. Gemcitabin

Auch Bakterien beeinflussen Chemotherapie

Bakterien können nicht nur krank machen, sondern auch die Wirkung einer Chemotherapie beeinträchtigen. Wissenschaftler haben dies jetzt an Gemcitabin nachgewiesen, das vor allem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs verabreicht wird.
In Bauchspeichelkrebs tummeln sich Bakterien, die die Wirkung von Gemcitabin aufheben

In Bauchspeichelkrebs tummeln sich Bakterien, die die Wirkung von Gemcitabin aufheben

Bakterien tummeln sich überall. Auch in der Umgebung eines Tumors. Dass einige Mikroben in der Lage sind, die Wirkung einer Chemotherapie auszuhebeln, haben Forscher jetzt nachweisen können. Das Team um Leore Geller vom Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel hatte das Zytostatikum Gemcitabin an Modellen mit humanen Darmkrebszellen untersucht und dabei festgestellt: Von 27 getesteten Bakterien wandelten 13 das Krebsmittel in eine inaktive Form um. Genauer gesagt sorgte ein bestimmtes Enzym (cytidine deaminase –CDD) für den Resistenzmechanismus. Bakterien der Gattung Gammaproteobacteria, zu denen etwa  E.-coli- Bakterien, Legionellen oder Pseudomonas gehören, besitzen dieses Enzym.

E.-coli-Bakterien lösten Chemoresistenz aus

Der Fund aus dem Labor bestätigte sich anschließend in Mäusen. Wurden den Dickdarmkrebszellen E.-coli-Bakterien zugesetzt, wuchs der Krebs viel schneller, als wenn dieser Zusatz fehlte. Allerdings konnte dieser Effekt wieder aufgehoben werden, wenn die Tiere ein Antibiotikum erhielten.

In einem dritten Schritt untersuchten die Forscher Gewebeproben von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, da diese üblicherweise mit Gemcitabin behandelt werden. In 70 Prozent der Proben konnten tatsächlich Gammaproteobacteria nachgewiesen werden, also genau die Bakterien, die die Chemoresistenz auslösen.

Antibiotika bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

„Interessanterweise finden sich in einem hohen Prozentsatz an Pankreastumoren diese chemotherapiefeindlichen Bakterien, berichten die Forscher im Fachmagazin „Science“. Das lasse die Annahme zu, dass Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs von einer begleitenden Antibiotikabehandlung profitieren könnten.

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebserkrankungen überhaupt. Fünf Jahre nach Diagnose sind weniger als fünf Prozent der Patienten noch am Leben.

Foto: © fotoliaxrender - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Chemotherapie , Bauchspeicheldrüsenkrebs , Darmkrebs , Antibiotika

Weitere Nachrichten zum Thema Chemotherapie-Resistenz

| Fischöl-Kapseln sollen die Gesundheit stärken, doch bei Krebspatienten könnten sie einen gegenteiligen Effekt haben. Das berichten Forscher aus den Niederlanden. Demnach können Fischöle die Wirkung von Chemotherapien abschwächen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Antibiotika-Resistenzen werden zu einem immer größer werdenden Gesundheitsproblem. Als mögliche Alternativen gelten Bakteriophagen. Nun wurde eine Forschungsinitiative gestartet, um Bakteriophagen als zugelassenes Arzneimittel zu etablieren.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KZV Berlin, großer Sitzungssaal, Georg-Wilhelm-Straße 16, 10711 Berlin
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.