchung von Proben auf Schimmelpilze und Bakterien aus dem Innenraumbereich spezialisiert.

Abendzüge: Viermal so stark mit Keimen belastet

Die Ergebnisse der Untersuchung deckten sich laut Travelbook weitgehend mit den Antworten beider Zugunternehmen auf die Nachfrage des Reisemagazins, wann und wie oft die Züge gereinigt würden. Sowohl Flixtrain als auch Deutsche Bahn gaben an, die Züge während der Nachtabstellung reinigen zu lassen. Das erklärt, warum die am Morgen entnommenen Proben nur wenig bis kaum verunreinigt waren. Bei den Proben, die abends genommen wurden, lag insgesamt eine deutlich höhere Keimbelastung vor. Die Züge, die abends fuhren, waren sogar mehr als viermal so stark belastet wie die Züge, die morgens fuhren.

Warum Kopflehnen und Sitze am stärksten verunreinigt sind

Warum Kopfstützen und Sitzflächen jeweils am stärksten verunreinigt waren, erklärt sich dadurch, dass die Polsterflächen in den Zügen nach Angaben beider Unternehmen nicht täglich gereinigt werden, sondern nur im Rahmen größerer Zwischen- oder Grundreinigungen, die lediglich alle paar Wochen stattfinden. Trotzdem: Grund zur Panik gibt es offenbar nicht. Insgesamt habe der Test gezeigt, dass die Verunreinigungen bei beiden Unternehmen nicht als besorgniserregend einzustufen seien, sondern diese sie sich in einem normalen Rahmen bewegten, hießt es bei Travelbook weiter.

Studie der Uni Jena: Wo im Flugzeug Keime lauern

Mit gesundheitsgefährdenden Keimen in Flugzeugen haben sich bereits Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigt. 2018 legten sie eine erste systematische Übersichtsarbeit zu Krankheitserregern auf Materialoberflächen in Flugzeugen vor. Der Studie zufolge kommen an Bord von Verkehrsflugzeugen Mikroben aus verschiedensten Regionen der Erde zusammen. Dies sind insbesondere: MRSA-Keime (die gegen praktisch alle marktverfügbaren Antibiotika resistent sind), Noroviren und auch das Kolibakterium („Escherichia coli“, kurz auch: E. coli), aus dessen Familie bestimmte Stämme schweren Durchfall auslösen können. Die Jenaer Studie kam zu einem ähnlichen Schluss wie die jetzt von Travelbook vorgelegte: Demnach sind überraschenderweise scheinbar harmlosere Orte wie Sitzlehnen, Anschnallgurte oder Klapptische besonders stark mit Keimen verseucht.

Foto: AdobeStock/Christian Horz

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