Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

„Aufsuchende Therapie“ soll Patienten mit schwerer Agoraphobie helfen

Mittwoch, 11. Juli 2018 – Autor: anvo
Bei einer schweren Agoraphobie sind die Betroffenen oft nicht mehr in der Lage, ihr Zuhause zu verlassen. Somit sind auch Therapiekonzepte für sie kaum zugänglich. Das wollen Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin nun mit einem bundesweit einmaligen Behandlungsangebot ändern.
Aufsuchende Therapie, Agoraphobie, Charité

Wer unter einer stark ausgeprägten Agoraphobie leidet, kann kaum noch eine ambulante Psychotherapie aufsuchen – Foto: ©koldunova_anna - stock.adobe.com

Menschen mit Agoraphobie haben Angst vor Situationen oder Orten, die sie nicht unmittelbar verlassen können oder bei denen sie im Notfall vermeintlich keine schnelle Hilfe bekommen würden. Solche Situationen können beispielsweise der Aufenthalt an öffentlichen Plätzen, in Menschenmengen oder öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch an allen anderen Orten außerhalb der eigenen Wohnung sein. Das Vermeiden dieser Situationen führt bei einer besonders schwer ausgeprägten Agoraphobie dazu, dass die Patienten die eigene Wohnung nicht mehr selbständig verlassen können und dass ihre Lebensführung massiv eingeschränkt ist.

Patienten können manchmal nicht mehr die Wohnung verlassen

Eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) stellt für die Agoraphobie die psychotherapeutische Behandlungsmethode der ersten Wahl dar. Insbesondere bei leichter und mittelschwerer Symptomausprägung kann es hierdurch häufig zu einem Symptomrückgang oder sogar einem völligen Verschwinden der Symptomatik kommen.

In schweren Fällen kann es jedoch sein, dass die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, selbstständig die eigene Wohnung zu verlassen. Sie sind deshalb auf die kontinuierliche Unterstützung anderer Menschen angewiesen und können deshalb ambulante Psychotherapietermine nicht regelmäßig wahrnehmen. Hierdurch beschleunigt sich der bereits begonnene „Teufelskreis“ von Angst und Vermeidung weiter und begünstigt so eine Chronifizierung der Erkrankung.

 

Psychotherapeuten kommen zu den Patienten nach Hause

Die Charité bietet daher in Kooperation mit dem Zentrum für Psychotherapie der Humboldt-Universität zu Berlin (ZPHU) sowie dem Sozialpsychiatrischen Dienst (SpD) Berlin eine sogenannte „aufsuchende Therapie“ für Patienten an, die aufgrund einer schweren Agoraphobie nicht mehr in der Lage sind, ohne die Unterstützung durch Dritte ihre häusliche Umgebung zu verlassen. Im Rahmen dieses wissenschaftlich begleiteten Behandlungsangebotes werden die Betroffenen durch die Therapeuten unmittelbar aufgesucht und die Therapie wird in der Wohnung der Betroffenen begonnen. Anschließend wird die Verhaltenstherapie am Zentrum für Psychotherapie am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin ambulant fortgesetzt.

Das Angebot wird von der Studie „ExIT To HopE“ begleitet. Dafür sucht die Charité noch Patienten mit einer schweren Agoraphobie, die aufgrund der Erkrankung nicht mehr oder ausschließlich in Begleitung anderer ihre Wohnung verlassen können. Die Probanden müssen mindestens 18 Jahre alt sein sowie im erweiterten Berliner Stadtgebiet wohnen. Zudem dürfen sie nicht unter einer Substanzabhängigkeit oder einer psychotischen Erkrankung leiden. Interessierte können sich telefonisch unter +49 30 450 517 017 oder per Mail bei carolin.liebscher(at)charite.de melden.

Foto: © koldunova_anna - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Angst , Psychiatrie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Angsterkrankungen

20.04.2018

Seit einiger Zeit mehren sich die Hinweise, dass das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin Angststörungen reduzieren kann. Dies haben nun Forscher der Universität Regensburg bestätigt. Demnach kann Oxytocin soziale Phobien wirksam lindern.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Ein Schrank voller Nudeln, Klopapier und Wasserflaschen: Das ist eine Art, mit aktuellen Krisen wie Ukraine-Krieg und Klimawandel umzugehen. Eine weitere Art ist, alles zu tun, dass man psychisch stabil und gesund bleibt. Experten sagen: Das kann man lernen.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin