. Mikrobiom

Aufenthalt auf der Intensivstation schädigt Darmflora

Bei den meisten Intensivpatienten übernehmen potentielle schädliche Mikroben die Vorherrschaft in der Darmflora. Das zeigte eine Untersuchung britischer Forscher.
intensivstation, intensivpatient, intensivmedizin

Der Aufenthalt auf der Intensivstation kann die Darmflora schädigen

Bei den meisten Intensivpatienten übernehmen potentielle schädliche Mikroben die Vorherrschaft in der Darmflora. Das zeigte eine Untersuchung von Forschern des Quadram-Instituts im britischen Norwich.

Das Darmmikrobiom ist die komplexe Gemeinschaft von Bakterien und anderen Mikroben und spielt eine wichtige Rolle für Gesundheit und Wohlbefinden. Eine Reihe von Faktoren kann die mikrobielle Vielfalt des Darms von Intensivpatienten verringern und das Infektionsrisiko erhöhen. Dazu gehören assistierte Beatmung, künstliche Ernährung und bestimmte Medikamente.

Mikrobielle Vielfalt nahm deutlich ab

An der Studie nahmen 24 Patienten im Alter von 25 bis 85 Jahren teil. Die Forscher um Prof. Mark Pallen untersuchten Stuhlproben, um festzustellen, wie sich die Diversität und Zusammensetzung des Darmmikrobioms während der Zeit der Patienten auf der Intensivstation veränderte.

Obwohl die getesteten Patienten aus verschiedenen Gründen auf die Intensivstation gebracht wurden - dazu zählten Trauma, Herzinfarkt und Krebs -, zeigten zwei Drittel während ihres Aufenthalts eine deutliche Verringerung der mikrobiellen Vielfalt.

 

Aufenthalt auf der Intensivstation schädigt Darmflora

Der Aufenthalt auf der Intensivstation schädigte die Darmflora: Bei Langzeit-Intensivpatienten wurde das Darmmikrobiom von Bakterien dominiert, die möglicherweise pathogen werden. Am häufigsten fand sich Enterococcus faecium. Das ist ein verbreiteter Krankenhauskeim.

E. faecium kann schwere Infektionen verursachen, insbesondere an Orten, an denen medizinische Geräte wie intravenöse Kanülen verwendet wurden. Wenn diese Bakterien in die Blutbahn gelangen, kann es zu lebensbedrohlichen Infektionen kommen. Enterokokken-Infektionen sind besonders schwierig zu behandeln, da viele Arten in dieser Gruppe Resistenzen gegen mehrere Antibiotika entwickelt haben, einschließlich des letzten Antibiotikums Vancomycin.

Besonders Antibiotikum Meropenem wirkte sich negativ aus

Insbesondere ein Antibiotikum, Meropenem, wirkte sich negativ auf gesunde Darmbakterien bei Intensivpatienten aus. Um die mikrobielle Vielfalt zu schützen, schlagen die Forscher vor, den Patienten Medikamente zu verabreichen, die sie absorbieren oder inaktivieren, wie zum Beispiel Holzkohle, um den Einfluss von Antibiotika auf das Darmmikrobiom zu verringern.

Eine andere Möglichkeit könnte darin bestehen, die mikrobielle Vielfalt bei Intensivpatienten durch Transplantation von Mikrobiota im Stuhl wiederherzustellen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Microbial Genomics veröffentlicht.

Foto: aok-bundesverband

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenhauskeime
 

Weitere Nachrichten zum Thema Intensivmedizin

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
 
. Weitere Nachrichten
Der Corona-Impfstoff ist greifbar nahe. Doch wer wird zuerst geimpft und wie lange hält der Impfschutz überhaupt? Über diese und andere brennende Fragen zur Pandemiebewältigung diskutierten Experten auf der online-Eröffnungsveranstaltung des 14. Nationalen Qualitätskongresses Gesundheit am Donnerstag. Eine Zusammenfassung.
Immer wieder wird die gesundheitsfördernde Wirkung von Weihrauch diskutiert. Kleinere Studien konnten bereits die Wirksamkeit bei einigen Krankheiten belegen. Sie beruht offenbar vor allem auf den im Weihrauch enthaltenden entzündungshemmenden Substanzen.
 
 
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.