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Autovaccine gegen Harnwegsinfekte

Mindestens jede vierte Frau zwischen 20 und 40 Jahren hat schon einmal einen Harnwegsinfekt gehabt. Die Rückfallrate liegt hoch – bei etwa 20 bis 50 Prozent. Gängige Antibiotika-Therapien sind nicht unumstritten. Eine Therapie mit Autovaccinen könnte sich als sinnvolle Alternative erweisen.
Neue Methode gegen Harnwegsinfekte

Viele Frauen leiden unter wiederkehrenden Harnwegsinfekten

Harnwegsinfekte sind unangenehm und schmerzhaft und haben eine hohe Rezidivrate. Bisher werden sie hauptsächlich mit Antibiotika behandelt, doch Nebenwirkungen sowie zunehmende Resistenzen lassen immer mehr Ärzte und Patienten an dieser Methode zweifeln. Eine Therapie mit AutoColiVaccinen stellt eine interessante Alternative dar. Eine aktuelle Studie untermauert dies.

Seit 2010 werden in der S3-Leitlinie zur Kurzzeittherapie einer unkomplizierten Zystitis die Medikamente Fosfomycin und Nitrofurantoin empfohlen, da sie anders als Breitbandantibiotika keine Störungen der Darm- und Vaginalflora verursachen. Bisher wird die Leitlinie im klinischen Alltag jedoch wenig umgesetzt. Als Alternativen werden häufig eine Immunprophylaxe (eine sogenannte „Impfung“ gegen Harnwegsinfektionen) oder eine Kur mit Laktobazillen empfohlen. Besonders die Laktobazillen stehen seit einiger Zeit verstärkt im Fokus der Forscher, da die Bedeutung der Mikroflora für den Organismus durch Studien immer deutlicher wird.

Patienteneigene Bakterienstämme als Impfung

Untersuchungen zeigen, dass eine gestörte Darmflora auch die Entstehung von Harnwegsinfektionen begünstigt. Probiotika wie die Laktobazillen haben einen günstigen Einfluss auf die Mikroflora des Darms. Eine andere Option sind die Autovaccine – inaktivierte Bakterien oder Pilze des Patienten, die zu einem Impfstoff verarbeitet werden. Es gibt zwei Arten von Autovaccinen: die sogenannten Auto-Coli-Vaccine, die mittels einer Stuhlprobe aus dem Bakterium Escherichia Coli hergestellt werden und infektionsbezogene Autovaccine, die durch einen Abstrich im jeweiligen Infektionsgebiet gewonnen werden.

Die AutoColiVaccine enthalten also nicht pathogene E.-coli-Stämme aus dem Verdauungstrakt des jeweiligen Patienten. Für die Herstellung des Impfstoffs werden E.-coli-Fragmente aus dem Stuhl des Patienten vermehrt, inaktiviert und anschließend zu AutoColiVaccinen verarbeitet. Die besondere Wirkung der AutoColiVaccine besteht darin, dass sie patienteneigene Bakterienstämme enthalten und speziell für den jeweiligen Patienten im Labor angefertigt werden. Aus diesen Gründen sind sie optimal auf die individuellen Erfordernisse des jeweiligen Immunsystems zugeschnitten.

Heilimpfung durch Autovaccine

Anders als bei herkömmlichen Impfungen werden bei der Behandlung mit Autovaccinen die Bakterien nicht vorbeugend eingesetzt, sondern nachträglich, um das körpereigene Abwehrsystem zu unterstützen. Autovaccine wirken also nicht als Schutzimpfung, sondern als Heilimpfung. Gestützt werden diese Erkenntnisse durch eine aktuelle Studie, die im Magazin „Science Translational Medicine“ veröffentlicht wurde. Die Studie konnte zeigen, dass sich uropathogene E.-coli-Bakterien zwischen dem Harntrakt und dem Darm der Patientinnen hin- und herbewegen.

Autovaccine bei Harnwegsinfekten und anderen Krankheiten

Die Therapie mit Autovaccinen dauert in der Regel sechs Wochen. Neben der oralen Applikation, einer Injektion und dem Einreiben in die Haut steht mittlerweile auch ein Sprühaufsatz für die nasale Anwendung zur Verfügung. Neben der Verwendung bei Harnwegsinfekten ist eine Behandlung mit Autovaccinen auch bei Heuschnupfen, bei chronisch-rezidivierenden Atemwegsinfekten sowie bei Pilzbefall eine Option.

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Hauptkategorie: Medizin

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