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Auslastung der Notaufnahmen zu gering für gute Qualität?

Rund 1,7 Patienten behandeln die Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser im Schnitt. Das hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) errechnet. Es hält diese Auslastung der Notaufnahmen für zu gering.
Genügt die Auslastung der Notaufnahmen?

Die Diskussion um die Reform der Notfallversorgung geht weiter.

Deutschland liege mit diesem Wert weit unter europäischen Vergleichswerten. In England etwa würden elf, in Dänemark zehn Patienten pro Stunde in Krankenhausnotaufnahmen behandelt, teilte das ZI mit. Die Berechnung beruht auf einer Analyse der ambulanten Abrechnungsdaten von 2480 Krankenhaus-Notaufnahmen in den Bezirken von 13 Kassenärztlichen Vereinigungen. Dabei wurde die Annahme zugrunde gelegt, dass die Notaufnahmen zusätzlich etwa gleich viele Patienten stationär behandeln. Ambulant haben die analysierten Notaufnahmen lediglich 0,84 Patienten pro Stunde behandelt.

„In der Öffentlichkeit ist der Eindruck entstanden, als seien die Notaufnahmen sämtlich überlaufen. An einigen Standorten mag das durchaus der Fall sein, generell kann jedoch keine Rede davon sein“, so ZI-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried. Für ein realitätsgetreues Bild, müsse man die Lage von Notaufnahme zu Notaufnahme und von Region zu Region differenziert betrachten. „Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele Krankenhäuser mehr als eine Notaufnahme betreiben“, so von Stillfried.

ZI: Geringe Auslastung der Notaufnahmen problematisch

In Deutschland behandeln laut ZI 30 Prozent der Notaufnahmen mehr als zwei Patienten pro Stunde. Etwa ein Fünftel der Notaufnahmen hierzulande erreiche regelhaft eine Auslastung von mehr als fünf Patienten pro Stunde, bei einem weiteren Fünftel liege die mittlere Auslastung dagegen unter 0,4 Patienten pro Stunde.

Der ZI-Geschäftsführer hält die geringe durchschnittliche Auslastung der Notaufnahmen für problematisch mit Blick auf die Qualität der Versorgung in den Notaufnahmen: „Gemessen an Referenzwerten aus internationalen Studien, behandeln die meisten Notaufnahmen im Schnitt so wenige Patienten, dass hierdurch erhöhte Risiken für Patienten bestehen“, so von Stillfried weiter. Geringere Erfahrung und eine schlechtere Personal- und Technikausstattung in kleinen Notaufnahmen würden für Patienten oft zu höheren Komplikationsraten, längeren Krankenhausaufenthalten und zu höherer Sterblichkeit führen. „Wenn es um Leben und Tod geht, ist die Versorgung in den großen Notaufnahmen erheblich besser“, meint er. Von Stillfried verweist auf Studien aus den USA: Dort würden Notaufnahmen mit weniger als 2,3 Patienten pro Stunde (20.000 Patienten pro Jahr) die höchsten Sterblichkeitswerte aufweisen. Sie könnten bis zu 50 Prozent erhöht sein.

 

ZI fordert Konzentration der Notfallversorgung

Um eine Qualitätsverbesserung in der Notfallversorgung zu erreichen, hält das ZI einen deutlichen Konzentrationsprozess für erforderlich. „In Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser mit einer Notaufnahme, die weder den apparativen noch personellen Anforderungen der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) gerecht werden“, kritisiert von Stillfried.

Potenzial für eine Konzentration der Notfallversorgung sieht der ZI-Geschäftsführer vor allem in städtischen Ballungsräumen. Dort könne eine Konzentration auf wenige gut ausgestattete Standorte erfolgen, ohne dass die Erreichbarkeit eingeschränkt werde. Damit würden aus seiner Sicht zugleich die Voraussetzungen verbessert, um ärztliche Bereitschaftspraxen an diesen Standorten einzurichten, die leichtere Fälle übernehmen und die Notaufnahmen für echte Notfälle entlasten.

Foto: Wellnhofer Designs – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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